Tokenmaxxing: Wer verbraucht die meisten KI-Tokens?
Bei OpenAI hat ein Ingenieur in einer einzigen Woche 210 Milliarden Tokens durch die KI-Modelle des Unternehmens gejagt – genug Text, um die Wikipedia 33 Mal zu füllen. Bei Anthropic soll ein Nutzer des Claude-Code-Systems in einem Monat über 150.000 Dollar verbraucht haben. Dahinter steckt nach Angaben der New York Times ein Trend(öffnet im neuen Fenster) : Tech-Mitarbeiter nutzen die KI-Tools ihrer Arbeitgeber immer exzessiver, und die Firmen bauen ihre gesamte Strategie genau darauf auf.
Der Trend hat einen Namen: Tokenmaxxing. Das Prinzip ist simpel. Es werden so viele Tokens wie möglich verbraucht, also jene Grundeinheiten, in denen KI-Modelle Text verarbeiten(öffnet im neuen Fenster) , grob vergleichbar mit Wortfragmenten. Ob das echter Produktivitätsgewinn ist oder nur Beschäftigungstherapie, steht noch nicht fest.
Bestenlisten machen KI-Nutzung zum Wettkampf
Bei Meta und OpenAI gibt es interne Ranglisten, die zeigen, wie viele Tokens jeder Mitarbeiter verbraucht. Jeder sieht, wo er im Vergleich zu den Kollegen steht. Gedacht ist das wohl als Anreiz zur Nutzung. Ob dabei sinnvolle Arbeit herauskommt oder nur ein Wettbewerb ums Verbrauchen, ist eine andere Frage.
Für manche Entwickler ist ein großzügiges Token-Budget inzwischen so etwas wie ein Jobvorteil – ähnlich wie Essenszuschüsse oder eine gute Krankenversicherung. Max Linder, Softwareingenieur aus Stockholm, gibt nach eigenen Angaben mehr für Claude aus, als er verdient – auf Kosten seines Arbeitgebers, berichtet die NYT. Das zeigt, wie normal solche Ausgaben in Teilen der Branche schon geworden sind.
Bei Meta und Shopify soll die KI-Nutzung sogar in Leistungsbeurteilungen einfließen. Wer viel nutzt, wird belohnt. Wer nicht, muss erklären, warum. Das schafft einen klaren Anreiz, die Zahlen hochzutreiben. Dabei ist es egal, ob die Ergebnisse das rechtfertigen.
Das Produktivitätsversprechen wackelt
Die Idee hinter KI im Unternehmen war klar: bessere Werkzeuge, mehr Output, niedrigere Kosten. Das stimmt grundsätzlich noch, aber Tokenmaxxing macht die Rechnung komplizierter. Wenn ein einzelner Nutzer monatlich sechsstellige Beträge verursacht, lässt sich dieser Kostenblock, der ja erst durch den Einsatz von KI entstanden ist, nicht mehr einfach wegdiskutieren.
Ob das Geld gut investiert ist, weiß eigentlich niemand so genau. Die Unternehmen veröffentlichen keine Zahlen dazu. Was man sieht: Der Druck auf Mitarbeiter, KI intensiv zu nutzen, wächst – vor allem bei Entwicklern, die als erste Berufsgruppe konkrete Nutzungserwartungen zu spüren bekommen.
Irgendwann werden die Firmen die Budgets wohl deckeln – was heute als Vorteil verkauft wird, kann morgen zum Kostenkontrollinstrument werden.
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