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Tod von Douglas Trumbull: Ohne ihn hätten 2001 und Blade Runner anders ausgesehen

Douglas Trumbull war ein Visionär der Spezialeffekte und großer Filmemacher, der sich nach einem Unglück früh aus Hollywood zurückzog. Nun ist er mit 79 Jahren gestorben.
/ Peter Osteried
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Douglas Trumbull bei den Filmfestspielen in Locarno 2013. Er bekam damals den Vision Award für seine Lebensleistung. (Bild: Pier Marco Tacca/Getty Images)
Douglas Trumbull bei den Filmfestspielen in Locarno 2013. Er bekam damals den Vision Award für seine Lebensleistung. Bild: Pier Marco Tacca/Getty Images

Zu der Zeit, als George Lucas ihn fragte, ob er die Spezialeffekte bei Star Wars machen wolle, war Douglas Trumbull in seinem Bereich schon eine Legende. Er hatte die Effekte in Stanley Kubricks 2001 – Odyssee im Weltraum(öffnet im neuen Fenster) (1968) gemacht. Ohne ihn hätte der Film nie so überzeugend ausgesehen.

Trumbull war sehr gefragt. So gefragt, dass er George Lucas für Star Wars absagte. Er hatte einfach keine Zeit, weil er mit anderen Projekten beschäftigt war – als Effektspezialist und in den 1970ern auch als Regisseur. Nach einem tragischen Unglück am Set zog er sich Anfang der 80er-Jahre aus Hollywood zurück. Am 7. Februar 2022 starb er nach längerer Krankheit.

Schon der Vater machte Filmeffekte

Die Liebe zur Effektarbeit wurde dem am 8. April 1942 in Los Angeles geborenen Douglas Trumbull praktisch in die Wiege gelegt. Sein Vater Donald erschuf unter anderem die visuellen Effekte für Der Zauberer von Oz (1939).

Zunächst wollte Douglas jedoch Architekt werden, begann mit Illustrationen und arbeitete für Graphic Films, eine Firma, die Kurzfilme für die Nasa und die Air Force herstellte. Dort entstand auch der Film To the Moon and Beyond, der sich mit dem Weltraumflug befasst und 1964 auf der Weltausstellung in New York gezeigt wurde. Einer der Besucher war Stanley Kubrick, der durch To the Moon and Beyond endlich einen Weg sah, wie er seinen geplanten Science-Fiction-Film auf Basis von Arthur C. Clarkes Geschichte The Sentinel umsetzen konnte, während der Schriftsteller zeitgleich am Roman zu 2001 – Odyssee im Weltraum arbeitete.

Trumbull war 23 oder 24 Jahre alt, als er mit der Arbeit an dem Projekt begann. Mit 25 Jahren war er praktisch alleinverantwortlich für die Effektumsetzung – wenn auch in enger Zusammenarbeit mit Kubrick selbst, der bei seinen Filmen stets einen Hang zum Perfektionismus hatte und sich in jeden Aspekt stark einbrachte.

Der Film machte Trumbull in Hollywood nicht nur bekannter, sondern erlaubte es ihm auch, seine eigene Firma zu gründen, mit der er fast sofort pleiteging. Denn er ergatterte zwar die Effektarbeit für die Michael-Crichton-Verfilmung Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All(öffnet im neuen Fenster) , aber sein Angebot war viel zu niedrig. "Ich wusste nicht, was Effekte kosteten und machte ein viel zu niedriges Angebot," erinnerte er sich später.

Trumbull als Regisseur

Seine Arbeit erlaubte es Trumbull auch, von den Effekten auf den Regiestuhl zu wechseln. Das ist in der Geschichte Hollywoods nur Wenigen gelungen. 1972 präsentierte er den Science-Fiction-Film Lautlos im Weltraum(öffnet im neuen Fenster) auf Basis einer eigenen Geschichte. Es ist ein ökologisch angehauchter SF-Film, in dem die letzten lebenden Wälder der Erde ins All gebracht wurden, um dort darauf zu warten, zu einer Erde zurückzukehren, auf der sie wieder leben können.

Die Miniaturgebäude aus Blade Runner 2049
Die Miniaturgebäude aus Blade Runner 2049 (04:35)

Abgesehen von Kurzfilmen blieb dies lange seine einzige Regie-Arbeit. Als Effektkünstler war Trumbull jedoch weiter sehr gefragt. Zwar hatte er Star Wars abgelehnt, bei Steven Spielberg sagte er für Unheimliche Begegnung der dritten Art(öffnet im neuen Fenster) aber zu.

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Zu der Zeit bot Paramount ihm auch Star Trek – Der Film(öffnet im neuen Fenster) an, Trumbull lehnte jedoch ab, da er schon mit dem Spielberg-Projekt ausgelastet war. Das sorgte für Spannungen, denn seine Firma Future General Corporation wurde von Gulf + Western und Paramount Pictures finanziert.

"Nur noch im Studio gelebt und kaum geschlafen"

Als er sich gegen Star Trek entschied, zog Paramount sein Geld ab und stürzte die Firma fast in den Bankrott. Die Effektarbeit einer anderen Firma für Star Trek – Der Film war jedoch so verheerend, dass Paramount sich sechs Monate vor Kinostart an Trumbull wenden musste. Der nahm das Angebot, den Film mit neuen Effekten zu retten, an, verlangte eine exorbitante Summe und konnte Future General somit wiederbeleben.

Das hatte aber seinen Preis, wie Trumbull später erzählte: "Wir arbeiteten 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, und das sechs Monate lang, um die Effekte abzuschließen. Ich landete im Krankenhaus, hatte Magengeschwüre, Erschöpfungszustände und mehr, weil ich praktisch nur noch im Studio gelebt und kaum geschlafen hatte."

Tod eines Stars am Set

Eigentlich wollte Trumbull danach nicht mehr für andere Regisseure arbeiten, Ridley Scott reizte ihn aber, ebenso wie Blade Runner(öffnet im neuen Fenster) . Denn hier konnte er Effekte kreieren, die nichts mit dem Weltraum zu tun hatten.

Trumbull hatte aber nur begrenzt Kapazitäten für den Film. Er ging vertragsgemäß nach der halben Zeit, um sich seinem eigenen Projekt zu widmen.

Die zweite Regiearbeit von Douglas Trumbull war Projekt Brainstorm (1983)(öffnet im neuen Fenster) . Darin ging es um Wissenschaftler, die eine Maschine entwickeln, die Gefühle und Erfahrungen von Menschen aufzeichnen kann. Allerdings plant das Militär eine Nutzung, die den Wissenschaftlern nicht gefällt.

Projekt Brainstorm ist ein starker Film, aber auch einer, der von einer Tragödie überschattet wurde. Die Hauptdarstellerin Natalie Wood starb unter mysteriösen Umständen. Sie ertrank. Bis heute halten sich Gerüchte, dass es kein Unfall gewesen sein könnte(öffnet im neuen Fenster) .

MGM wollte den Film stoppen und das Geld der Versicherung kassieren, das fällig wird, wenn ein Projekt nicht beendet werden kann. Trumbull wollte ihn hingegen abschließen, da Woods Szenen zum größten Teil im Kasten waren.

Es dauerte zwei Jahre, aber der Film konnte fertiggestellt werden. Danach war Trumbull jedoch auch mit dem Filmemachen fertig: "Ich musste eine persönlich schwere Lebensentscheidung treffen, als Natalie Wood unter sehr verdächtigen Umständen während der Produktion von Projekt Brainstorm starb. Ich musste einfach aufhören," sagte er.

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Bis zu dem Zeitpunkt sei er immer Autor und Regisseur gewesen, habe dann aber beschlossen, dass diese persönlich herausfordernde Erfahrung genug war, um aufzuhören. "Ich glaube nicht, dass die ganze Geschichte je erzählt worden ist. Ich kenne sie auch nicht, aber ich kenne meine Erfahrungen dabei. Also beschloss ich, dem Filmgeschäft den Rücken zu kehren."

Attraktionen für Vergnügungsparks

Ganz tat er das aber nicht. Anschließend war er zwar kaum noch für konkrete Projekte tätig, entwickelte mit seiner Firma jedoch neue Technologien für das Filmemachen und für Attraktionen in Vergnügungsparks wie der Universal Studios Tour. Trumbull war mehrmals für den Oscar nominiert und erhielt 1993 den Scientific and Engineering Award der Academy.

In den letzten Jahren seines Lebens kämpfte Trumbull gegen den Krebs, hatte einen Gehirntumor und zwei Schlaganfälle. Er verstarb am 7. Februar an den Komplikationen seiner Krebserkrankung. Seine Tochter gab das Ableben ihres Vaters am Tag darauf über Facebook bekannt.


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