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Titanfall 2 im Test: Abenteuer und Action mit dem Stahlkumpel

Das Actionspiel Titanfall 2 ist das, was schon Teil 1 hätte sein sollen: verfügbar für alle drei wichtigen Systeme, mit einem guten Multiplayermodus und einer erstaunlich gelungenen Kampagne, die uns sogar ein bisschen an Klassiker wie Jedi Knight und Half-Life erinnert hat.
/ Peter Steinlechner
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Artwork von Titanfall 2 (Bild: Respawn Entertainment)
Artwork von Titanfall 2 Bild: Respawn Entertainment

Wir sind auf einem fremden Planeten gestrandet - und was tun wir da nach einem kurzen Feuergefecht zum Auftakt? Wir suchen Batterien! Allerdings nicht für unser Smartphone, sondern für die Lebenserhaltungssysteme unseres Kumpels BT-7274. Der ist nämlich ein Titan, also eine Art Superroboter, und deshalb auf ausreichend Strom angewiesen. In der Kampagne von Titanfall 2 steuern wir einen jungen Soldaten namens Jack Cooper, der als Mitglied der Frontier Militia gegen die Söldner des bösen Konzerns IMC kämpft.

Titanfall 2 - Fazit
Titanfall 2 - Fazit (02:27)

Die Grundzüge dieses Konflikts müssten wir schon aus dem Serienauftakt kennen, aber ganz ehrlich: Obwohl wir das erste Titanfall ab Anfang 2014 im Multiplayermodus sehr lange gespielt haben, haben uns die Details des Krieges schon damals kaum interessiert. Das lag vielleicht auch daran, dass es keine Kampagne gab, die den Hintergrund dieses stellaren Kriegs ausführlicher erklärt hätte.

Das jetzt erhältliche Titanfall 2 bietet eine fünf bis sieben Stunden lange Kampagne, und sobald die Stromversorgung von BT wiederhergestellt ist, erfahren wir nach und nach auch ein bisschen mehr über die IMC und die Frontier Militia und darüber, was sonst noch so los ist im Universum der Piloten und Kampfkolosse. Die eigentliche Stärke des Einzelspielermodus ist aber nicht die platte Handlung an sich, sondern die teils sehr schick inszenierten Umgebungen und spannende Gameplay-Elemente.


Die haben uns sogar an Klassiker wie Jedi Knight und Half-Life erinnert. So sind wir in einer riesigen Fabrikanlage unterwegs, müssen über gewaltige Fließbänder springen und auf eigene Faust den richtigen Weg suchen - um ganz am Ende dann eine dicke Überraschung zu erleben, über die wir hier natürlich nichts verraten wollen. An Half-Life erinnert uns neben einigen Levels auch der Umstand, dass die Story ohne Zwischensequenzen auskommt und komplett aus der Perspektive der Hauptfigur erzählt wird.

Sogar dann, wenn uns BT mit seinen Stahlklauen packt und schwungvoll in sein Cockpit verfrachtet, bekommen wir das aus der Sicht des Soldaten zu sehen. Derartige Wechsel zwischen Cooper und Jack gibt es mehrfach, den Großteil der Kampagne erleben wir allerdings als der Soldat - der übrigens der eigentlich ja viel stärkeren Kampfmaschine erstaunlich oft aus der Patsche helfen muss. Das macht Jack wie in anderen Ego-Shootern mit Feuergefechten gegen feindliche Soldaten und Roboter, aber auch gegen eine Handvoll Dinos des fremden Planeten. Die KI macht keinen sehr guten Eindruck - was in den meist linearen Levels aber kaum stört.

Multiplayer mit neuen Tricks

Es gibt aber noch mehr an Gameplay. Zum einen sind da die teils längeren Passagen, in denen wir akrobatisch an Wänden entlanglaufen und kunstvolle Sprünge absolvieren müssen. Die Entwickler haben die Steuerung an diesen Stellen spürbar einsteigerfreundlich gestaltet und sogar einen sogenannten Geisterjäger eingebaut, der auf Knopfdruck die richtige Vorgehensweise so oft wie nötig erklärt, indem er sie selbst hüpft und springt. Trotz dieser Erleichterungen haben einige dieser Sequenzen durchaus ein gewisses Nervpotenzial.

Titanfall 2 - Trailer (Launch)
Titanfall 2 - Trailer (Launch) (01:47)

Später kommen dann noch Anflüge von Knobelpuzzles dazu. Jack findet nämlich eine Art Zeitreisegerät, mit dem er zwischen zwei Zeitebenen hin- und herwechseln kann. Wenn etwa ein zerstörter und brennender Gang in der Gegenwart den Weg blockiert, wechseln wir per Knopfdruck in die Vergangenheit und laufen den gleichen, aber eben frisch glänzenden Flur ohne Probleme entlang - eine spannende, optisch schön umgesetzte Mechanik.

Titanen im Multiplayermodus

Neben der Kampagne gibt es natürlich erneut einen Multiplayermodus, in dem der Spieler als schneller und wendiger Pilot oder als langsamer, aber mit mächtigen Kanonen ausgestatteter Titan unterwegs ist. Der größte Unterschied zum ersten Titanfall ist das größere Angebot an Fähigkeiten und Ausstattungsoptionen - was neue Taktiken ermöglicht, aber auch die langfristige Motivation durch immer neue freischaltbare Extras erhöht.

Beispielsweise gibt es nun einen Enterhaken, mit dem sich entsprechend ausgestattete Piloten noch freier in den neun zum Start verfügbaren - trotz weniger vertikaler Elemente sehr gelungenen - Maps bewegen können. Ein anderes Extra sorgt dafür, dass wir alle Gegner auf der Minimap angezeigt bekommen. Die sogenannten Ticks wiederum sind kleine kugelförmige Drohnen auf Spinnenbeinen, die wir absetzen können und die sich selbstständig den nächsten Gegner suchen und dann explodieren.

Die Optionen zum Ausstatten unseres Alter Ego hat das Entwicklerstudio Respawn Entertainment(öffnet im neuen Fenster) überarbeitet. Wir haben jetzt die Wahl zwischen sieben Loadouts für Piloten und sechs Titanen - das wird zwar anders genannt, läuft aber auf relativ typische Klassen wie den Tank und den Damagedealer hinaus. Der Spieler kann seinen Stahlkumpel in erster Linie über die Lackierung und ein paar Boni individualisieren. Übrigens ist es auch als Pilot nun spürbar einfacher, die Stahlkolosse auszuschalten.

Die Kämpfe finden in zwölf Modi statt. Ein Teil wurde leicht verändert aus dem Vorgänger übernommen und basiert sowieso auf Standards wie Team Deathmatch. Neu und sehr beliebt bei der Community: Bounty Hunt, bei dem wir für den Abschuss von bestimmten Zielen Credits erhalten und die dann in Depots einzahlen können. Der Trick dabei ist, dass Gegner uns überfallen und dabei einen Teil der Credits abknöpfen können.

Titanfall 2 basiert wie der erste Teil auf der Source-Engine von Valve. Grafisch ist der Titel gut - allerdings weniger dank neuester Effekte oder wegen besonders fein aufgelöster Texturen. Sondern wegen der sichtbar liebevollen Gestaltung der Umgebungen und guter Ideen der Designabteilung. Beispielsweise sind wir in der Kampagne in engen Felstälern unterwegs, die weder eine besondere Sichtweite oder echt aussehende Wasseroberflächen bieten. Stattdessen gibt es schön platzierte Wasserfälle, stimmigen Pflanzenbewuchs und interessant verschachtelte Steinformationen, so dass das Ganze dann eben doch gut aussieht.

Titanfall 2 - Trailer (Multiplayer, E3 2016)
Titanfall 2 - Trailer (Multiplayer, E3 2016) (01:49)

Auf den Konsolen verwendet das Spiel eine dynamische Auflösung, um die Bildrate von 60 fps zu halten - was nach unserem Eindruck auch klappt. Ruckler sind uns nicht aufgefallen, stattdessen fühlt sich der Titel in der Kampagne und im Multiplayermodus sehr flüssig an. Überhaupt macht die Steuerung einen guten Eindruck; einige Einsteiger dürften allerdings mit dem Gamepad eine Zielaufschaltung per Trigger-Taste vermissen.

Verfügbarkeit und Fazit

Titanfall 2 ist für Windows-PC (rund 50 Euro) und für Xbox One und Playstation 4 (jeweils rund 70 Euro) erhältlich. Einen kostenpflichtigen Season Pass oder Ähnliches gibt es nicht, alle später folgenden Inhalte und Erweiterungen soll es kostenlos geben. Die PC-Version muss bei Origin registriert werden, nicht bei Steam.


Entwickler Respawn hat sehr detaillierte Systemanforderungen veröffentlicht. Die deutsche Sprachausgabe macht einen ordentlichen Eindruck, von der USK hat das Spiel eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten.

Fazit

Für Titanfall 2 haben wir vor allem einen Wunsch: eine dreimal so lange Kampagne. Von dem tollen Einzelspielermodus hätten wir gerne viel mehr. Er bietet gelungene Überraschungen wie die riesige Fabrikanlage, deren Geheimnis wir nach und nach kennenlernen, oder die klasse gemachte Sache mit den Zeitrissen. Auch der Wechsel zwischen Titan und Pilot birgt enorm viel Potenzial, das hier nur im Ansatz ausgeschöpft wird. Dazu kommen die sehr gute Bedienung und Waffen mit dem besten Wumms der jüngeren Spielegeschichte.

Streiten kann man über die Sprungeinlagen an Wänden. Die sind gut gemacht, etwa mit dem praktischen Geisterjäger, der uns zeigt, wie es geht. Aber vielen Fans von Feuergefechten dürfte das Gehopse trotzdem zu fummelig sein. Und wer eine richtig gute Handlung sucht, ist hier ebenfalls falsch - aber immerhin sind etwa die Dialoge zwischen BT und seinem Piloten gut gemacht und teilweise witzig. Schade halt nur, dass das Ganze so kurz ist.

Die Änderungen beim Multiplayermodus sind im Großen und Ganzen sinnvoll - klar, schließlich konnten die Entwickler auf reichlich Feedback der Community zum ersten Teil zurückgreifen. Die erweiterten Fähigkeiten und Extras bieten mehr zum Entdecken und sorgen für zusätzliche taktische Tiefe. Schade finden wir, dass die Titanen nun weniger mächtig wirken und die Maps zwar größer sind, aber weniger in die Höhe bauen. Dadurch fühlt sich der Multiplayermodus von Titanfall 2 weniger speziell an als der Vorgänger.

Unterm Strich ist Titanfall 2 trotz der hohen Qualität kein Muss. Insbesondere den Fans von Multiplayermatches bietet es im Vergleich etwa zu Battlefield 1 einfach zu wenig. Aber wer die Gelegenheit hat, die erstklassige - leider kurze - Kampagne zu spielen, sollte dem Kampf der Titanen durchaus eine Chance geben.


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