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Tim Berners-Lee: KI-Browser bedrohen das offene Web

Der Weberfinder Tim Berners-Lee warnt vor KI-gestützten Browsern , die traditionelle Internetgeschäftsmodelle zum Einsturz bringen könnten.
/ Andreas Donath
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Tim Berners-Lee (Bild: Patricia De Melo Moreira/AFP via Getty Images)
Tim Berners-Lee Bild: Patricia De Melo Moreira/AFP via Getty Images

Der Erfinder des World Wide Web, Sir Tim Berners-Lee, sieht die Grundprinzipien des offenen Internets in Gefahr. In einem Podcastinterview mit The Verge(öffnet im neuen Fenster) kritisierte der Wissenschaftler die zunehmende Dominanz geschlossener KI-Plattformen und warnte vor den Folgen der neuen Browsergeneration.

"Das Gefühl der Souveränität als Individuum, das befähigt wird und ein Peer mit allen anderen Menschen im Web ist – dafür kämpfen wir immer noch" , erklärte Berners-Lee. Der Mann, der HTML und das HTTP-Protokoll entwickelte, beobachtet eine deutliche Verschiebung: weg von offenen Webstandards, hin zu abgeschotteten Systemen.

Keine gemeinsamen Standards in Sicht

Skeptisch zeigte sich der Webpionier bei der Frage nach gemeinsamen KI-Standards. Ob ein Konsortium nach Vorbild des W3C für künstliche Intelligenz denkbar sei? "Es ist wirklich schwer. Ich sehe nicht, dass das passiert" , antwortete er.

OpenAI hat stellte kürzlich Atlas vor , Perplexity brachte Comet heraus , Google und Microsoft rüsten ihre Browser mit KI-Funktionen auf. Berners-Lee bezeichnete diese Entwicklungen zwar als "aufregend und innovativ" , doch die Risiken überwiegen seiner Meinung nach.

Das Kernproblem: Wenn KI-Browser Informationen direkt liefern, ohne dass Nutzer noch Webseiten besuchen, "könnte das ganze Modell zusammenbrechen" , warnte der Experte. Die Verlinkungsstruktur des Webs, sein fundamentales Prinzip, stünde auf dem Spiel.

Datenwälder gegen Monopole

Als Gegenstrategie entwickelt Berners-Lee mit seiner Firma Inrupt sogenannte digitale Datenwälder. Die Idee: Nutzer speichern und kontrollieren ihre persönlichen Daten selbst. "Eine KI, die Zugang zu all Ihren persönlichen Daten in Ihrer Datenmappe hat" sei deutlich leistungsfähiger als aktuelle Lösungen, argumentierte er.

Das Solid-Projekt, an dem Inrupt arbeitet, soll in ein bis zwei Jahren marktreif sein. Bislang richtet es sich hauptsächlich an Entwickler.

Auf Interoperabilität ohne staatliche Eingriffe hofft Berners-Lee nicht: "Ich kann nicht sehen, dass es mit Marktkräften allein passiert." Die Marktkonzentration bereitet ihm Sorgen: "Wir haben im Grunde eine Suchmaschine. Wir haben im Grunde ein soziales Netzwerk. Wir haben im Grunde einen Marktplatz." Eine Handvoll Konzerne kontrolliere das digitale Leben.

Immerhin beim Thema Browserwettbewerb ist Berners-Lee optimistisch: Mehr Konkurrenz auf dem iPhone, etwa durch alternative Browser-Engines, würde "die Innovation verbessern" und könnte die Balance zwischen Web-Apps und nativen Apps neu justieren.


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