Tim Berners-Lee: Internet braucht eine "Magna Charta"

Vor 25 Jahren entwarf Tim Berners-Lee am Cern sein erstes Konzept für das World Wide Web. Um ein offenes Netz zu erhalten, müssen Juristen und Politiker ein Verständnis für das Programmieren und die Möglichkeiten von Computern bekommen, fordert er nun.

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Tim Berners-Lee im September 2013
Tim Berners-Lee im September 2013 (Bild: Danny Lawson/AFP/Getty Images)

Der Erfinder des World Wide Web, Tim Berners-Lee, fordert eine weltweite Grundrechtecharta für ein offenes und freies Internet. "Wir brauchen eine globale Verfassung, eine Bill of Rights", sagte Berners-Lee dem Guardian in Anspielung auf historische Gesetzeswerke, die den Bürgern grundlegende Rechte einräumen. Zur Begründung sagte er: "Unsere Rechte werden von allen Seiten immer mehr verletzt, und die Gefahr besteht, dass wir uns daran gewöhnen. Daher möchte ich den 25. Geburtstag für uns alle dazu nutzen, das Netz wieder in unsere eigenen Hände zu nehmen und das Netz so zu definieren, wie wir es in den nächsten 25 Jahren haben möchten."

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Berners-Lees Vorschlag wird auch von der Initiative "The web we want" aufgegriffen. Diese ruft Menschen weltweit auf, sich in ihren Ländern für die Internet-Grundrechte einzusetzen. Nach Ansicht von Berners-Lee ist das Netz verstärkten Angriffen von Regierung und Unternehmen ausgesetzt. "Solange wir kein offenes, neutrales Internet haben, auf das wir uns bedenkenlos verlassen können, können wir keine transparente Regierung, keine gute Demokratie, keine gute Gesundheitsvorsorge, keine verbundenen Gemeinschaften und keine kulturelle Vielfalt haben. Es ist nicht naiv zu denken, dass wir das haben können. Aber es ist naiv zu denken, wir könnten uns zurücklehnen und es einfach so bekommen." Die Grundrechtecharta sollte auch die Auswirkungen von Urheberrechten sowie sozio-kulturelle Belange rund um die Ethik der Technik berücksichtigen.

Gesetze schützen nur die Filmindustrie

Seit Bekanntwerden der Massenüberwachung durch die Geheimdienste hat sich Berners-Lee als scharfer Kritiker der NSA- und GCHQ-Programme gezeigt. Auch wenn gerade in Großbritannien wegen Interesse an den Enthüllungen Edward Snowdens zu registrieren sei, könnte die "web we want"-Kampagne durchaus populär werden. Vorausgesetzt: "Wir müssen unseren Anwälten und Politikern das Programmieren verständlich machen und ihnen auch klarmachen, was mit einem Computer gemacht werden kann." Erforderlich sei auch, gesetzliche Strukturen zu ändern, beispielsweise im Urheberrecht. "Die Gesetze, die Leute ins Gefängnis bringen, sind vor allem zum Schutz der Filmproduzenten gemacht worden. Keines davon wurde geschaffen, um den alltäglichen Diskurs der Menschen sowie die alltägliche Demokratie zu schützen, die wir für die Regierung des Landes brauchen."

Berners-Lee unterstützte in dem Gespräch mit dem Guardian zudem Bestrebungen, die direkte Verbindung der Internetverwaltung Iana mit dem US-Handelsministerium zu lösen. Dies sei "überfällig". Die EU-Kommission hatte unlängst eine globalere Kontrolle über das Internet gefordert.

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Im März 1989 hatte Berners-Lee am Schweizer Kernforschungszentrum Cern einen Projektantrag mit dem Titel "Information Management: A Proposal" eingereicht. Dieser gilt als das Gründungsdokument des World Wide Web, wobei das Konzept zunächst wieder in der Schublade verschwand, um im Mai 1990 erneut aufgegriffen zu werden. 1992 wurde der erste plattformübergreifende Webbrowser installiert, der im vergangenen Oktober als App wiederbelebt worden war.

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