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Tim Cook: Apple will Schlüsseltechnologien kontrollieren

Apple will seine Geheimhaltung verstärken, aber zugleich zum transparentesten Unternehmen der Welt werden. Das hat Tim Cook angekündigt und dabei eine engere Zusammenarbeit mit Facebook in Aussicht und die Zukunft von Apples Ping infrage gestellt. Für Siri kündigte er signifikante Neuerungen an.
/ Jens Ihlenfeld
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Apple-Chef Tim Cook (Bild: Robert Galbraith/Reuters)
Apple-Chef Tim Cook Bild: Robert Galbraith/Reuters

Apple-Chef Tim Cook hat sich auf der Konferenz "D" des Wall Street Journal den Fragen von Walt Mosberg und Kara Swisher gestellt(öffnet im neuen Fenster) . Mit konkreten Ankündigungen hielt sich Cook zwar zurück, machte aber ein paar Anmerkungen: So wollte er nicht verraten, was für die Anfang Juni startende Entwicklerkonferenz WWDC zu erwarten ist, versprach aber, dass die Leute es mögen würden.

"Wir werden nie die meisten Computer herstellen"

Der Absatz von Mac wachse Quartal für Quartal schneller als der Markt, sagte Cook, wenn auch auf kleiner Basis, wie Walt Mosberg vom Wall Street Journal anmerkte. Cook: "Wir werden nie die meisten Personal Computer herstellen. Das sehe ich nicht. Aber wir werden weiterhin die besten machen."

Der iPod spiele für das Mac-Geschäft eine entscheidende Rolle, führte er doch viele Menschen an den Mac heran. Das iPhone bringe Apple noch einen Schritt weiter und öffne dem Unternehmen ganz neue Märkte wie China, den Nahen Osten, Osteuropa und Russland. Und das iPad schreibe diese Geschichte fort, sagte Cook. Den Tabletmarkt habe Apple allerdings nicht erfunden, den habe es schon vor dem iPad gegeben. Apple habe aber das "moderne Tablet" entwickelt.

Microsofts Ansatz, mit Windows 8 ein Betriebssystem auf den Markt zu bringen, das sowohl auf Tablets als auch auf PCs läuft, hält Cook für den falschen Weg. Bei Produkten gehe es immer um Trade-Offs und Microsoft habe versucht, mit Windows 8 ein Betriebssystem ohne Kompromisse zu entwickeln. Das Ergebnis eines solchen Ansatzes sei ein PC, der nicht so gut sei, wie er sein könnte, und ein Tablet, für das dasselbe gilt.

Wir haben das beste Telefon

"Ich würde nicht sagen, wir dominieren den Markt" , kommentiert Cook die Frage nach der Wettbewerbssituation im Smartphone-Markt. "Aber ich sage, wir haben das beste Telefon" . Derzeit gebe es nur zwei nennenswerte Systeme: iOS und Android. Windows Phone komme gerade erst auf den Markt. "Wir werden sehen, wie sie sich schlagen" , sagte Cook. Er könne sich durchaus vorstellen, dass es im Smartphone-Markt noch große Veränderungen geben werde. Der Markt wachse und in wenigen Jahren werde es nur noch wenige Telefone geben, die keine Smartphones seien.

Zur Frage, ob Apple plane, sein iPhone-Portfolio zu erweitern, beispielsweise um ein iPhone für 99 US-Dollar, sagte Cook nur: "Wer weiß, was wir in Zukunft tun werden?" . Cook verwies aber auf den iPod: Hier habe Apple auch nicht für alle Preisbereiche etwas angeboten. Es gehe Apple letztendlich darum, tolle Produkte anzubieten, und wenn man davon mehr machen könne, umso besser.

Kritik an Siri ignorierte Cook: Die Kunden liebten Siri, die Sprachsteuerung sei eine der am häufigsten genutzten Funktionen des iPhone 4S. Er gab aber zu, dass Siri noch mehr Möglichkeiten habe, daran würden viele Leute bei Apple arbeiten. Cook stellte Neuerungen für die nächsten Monate in Aussicht.

2,8 Millionen Apple TV im vergangenen Jahr verkauft

Auch zum Thema Apple-Fernseher verriet Cook nichts Wesentliches: Apple sei mit dem Apple TV im Fernsehbereich tätig und habe nicht vor, sich aus diesem Bereich zurückzuziehen, sagte er. Im vergangenen Jahr verkaufte Apple hier 2,8 Millionen Geräte und allein in den ersten Monaten dieses Jahres habe das Unternehmen fast ebenso viele Geräte abgesetzt. Apple TV sei aber noch immer ein Experiment.

Auf die Frage, wie es um einen Apple-Fernseher stehe, sagte Cook nur: "Dazu verrate ich nichts." Er räumte aber ein, dass sich Fernseher verbessern ließen. Apple widme sich aber auch anderen Bereichen. Dabei gehe es immer um die Fragen: "Können wir die Schlüsseltechnologien kontrollieren? Können wir in diesem Bereich einen nennenswerten Beitrag leisten? Können wir ein Produkt entwickeln, das wir alle haben wollen?"

Ins Geschäft mit traditionellen Spielekonsolen wolle er nicht einsteigen, sagte Cook.

Fragt nicht, was Steve tun würde!

Das Wichtigste, was er von Jobs gelernt habe, sei, sich auf wenige Dinge zu konzentrieren und alles andere auszublenden, so Cook. Zudem sei es wichtig, die jeweiligen Schlüsseltechnologien zu besitzen.

Es liege in Apples DNA, nichts Gutes oder sehr Gutes zu akzeptieren, sondern immer nur das Beste, und dies werde er nicht verändern. Er wolle die Unternehmenskultur bewahren, denn diese lasse sich nicht so einfach kopieren.

Eine ganz entscheidende Botschaft habe ihm Jobs kurz vor seinem Tod mitgegeben. Tu einfach das Richtige, habe Jobs gesagt. Er solle nie die Frage stellen: "Was hätte Steve jetzt getan?" Diesen Rat will Cook befolgen und einfach das Richtige tun. Das bedeute durchaus, dass sich einige Dinge verändern würden, erklärte er. Aber genau darin sei Jobs am besten gewesen. Wenn nötig, habe sich Jobs um 180 Grad gedreht.

Eine Änderung, die Cook bereits eingeführt hat, ist ein Spendenprogramm für Apple-Mitarbeiter. Er glaube fest daran, dass von denen, denen viel gegeben wurde, auch viel erwartet werde, sagte er. Im Rahmen des Programms verdoppele Apple die Spenden der Mitarbeiter, so dass es keines großen Komitees bedürfe. Jobs habe von dem Programm gewusst und es befürwortet.

Geheimhaltung wird verstärkt

Apple verfüge über viel Geld und investiert dies in erster Linie in neue Produkte und Läden. Es bleibe aber etwas übrig, und das wolle er nutzen, um Apple zum transparentesten Unternehmen zu machen und Themen wie die Verantwortung für Zulieferer und Umweltaspekte zu stärken. Mehr Transparenz bedeute aber nicht weniger Geheimniskrämerei, betonte Cook. Apple werde seine Bemühungen um Geheimhaltung verdoppeln.

Zur Situation der Arbeiter in China sagte Cook, die Situation dort sei nicht einfach. Apple versuche, etwas gegen Überstunden zu tun, aber viele Arbeiter wollten viel arbeiten. Sie wollten für ein oder zwei Jahre wegziehen und danach mit so viel Geld wie möglich in ihre Dörfer zurückkehren.

Cook merkte aber auch an, dass wichtige Teile für das iPhone in den USA gefertigt würden, darunter Chips und das Glas. Er regte an, mehr "Halbleitersachen" in den USA zu produzieren.

Patentkriege sind ein Ärgernis

Die Patentstreitigkeiten bezeichnete Cook als "pain in the ass" (Ärgernis). Apple wolle nicht der Entwickler für die ganze Welt sein. Andere sollten ihre eigenen Erfindungen machen. Bei den Klagen gegen Apple gehe es hingegen oft um Patente, die für die Umsetzung von Standards notwendig seien. In diesem Bereich funktioniere das Patentsystem nicht. Würde man all das Geld zusammenzählen, das für solche Patente aufgerufen wird, könnte es sich niemand leisten, Telefone herzustellen. Cook betonte, Apple sei nie gegen jemanden wegen eines seiner Patente vorgegangen, die für die Umsetzung eines Standards notwendig seien.

Facebook ist ein tolles Unternehmen

In Sachen Facebook deutete Cook eine stärkere Zusammenarbeit an: "Ich denke, wir können mehr mit ihnen (Facebook Anm. d. Red.) tun. Wartet es ab."

Cook stellte auch weitere Übernahmen in Aussicht. Es sei dabei auch denkbar, ein größeres Unternehmen zu schlucken, derzeit aber habe Apple keine konkreten Pläne für eine große Übernahme. Cook machte aber deutlich, dass Apple nie ein Unternehmen gekauft habe, um mit der Übernahme seinen Umsatz zu steigern.

Ping vor dem Aus

Apples soziales Musiknetzwerk Ping steht möglicherweise vor dem Aus: Die Kunden hätten deutlich gemacht, dass Apple hier nicht viel investieren sollte, sagte Cook. Derzeit denke Apple darüber nach, Ping abzuschalten. Zunächst hatte Cook versucht, der Frage auszuweichen.


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