• IT-Karriere:
  • Services:

Tisa: Ein Abkommen gegen Open Source

Bedrohen Open-Source-Software, Datenschutz und Netzneutralität den freien Handel? Wikileaks hat Entwürfe für das Handelsabkommen Tisa veröffentlicht.

Artikel von Patrick Beuth/Zeit Online veröffentlicht am
Protest in Oslo gegen Tisa im Mai 2015
Protest in Oslo gegen Tisa im Mai 2015 (Bild: GGAADD/Flickr.com/CC BY SA 2.0)

Wikileaks überrascht seit einiger Zeit abwechselnd mit ausgesprochen dummen Ideen und ausgesprochen wichtigen Veröffentlichungen. Die unreflektierte Veröffentlichung der Unterlagen und E-Mails von Sony Pictures Entertainment war unverantwortlich. Und der Versuch, eine Belohnung in Höhe von 100.000 US-Dollar für das Zuspielen der bisher unveröffentlichten Teile des Handelsabkommens TPP zu sammeln, ist zumindest problematisch.

Inhalt:
  1. Tisa: Ein Abkommen gegen Open Source
  2. Identische Formulierungen in TTIP

Andererseits haben die Betreiber der Plattform für dringend nötige Transparenz in den Verhandlungen um ein anderes internationales Handelsabkommen gesorgt, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden: Vor knapp einem Jahr war Wikileaks die erste Seite, die Dokumente zu den Verhandlungen über das Trade in Services Agreement (Tisa) veröffentlichte.

Der "bösere Bruder von TPP und TTIP"

Die USA, die EU, Japan und 21 weitere Länder (die Brics-Staaten gehören nicht dazu), verhandeln formal seit 2013 über die Liberalisierung und den Austausch von Dienstleistungen. Tisa ergänzt also das TTIP-Abkommen, in dem es neben Dienstleistungen um Güter und Investitionen geht. Manche nennen Tisa den "böseren Bruder von TTIP und TPP".

Stellenmarkt
  1. Komm.ONE Anstalt des öffentlichen Rechts, verschiedene Standorte
  2. Universität Passau, Passau

Nun hat Wikileaks 17 weitere Dokumente aus den Tisa-Verhandlungen veröffentlicht, deren Inhalt bisher nur in Teilen und vor allem in Insiderkreisen bekannt war. Das gilt zum Beispiel für den Tisa-Anhang zu Elektronischem Handel.

Problematisch klingt darin unter anderem eine Passage über die Offenlegung von Software-Quellcode. In Artikel 6 des Entwurfs heißt es übersetzt: "Kein Unterzeichner darf den Transfer von oder den Zugang zu Quellcode von Software eines Unternehmens aus dem Land eines anderen Unterzeichners zur Bedingung für Dienstleistungen im Zusammenhang mit dieser Software machen."

In anderen Worten: Kein Land, das sich den Tisa-Regeln unterwirft, dürfte dann noch internationale Ausschreibungen vornehmen, in denen Freie oder Open-Source-Software eine Voraussetzung ist. Zwei Einschränkungen sind nach derzeitigem Stand allerdings vorgesehen: Die Regelung soll nur für Software für den Massenmarkt gelten (der nicht definiert wird) und gar nicht für Software, die für kritische Infrastrukturen verwendet wird.

Es wäre Behörden dann auch nicht verboten, Open-Source-Software einzusetzen. Sie dürften in ihren Ausschreibungen bloß nicht darauf bestehen und proprietäre Software grundsätzlich ausschließen. Würden Gemeinden oder Behörden ein neues Betriebssystem oder neue Office-Software suchen, müssten sie also immer auch Unternehmen wie Microsoft mitbieten lassen, statt von vornherein auf Linux zu setzen.

Jan Philipp Albrecht, EU-Abgeordneter der Grünen, sagt: "Die Europäer dürfen so einem Vorschlag nie und nimmer zustimmen." Zum einen, weil die europäische Software-Industrie im Bereich Open Source besonders stark sei und "massiv benachteiligt" würde. Zum anderen gebe es in Europa insbesondere seit den Snowden-Enthüllungen eine Debatte darüber, verstärkt die Einsicht in Quellcodes zu verlangen, um mehr Kontrolle über die eigene Technik zu bekommen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Identische Formulierungen in TTIP 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. (-47%) 21,00€
  2. 10,48€

shyps 07. Jun 2015

Was du sagst, stimmt ja eigentlich. Dann finde ich diesen Ttip-Paragraph letztlich nur...

Ach 06. Jun 2015

Das ist natürlich vollkommen richtig. Ganz so direkt ist die Idee dann doch wieder nicht...

spiderbit 05. Jun 2015

wenn es nicht mal gelingt libreoffice mit ooxml 99.99% kompatibel zu kriegen wie kommst...

GodsBoss 05. Jun 2015

Erstens sind nicht alle Projekte, die in Auftrag gegeben werden, von einer derartigen...

spiderbit 05. Jun 2015

naja wenn wir bei 0 Anfangen wuerden, koennte man es vergleichen, aber wenn man nunmal...


Folgen Sie uns
       


Command and Conquer Remastered - Test

Nach Desastern wie Warcraft 3: Reforged ist die gelungene Remastered-Version von C&C eine echte Erfrischung.

Command and Conquer Remastered - Test Video aufrufen
Cyberpunk 2077 angespielt: Zwischen Beamtenbestechung und Gunplay mit Wumms
Cyberpunk 2077 angespielt
Zwischen Beamtenbestechung und Gunplay mit Wumms

Mit dem Auto von der Wüste bis in die große Stadt: Golem.de hat den Anfang von Cyberpunk 2077 angespielt.
Von Peter Steinlechner

  1. CD Projekt Red Cyberpunk 2077 nutzt Raytracing und DLSS 2.0
  2. Cyberpunk 2077 Die Talentbäume von Night City
  3. CD Projekt Red Cyberpunk 2077 rutscht in Richtung Next-Gen-Startfenster

Außerirdische Intelligenz: Warum haben wir noch keine Aliens gefunden?
Außerirdische Intelligenz
Warum haben wir noch keine Aliens gefunden?

Seit Jahrzehnten gucken wir mit Teleskopen tief ins All. Außerirdische haben wir zwar bisher nicht entdeckt, das ist aber kein Grund, an ihrer Existenz zu zweifeln.
Von Miroslav Stimac


    Laravel/Telescope: Die Sicherheitslücke bei einer Bank, die es nicht gibt
    Laravel/Telescope
    Die Sicherheitslücke bei einer Bank, die es nicht gibt

    Ein Leser hat uns auf eine Sicherheitslücke auf der Webseite einer Onlinebank hingewiesen. Die Lücke war echt und betrifft auch andere Seiten - die Bank jedoch scheint es nie gegeben zu haben.
    Ein Bericht von Hanno Böck

    1. IT-Sicherheitsgesetz Regierung streicht Passagen zu Darknet und Passwörtern
    2. Callcenter Sicherheitsexperte hackt Microsoft-Betrüger
    3. Sicherheit "E-Mail ist das Fax von morgen"

      •  /