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Timex Data Link im Retro-Test: Bill Gates' Astronauten-Smartwatch

Mit der Data Link haben Timex und Microsoft bereits vor 25 Jahren die erste richtige Smartwatch vorgestellt. Sie hat es sogar bis in den Weltraum geschafft. Das Highlight ist die drahtlose Datenübertragung per flackerndem Röhrenmonitor - was wir natürlich ausprobieren mussten.

Ein Test von veröffentlicht am
Die Timex Data Link, im Hintergrund die Übertragungssoftware
Die Timex Data Link, im Hintergrund die Übertragungssoftware (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Für die Zuschauer der Pressekonferenz von Timex und Microsoft am 21. Juni 1994 muss es ein seltsames Bild gewesen sein: Bill Gates stand mit einer Armbanduhr vor einem flackernden Röhrenmonitor, um Daten zu übertragen. Termine, Telefonnummern, Aufgaben, Alarme und später sogar Apps: All dies sollte einfach über den Monitor mit Lichtsignalen auf die Digitaluhr übertragen werden. Nach rund 20 Sekunden war es soweit, Bill Gates zeigte dem Publikum die heruntergeladenen Inhalte auf der Uhr. Eine Revolution: Anstatt die Uhr wie etwa damalige PDAs über die serielle Schnittstelle mit einem Windows-PC zu verbinden, brauchten Träger keine weitere Hardware außer ihrem Computer. Der Name des Produktes wurde passend gewählt: Data Link.

Inhalt:
  1. Timex Data Link im Retro-Test: Bill Gates' Astronauten-Smartwatch
  2. Software mit Retro-Charme
  3. Die Daten flackern über den Röhrenbildschirm
  4. Verfügbarkeit und Fazit

Die Data Link war die erste Smartwatch im heutigen Sinne - also eine Uhr, auf die Nutzer Daten aufspielen und dort anschauen konnten. Eine kleine Tastatur, wie sie manche andere Uhren vorher hatten, war nicht nötig. Die Data Link sieht entsprechend aus wie eine normale Uhr. Zum 25-jährigen Jubiläum haben wir uns das erste Modell besorgt und ausprobiert - inklusive Datenübertragung per Röhrenbildschirm und Windows-95-Rechner.

Auf den ersten Blick sieht die Data Link aus wie eine typische Digitaluhr der 1990er Jahre: Sie hat ein ungefähr in der Mitte durch einen schwarzen Trennstrich geteiltes graues LC-Display, an den Rändern befinden sich fünf Knöpfe. Dass in der Uhr mehr steckt als auf den ersten Blick sichtbar, deutet das Dot-Matrix-Display im unteren Drittel an. Hier werden Texte angezeigt, etwa Hinweise zu Terminen oder die Namen von Kontakten.

Zweiter Hinweis darauf, dass es mehr zu entdecken gibt: Im oberen Bereich des Displays, direkt über dem Microsoft-Schriftzug, hat die Uhr einen Lichtsensor. Über diesen erkennt die Uhr Lichtsignale, mit denen Daten übertragen werden. Im Jahr 1994 waren drahtlose Verbindungen zwischen mobilen Elektronikgeräten noch eher selten; es gab zwar bereits Infrarotverbindungen, diese erforderten aber neben dem Sichtkontakt auch spezielle Hardware, und zwar auf beiden Seiten der Übertragung.

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Das war bei der Übertragung per Licht-Barcode, wie ihn die Data Link verwendet, nicht nötig: Mehr als einen Röhrenmonitor und ein Programm von Timex benötigten Nutzer der Uhr nicht. Das war ziemlich innovativ - und funktioniert mit der richtigen Ausrüstung auch noch nach 25 Jahren, wie wir feststellen.

Die Data Link lässt sich auch komplett ohne Datenübertragung als herkömmliche Uhr ohne smarte Funktionen verwenden. Über den gelben Menüknopf können wir die verschiedenen Modi durchschalten und beispielsweise bis zu fünf Alarme einstellen. Über den Set-Button nehmen wir Änderungen vor - das alles kann auch eine Casio für 20 Euro. Die Data Link hat zur Veröffentlichung allerdings 130 US-Dollar gekostet, was heute inflationsbereinigt immerhin gut 225 US-Dollar wären.

Ihre Fähigkeiten spielt die Uhr in Verbindung mit einem Computer und der besagten Software aus, die es praktischerweise immer noch direkt von Timex im Internet zum Herunterladen gibt. Bei der Nutzung der smarten Funktionen der Data Link gibt es aber zwei Hürden: Zum einen läuft die Software, mit der wir die Uhr mit Daten bestücken können, maximal unter Windows 98. Zum anderen funktioniert der Datenaustausch per Lichtflackern nur mit einem Röhrenmonitor, nicht aber mit einem LC-Display. Wir brauchten für unseren Test also sowohl einen alten Rechner als auch einen alten Monitor.

  • Bill Gates während der Präsentation am 21. Juni 1994. (Bild: Reuters)
  • Auf den ersten Blick wirkt die Data Link von Timex wie eine herkömmliche Digitaluhr aus den 1990er Jahren. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Der Schriftzug von Microsoft und der Lichtsensor verraten aber, dass in der Uhr mehr steckt. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Über eine Software, hier im Hintergrund zu sehen, können Nutzer Termine, Telefonnummern und andere Daten auf die Uhr spielen. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Die Übertragung erfolgt drahtlos über einen Röhrenmonitor. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Auf der Uhr werden verschiedenen Informationen dargestellt: Die kleine Hand erinnert uns an einen bevorstehenden Geburtstag. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Die Rückseite der Data Link (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Die Data Link und ihre Nachfolger sind von verschiedenen Astronauten und Kosmonauten im All getragen worden. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Bill Gates während der Präsentation am 21. Juni 1994. (Bild: Reuters)

Praktischerweise hat der Autor dieses Textes ein Faible für alte Computer und 30 Kilogramm schwere 21-Zoll-Röhrenmonitore. Nachdem wir flugs ein IBM Thinkpad 755 CS an einen Panasonic Panasync Pro P100i angeschlossen und die Timex-Software aufgespielt haben, können wir loslegen. Die Software wurde ursprünglich für Windows 3.11 programmiert, was man ihr auch ansieht: Herrliches 90er-Jahre-Design trifft auf schnörkellose Nutzerführung.

Software mit Retro-Charme 
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EdRoxter 28. Jun 2019

Korrekt - hierzu ist es auch sehr praktisch, dass man bei einigen Banken die...

PSmith 27. Jun 2019

Einfach mal hier nachschauen: http://feryance.com/timex-datalink/

lgo 27. Jun 2019

Naja, meines auch - aber wie gesagt: _wenn_ die Services abgeschaltet werden... was ja...

Kondratieff 26. Jun 2019

+1

sampleman 19. Jun 2019

Ich hatte die Data-Link-Uhr auch, sie konnte zum Beispiel solche Sachen wie einen in 14...


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