Tink Tabs Handy T1 im Hands on: Das bessere Hotelsmartphone ist sicherer und schneller

Das Startup Tink Labs will Hotelbesuchern mit dem Produkt "Handy" einen einfachen Zugang zu Smartphones ermöglichen, vor allem wenn sie aus dem Ausland anreisen und normalerweise hohe Roaming-Gebühren zahlen müssten. Die Geräte ermöglichen einen Internetzugang und kostenfreie Telefonie, außerdem die Nutzung von Apps und lokalen Hotelinformationen.
Die erste Version des Smartphones fiel jedoch bei uns im Test durch , weil eine alte Android-Version eingesetzt wird und weitere Sicherheits- und Usabilityprobleme bestehen. Nach Veröffentlichung des Artikels hat Tink Labs Golem.de die neue Version des Smartphones demonstriert, die vieles besser macht.




Das Gerät wird derzeit in verschiedenen Hotels in Deutschland, Österreich und der Schweiz eingeführt. Die alte, unsichere Version kam und kommt in diesen Ländern überhaupt nicht zum Einsatz. Auch die von uns in Madrid und London getesteten Geräte sollen kurzfristig ausgetauscht werden – an allen bisherigen Standorten weltweit. Die Smartphones stehen den Nutzern während ihres Aufenthalts auch außerhalb des Hotels zur Verfügung.
Das T1 läuft anders als sein Vorgänger mit Android 7.0, die Updates waren beim Test auf dem Stand vom 1. Juni 2017 – ein deutlicher Fortschritt. Das Gerät wird von Foxconn für Tink Labs hergestellt und wurde eigens für den geplanten Einsatz entworfen. Der Hersteller sollte in jedem Fall über die notwendigen Ressourcen verfügen, um die Geräte dauerhaft abzusichern. Foxconn ist nicht nur Hersteller der Geräte, sondern auch einer der größten Investoren von Tink Labs.
Das T1 hat nach Angaben des Herstellers einen von Qualcomm gefertigten Quadcore-Chip vom Typ A53 mit 1,4 Ghz und ein 5-Zoll Display mit HD-Auflösung (720p). Die Rückkamera unterstützt eine maximale Auflösung von 8 Megapixel, der Akku ist mit 4.000 Milliamperstunden umfangreich dimensioniert. Der Speicher ist 2 Gbyte groß, für Nutzer sind noch etwa 500 Mbyte verfügbar.
Weil Tink Labs keinen normalen USB-Anschluss verwendet, sondern einen eigenen, proprietären Stecker, ist der Zugriff auf die USB-Schnittstelle zumindest nicht ohne unverhältnismäßigen Aufwand zu bewerkstelligen. Zudem lässt sich der Entwickler-Modus Android Device Bridge bei dem von uns ausprobierten Gerät nicht aktivieren, was entsprechende Angriffsszenarien eindämmt.
Das Gerät ist performanter
Im Hands on gefällt uns das Gerät auf den ersten Blick deutlich besser als der Vorgänger, der auch vom Handling her nicht überzeugen konnte. Das Betriebssystem läuft wesentlich flüssiger und sollte Kunden daher nicht negativ auffallen. Es können verschiedene Apps genutzt und kostenfrei internationale Telefonate geführt werden.
Enthalten sind jeweils alle EU-Länder und einige vom Hotel frei auswählbare Länder. Die Telefonnummer wird für jeden Kunden neu generiert, ob dabei Voip oder eine andere Lösung zum Einsatz kommt, variiert laut Tink Labs von Land zu Land.
Nachgebessert hat Tink Labs auch bei der Löschung der Kundendaten. Nimmt ein Kunde das Gerät nach dem Check-in erstmals in die Hand, muss über einen Kalender verpflichtend ein Check-out-Datum gewählt werden. An diesem Tag werden die Daten der Kunden automatisch zurückgesetzt. Der geschilderte Mechanismus kommt künftig auch bei den Geräten der ersten Generation zum Einsatz, die aber ohnehin bald vollständig verschwinden werden.
Kunden wollen die Kontrolle behalten
Die Erfahrung zeige aber, sagt Moritz Heininger von Tink Labs im Gespräch mit Golem.de, dass die meisten Kunden am Abreisetag ohnehin selbst den Knopf für die Datenlöschung betätigen, um selbst die Kontrolle zu behalten. Das Hotelpersonal werde zudem geschult, den Status der Datenlöschung zu überprüfen.
Danach wird das Gerät auf Werkseinstellungen zurückgesetzt. Beim erneuten Hochfahren konnten wir beobachten, dass jedes Mal nach einer neuen Softwareversion gesucht wird. Die auf dem Gerät standardmäßig nutzbaren Apps wie Facebook oder Instagram sind als Shortcuts angelegt und werden bei der ersten Benutzung heruntergeladen. Nutzer müssen dabei den Geschäfts- und Datenschutzbedingungen von Google zustimmen.
Über den eigenen Google-Account können kostenpflichtige Angebote genutzt werden
Benutzer können auch einen eigenen Google-Account hinzufügen und dann kostenpflichtige Apps aus dem Play Store und andere Inhalte nutzen. Auf diesem Wege könnten dann auch Kontakte und E-Mails importiert werden. Für die Nutzung der Geräte ist das jedoch keine Voraussetzung.
Ebenfalls keine Voraussetzung ist die Nutzung eines "Handy"-Accounts. Die Personalisierung der Smartphones über einen entsprechenden Account sei bislang noch am Anfang, sagt Heininger. Zurzeit könnten nur einige für die Nutzer interessante Artikel aus dem integrierten Luxos-Angebot gespeichert werden – andere Geräteeinstellungen würden nicht synchronisiert. Wer keinen eigenen Account anlegen will, der kann zum optionalen Login auch Facebooks Single-Sign-On nutzen.
Das Gerät steht aufrecht in einer Dockingstation, die neben der Ladefunktion aber keine weiteren Aufgaben wahrnimmt. Auf eine Frontkamera wurde verzichtet, damit Gäste kein mulmiges Gefühl bekommen, wenn das Gerät im Hotelzimmer steht und sie nicht sicher sind, ob sie vielleicht über das Smartphone beobachtet werden könnten.
Wir hatten an der Vorgängerversion zudem kritisiert, dass die Nutzung des Gerätes ein Kostenrisiko darstellen könnte, weil bei Verlust oder Beschädigung hohe Ersatzleistungen an das Hotel zu zahlen wären. Dieses Risiko wird seit September über eine Versicherung getragen.
Die Verteilung in Deutschland beginnt
Die ersten Hotels in Deutschland werden gerade mit dem Smartphone ausgestattet. Im Vergleich mit dem Vorgänger müssen wir unsere Kritik relativieren – mit dem T1 hat Tink Labs ein solides Paket geschnürt, das die Gäste keinem unkalkulierbaren Risiko aussetzt. Uns gefallen die Verbesserungen am Betriebssystem sowie die insgesamt moderne Hardware und Software. Nach dem weitgehenden Wegfall der Roaminggebühren innerhalb der EU dürften sich vor allem internationale Reisende an einem solchen Angebot erfreuen.