• IT-Karriere:
  • Services:

Politik auf Tiktok

Eine US-amerikanische Teenagerin schrieb einen nachdenklichen Song über den Klimawandel, Dear 2045, er wurde auf Tiktok fast fünf Millionen Mal gesehen. Unter dem Hashtag #australia laufen im Minutentakt neue Videos ein, die zu trauriger Musik rauchverhangene Panoramen oder fliehende Kängurus zeigen. Und als sich ein Erwachsener auf Tiktok über die Rede von Greta Thunberg vor den UN lustig machte, wurde in seinem Kommentarbereich "Ok Boomer!" zu vielleicht der viralen Phrase des Jahres 2019.

Stellenmarkt
  1. Föderale IT-Kooperation (FITKO), Frankfurt am Main
  2. STRABAG AG, Stuttgart

Wenn man herausfinden will, wie Tiktok-User politische Botschaften in bunte Kurzvideos packen, muss man sich mit Diana zur Löwen unterhalten. Die deutsche Influencerin hat in den vergangenen Jahren eine Entwicklung durchgemacht: Sie startete auf YouTube mit Videos über Beauty und Lifestyle, heute geht es in den Posts der 24-Jährigen auch regelmäßig um Themen wie die EU, Philipp Amthor, die Verfolgung der Uiguren in China und die Steuer auf Periodenprodukte.

Seit Kurzem ist sie auch auf Tiktok unterwegs, wo ihr 16.000 Menschen folgen. Das ist zwar noch nicht viel gegenüber den Hunderttausenden, die sie bei Youtube und Instagram abonniert haben, aber ihre Fangemeinde wächst auch auf der neuen Plattform stetig an.

"Jean-Claude wer?"

Als sie an einem kalten Januarnachmittag unweit des Potsdamer Platzes aus einem Uber steigt, kommt sie gerade von einer Show bei der Berliner Fashion Week. In hochhackigen nudefarbenen High Heels läuft sie auf das Café zu, ihr Gesicht ist stark geschminkt. Doch sie ist nicht gekommen, um über neue Kollektionen zu sprechen. Sondern darüber, wie sie mit Anfang 20 begann, sich für Politik zu interessieren.

Da wurde sie nämlich im Zuge der Aktion #askjuncker des Fernsehsenders Euronews gefragt, ob sie den damaligen EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker interviewen wolle. Ihre erste Reaktion, sagt zur Löwen, sei gewesen: "Jean-Claude wer?" Es sei ihr peinlich gewesen, sagt sie, so schlecht informiert gewesen zu sein. Drei Jahre ist das her.

Heute trägt sie einen schwarzen Pulli mit dem weißen Schriftzug "Europe" und überlegt, von Köln nach Berlin zu ziehen. In der Hauptstadt, sagt sie, fühle sie sich irgendwie näher am Geschehen. Politische Themen tauchen jetzt regelmäßig in ihren Posts auf. Auch auf Tiktok, wo vier ihrer insgesamt 16 bisher hochgeladenen Videos sich mit Politik beschäftigen.

Die hässliche Wahrheit über China

Eines trägt den Titel "The ugly truth about China". Darin erzählt eine junge Uigurin, wie Menschen ihrer Ethnie in chinesischen Internierungslagern gefoltert werden. Zur Löwen traf sie während eines Besuchs im EU-Parlament, mit deren Pressestelle sie seit ihrem Treffen mit Jean-Claude Juncker in regem Kontakt steht. "Ich wollte einfach ausprobieren, ob Tiktok dieses Video zensiert", sagt sie. Hat es nicht.

Der Gedanke ist nicht ganz unbegründet. Im Dezember war der Fall von Ferora Aziz bekannt geworden, einer jungen US-Amerikanerin, die ein als Make-up-Tutorial getarntes Video auf die Plattform stellte, in dem sie über die Verfolgung der Uiguren sprach. Das Video ging viral - und wurde nach vier Tagen plötzlich gelöscht. Das chinesische Unternehmen ByteDance, dem Tiktok gehört, brachte das den Vorwurf der Zensur ein, wogegen sich der Konzern bis heute wehrt: Dass das Video vorübergehend nicht verfügbar war, sei auf den Fehler eines Mitarbeiters zurückzuführen, mehr nicht.

Seitdem tut ByteDance alles, um sein Image zu verbessern. Man verweist auf überarbeitete Moderationsregeln. Auf Server in Singapur und den USA. Darauf, dass China seine eigene Version der App mit eigenen Regeln habe, namens Douyin, und dass Tiktok damit nichts zu tun habe. Man sei noch ein junges Unternehmen, man wachse schnell, man mache Fehler und lerne aus ihnen.

Fest steht: Wer welche Videos auf Tiktok zu sehen bekommt, entscheiden nicht nur die Nutzerinnen und Nutzer.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Tiktok: Guck mal, Boomer!Tiktok will kein herkömmliches soziales Netzwerk sein 
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5. 4
  6.  


Anzeige
Top-Angebote
  1. 59€ (Bestpreis)
  2. 1.099€ (Bestpreis)
  3. (u. a. Super Seducer 3 - Uncensored Edition für 10,79€, Total War: Rome - Remastered für 26...
  4. 399,99€

techster 03. Jul 2020

Super Kommentar, vor allem der Absatz gehört eingerahmt und an die Wand gehängt!

plutoniumsulfat 03. Jul 2020

Danke für die Antwort!

janoP 02. Jul 2020

TikTok zensiert regional und abgestuft: Ein Video, das auf dem Index landet, muss nicht...

Kleba 01. Jul 2020

Hier ist der Original Redditbeitrag auf dem der Artikel basiert: Link

theFiend 01. Jul 2020

Das ist halt der Fortschritt. Jede Generation musste ihren Weg mit dem bis dahin...


Folgen Sie uns
       


It Takes Two - Fazit

Nur für zwei: Das Action-Adventure It Takes Two schickt ein geschrumpftes Paar in eine herausfordernde und herzerwärmende Romantic Comedy.

It Takes Two - Fazit Video aufrufen
Programm für IT-Jobeinstieg: Hoffen auf den Klebeeffekt
Programm für IT-Jobeinstieg
Hoffen auf den Klebeeffekt

Aktuell ist der Jobeinstieg für junge Ingenieure und Informatiker schwer. Um ihnen zu helfen, hat das Land Baden-Württemberg eine interessante Idee: Es macht sich selbst zur Zeitarbeitsfirma.
Ein Bericht von Peter Ilg

  1. Arbeitszeit Das Sechs-Stunden-Experiment bei Sipgate
  2. Neuorientierung im IT-Job Endlich mal machen!
  3. IT-Unternehmen Die richtige Software für ein Projekt finden

Weclapp-CTO Ertan Özdil: Wir dürfen nicht in Schönheit und Perfektion untergehen!
Weclapp-CTO Ertan Özdil
"Wir dürfen nicht in Schönheit und Perfektion untergehen!"

Der CTO von Weclapp träumt von smarter Software, die menschliches Eingreifen in der nächsten ERP-Generation reduziert. Deutschen Perfektionismus hält Ertan Özdil aber für gefährlich.
Ein Interview von Maja Hoock


    Fiat 500 als E-Auto im Test: Kleinstwagen mit großem Potenzial
    Fiat 500 als E-Auto im Test
    Kleinstwagen mit großem Potenzial

    Fiat hat einen neuen 500er entwickelt. Der Kleine fährt elektrisch - und zwar richtig gut.
    Ein Test von Peter Ilg

    1. Vierradlenkung Elektrischer GMC Hummer SUV fährt im Krabbengang seitwärts
    2. MG Cyberster MG B Roadster mit Lasergürtel und Union Jack
    3. Elektroauto E-Auto-Prämie übersteigt in 2021 schon Vorjahressumme

      •  /