Time Magazin: Extra-Werbung auf Webseite nur für KI-Crawler
Der Entwickler Vincent Schmalbach beschreibt in einem Blogbeitrag(öffnet im neuen Fenster), dass das Time Magazin offenbar eine eigene Version seiner Webseite für KI-Crawler bereitstellt. Laut Schmalbach enthalten diese Markdown-Seiten Werbung, die in der regulären HTML-Version derselben Artikel fehlt, wie The Register berichtet(öffnet im neuen Fenster).
Die Seiten tragen Tags des Adtech-Unternehmens Mobian(öffnet im neuen Fenster). Darauf folgt ein ausführlicher FAQ-Bereich, der die Onlinebank Ally bewirbt. Die FAQ listet Markenaussagen und Antworten auf Fragen, die ein Nutzer einem Chatbot stellen könnte. Formuliert ist das Ganze so, dass es sich fast wörtlich wiedergeben lässt. Es handelt sich um eine Optimierung der Website für Generative KI-Suchen (GEO), mit dem negativen Beigeschmack, dass hier eben nicht der reguläre Inhalt KI-gerecht präsentiert wird, sondern Werbung.
Nicht jeder Crawler bekommt diese Seiten zu Gesicht. Googles regulärer Indexierungs-Bot erhält offenbar dieselbe Seite wie ein Mensch. Assistenten-Crawler wie Claudebot, OAI-Searchbot und Perplexitybot bekamen laut Schmalbach dagegen die gesponserten Markdown-Seiten ausgeliefert. Zwei weitere OpenAI-Bots lieferten bei seinen Tests nur Serverfehler.
The Register konnte ähnliche Ergebnisse bei mehreren Time-Artikeln mit einem Crawler-Simulationstool nachvollziehen. Die gesponserten Inhalte tauchten dabei vor allem bei länger laufenden, zeitlosen Artikeln auf. Bei aktuellen Nachrichten fand sich nichts dergleichen.
Grenze zwischen Inhalt und Werbung verschwimmt
Die Logik dahinter ist einfach, eine einzige Antwort eines Chatbots kann deutlich mehr Menschen erreichen als klassische Einblendung von Werbung. Time teilte The Register mit, dass das Magazin seine Seiten seit Juni für KI-Crawler in Markdown umwandelt. Die Partnerschaft mit Mobian sei etwa zur gleichen Zeit gestartet. Der Chief Operating Officer von Time erklärte, dass inzwischen auch anderen Marken ähnliche Deals angeboten werden.
Offen ist, wie verbreitet solche an Chatbots gerichtete Werbung künftig sein wird und ob auch andere Verlage an ähnlichen Modellen arbeiten.
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