Tödliche Kollision: Familie von Unfallopfer verklagt Tesla
Mehr als ein Jahr nach einem tödlichen Unfall mit einem Model X hat die Familie des Unfallopfers den Elektroautohersteller Tesla verklagt. Fehler von Teslas Assistenzsystem "Autopilot" hätten den tödlichen Unfall verursacht, teilte die Kanzlei Minami Tamaki mit(öffnet im neuen Fenster), die von der Familie des Unfallopfers Walter Huang beauftragt worden war. Der Apple-Mitarbeiter war am 23. März 2018 bei einem Unfall auf dem US-Highway 101 im Silicon Valley mit seinem Tesla gegen einen sogenannten Anpralldämpfer (engl.: crash attenuator guard) gerast.
Dem vorläufigen Unfallbericht der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB zufolge hatte Huang auf dem Weg zur Arbeit den sogenannten Autopilot eingeschaltet. Bei der Fahrt hatte das Assistenzsystem demnach die Markierung der Fahrspur verloren und war stattdessen nach links auf einen Fahrbahnteiler gezogen. Auf dem Spurteiler beschleunigte der Wagen dann auf die zuvor eingestellte Maximalgeschwindigkeit und kollidierte mit 114 km/h mit dem Anpralldämpfer. Bei dem Unfall wurde das Auto in zwei Teile gerissen und brannte aus. Der Fahrer starb im Krankenhaus an den Folgen seiner Verletzungen.
Model X in "fehlerhaftem Zustand"
In ihrer 22-seitigen Schadenersatzforderung(öffnet im neuen Fenster) werfen die Anwälte dem Autohersteller vor, dass das Model X nicht über die erforderlichen Sicherheitssysteme verfügt habe, um eine solche Kollision zu verhindern. Nach Darstellung der Anwälte haben selbst deutlich günstigere Modelle von Herstellern wie Subaru, Mazda, Chrysler, Mitsubishi und Honda automatische Notbremssysteme. Huang sei beim Kauf des Model X hingegen davon ausgegangen, dass die Autopilotfunktionen die Risiken ausschalteten, die durch das Verlassen der Fahrspur, die Kollision mit anderen Autos oder Hindernissen auf der Autobahn oder das Beschleunigen vor festen Hindernissen und Autos verursacht würden.
Darüber hinaus heißt es in der Klageschrift, das Auto habe sich in einem "fehlerhaften Zustand" befunden und sei "unzumutbar gefährlich" gewesen, wenn es auf "die vernünftigerweise erwartbare Art" genutzt worden sei. Tesla habe es versäumt, die Käufer ausreichend auf die Risiken des "fehlerhaften und unzumutbar gefährlichen 2017 Tesla Model X" hinzuweisen. Der Klage zufolge installierte Tesla erst nach dem tödlichen Unfall die entsprechenden Funktionen, die eine Kollision hätten vermeiden können.
Kalifornien ebenfalls verklagt
Tesla hatte im Oktober 2016 angekündigt, für die Tests neuer Funktionen einen "Schattenmodus" zu aktivieren und bestimmte Sicherheitsfunktionen wie das Notbremssystem zu deaktivieren. Ob mit aktiviertem Notbremssystem der Unfall hätte vermieden werden können, ist allerdings unklar. Denn eine Voraussetzung dafür ist das Erkennen nicht-beweglicher Hindernisse auf der Fahrbahn.
Darüber hinaus handelt es sich bei Teslas Autopilot weiterhin um ein teilautomatisiertes Assistenzsystem der Stufe 2, bei dem der Fahrer rechtlich jederzeit das Fahrgeschehen überwachen und in der Lage sein muss, das Steuer zu übernehmen. Dem Unfallbericht zufolge hatte Huang in der letzten Minute vor dem Unfall 34 Sekunden lang die Hand am Steuer. Doch in den letzten Sekunden vor der Kollision kontrollierte er offenbar nicht mehr das Verhalten des Fahrzeugs. Daher bemerkte er offenbar nicht, dass der Tesla die Fahrspur verließ und in Richtung des Anpralldämpfers beschleunigte.
Verschlimmert wurden die Unfallfolgen dabei durch den Umstand, dass dieser Anpralldämpfer elf Tage zuvor bei einem anderen Unfall beschädigt worden war. Die Familie des Unfallopfers verklagte daher auch den Bundesstaat Kalifornien, weil die dortige Straßenmeisterei den Dämpfer nicht repariert oder ausgetauscht habe, um die Folgen einer Kollision zu verringern.
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