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Die ersten deutschen Politikerinnen auf Tiktok

Die 18-jährige SPD-Nachwuchshoffnung Lilly Blaudszun war eine der ersten aus der Politik, die sich auf Tiktok vorwagte. 21.000 Menschen sahen sich ihr erstes Video an, in dem sie eingeblendete Fragen wie "Du bist in der Politik?", "In der SPD?" "Ist die nicht schon tot?" mit einem eingespielten Song des Rappers E-40 beantwortet, in dem dieser abwechselnd "Yep" und "No" singt.

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Die 23-jährige Marie-Thérèse Kaiser, AfD-Kreistagsvorsitzende in Rotenburg-Wümme, stellte Blaudszuns Video Mitte Januar nach, wählte den gleichen Song, aber andere Fragen: "Bist du in der AfD?" "Bist du ein Nazi?". Wann immer in den vergangenen Jahren im Netz neue virale Ausdrucksformen auftauchten, war auch die neue Rechte nicht weit.

Blaudszun und Kaiser mögen die ersten deutschen Politikerinnen auf Tiktok sein, ihre Videos harmlos und ihre Reichweite noch gering. Doch je größer und wichtiger die Plattform wird, desto mehr Parteien und Politiker werden versuchen, dort auf junge Menschen Einfluss zu nehmen - auf die Wählerinnen, die Angestellten, die Bürgerinnen und Bürger von morgen.

Geht es nach dem Tiktok-CEO Alex Zhu, sollen Inhalte wie diese auf der Plattform aber auch in Zukunft eine untergeordnete Rolle spielen. Wahlwerbung ließ er auf der Plattform komplett verbieten. Als der Spiegel ihn kürzlich in einem Interview fragte, ob Greta Thunberg auf Tiktok willkommen wäre, antwortete er mit der Gegenfrage: "Wer?" Er hoffe, sagte Zhu weiter, dass die App als "Ort für Unterhaltung" und als "Bildungsplattform" wahrgenommen werde. Der New York Times erklärte er, politische Videos auf Tiktok seien okay, solange sie "kreativ und gut gelaunt" seien.

Klingt, als habe er Videos wie die von Vanessa und Ina im Sinn. Die beiden 23-jährigen Berlinerinnen haben als @coupleontour nach nur fünf Monaten auf Tiktok bereits 435.000 Follower. Die Videos des Paars tragen Hashtags wie #lgbt oder #loveislove. Sie küssen sich vor der Kamera, stellen zu hinterlegter Musik Szenen aus ihrer Beziehung nach.

In echt wirken die beiden genauso quirlig und gut gelaunt wie vor der Kamera. Beide tragen beerenfarbenen Lippenstift, auch ihre Outfits wirken farblich aufeinander abgestimmt. "Erzähl du, Schatz", sagt Ina zu ihrer Freundin auf die Frage, warum sie sich dazu entschlossen haben, ein Influencer-Pärchen auf Tiktok zu werden.

"Wir haben gemerkt, dass es auch heute leider noch nicht selbstverständlich ist, sich öffentlich als lesbisches Paar zu zeigen", sagt Vanessa. Daran wollten die beiden etwas ändern. Je mehr junge Menschen ihre Liebe sehen, so ihre Überzeugung, desto normaler werde lesbische Liebe in der Gesellschaft.

Der Großteil der Kommentare ist positiv

Den Kommentarbereich sehen die beiden als "safe space", wo jeder seine Fragen über homosexuelle Beziehungen loswerden kann. Die meisten User wollen Dinge wissen wie: Wollt ihr mal Kinder - und wie funktioniert das dann? Fehlt euch was beim Sex? Wie war euer Coming-out? Hasskommentare löschen die beiden, die dazugehörigen Accounts blockieren sie sofort. "Wir können damit umgehen, wenn jemand 'ekelhaft' oder 'Ihhh' schreibt", sagt Vanessa, "aber 13-jährige lesbische Mädchen müssen das nicht lesen."

Häufig komme das aber ohnehin nicht vor, denn der Großteil der Nachrichten sei positiv. "Wir bekommen auch viele private Zuschriften, in denen uns junge Mädels danken und sagen, wir hätten ihnen den Mut für ein Coming-out gegeben." Ihre Augen weiten sich, als sie das sagt, ihre Freundin nickt ihr stolz zu.

Für die beiden jungen Frauen ist Tiktok mehr als nur ein Hobby neben dem Masterstudium: Sie wollen mit ihrem Account einen Ort schaffen, an dem sich junge Schwule und Lesben treffen und austauschen können. Soziale Medien sind für homosexuelle Menschen Orte, an denen Communities entstehen.

Viele homosexuelle Jugendliche erfahren in Gruppen, Foren und Kommentarbereichen zum ersten Mal in ihrem Leben, dass sie nicht allein sind. Dass sie akzeptiert werden, so, wie sie sind. Auch Tiktok erfüllt diese Funktionen für Millionen junger Userinnen und User.

Aber ist es politisch, in mit Popmusik hinterlegten Videos seine Liebe zu feiern? "Schon", findet Vanessa, "denn es geht darum, Vorurteile auszuräumen, für Toleranz und Respekt zu werben und gleiche Rechte für alle durchzusetzen." Als der Gay-Travel-Index herauskam, der Länder danach rankt, wie sicher sich Schwule und Lesben in ihnen bewegen können, machten Vanessa und Ina ihre Follower darauf aufmerksam. "Einerseits, weil wir wollen, dass ihnen beim Reisen nichts passiert", sagt Ina, "aber auch, weil wir damit darauf hinweisen, dass Homosexualität noch längst nicht überall legal ist."

Wer mit Menschen wie Vanessa und Ina oder Diana zur Löwen spricht, dem wird klar, dass es eher nicht Parteien oder Politiker sein werden, die auf Tiktok die Massen um sich scharen. Aber dass das nicht bedeutet, dass sie auf der Plattform keinen Platz hat. Weil auf ihr eine politische Generation unterwegs ist, die es gewohnt ist, ihre Botschaften und Gedanken in einminütige Videos zu verpacken.

Und da kann auch alles gleichzeitig passieren. Da können Vanessa und Ina knutschen, 350.000 Likes, Wisch nach oben. Da kann jemand ein buntes Plakat für eine Demo von Fridays for Future kolorieren. 58.000 Likes. Wisch nach oben. Und dann massiert ein Typ seiner Katze im Rhythmus der Musik die Pfoten. 120.000 Likes. Wisch nach oben.

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 Tiktok will kein herkömmliches soziales Netzwerk sein
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techster 03. Jul 2020

Super Kommentar, vor allem der Absatz gehört eingerahmt und an die Wand gehängt!

plutoniumsulfat 03. Jul 2020

Danke für die Antwort!

janoP 02. Jul 2020

TikTok zensiert regional und abgestuft: Ein Video, das auf dem Index landet, muss nicht...

Kleba 01. Jul 2020

Hier ist der Original Redditbeitrag auf dem der Artikel basiert: Link

theFiend 01. Jul 2020

Das ist halt der Fortschritt. Jede Generation musste ihren Weg mit dem bis dahin...


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