Tiefengeothermie: Erfurter Untergrund wird für Tiefenbohrung vermessen

Ein Forschungsteam der TU Bergakademie Freiberg(öffnet im neuen Fenster) (Sachsen) will den bislang schlecht dokumentierten Untergrund im Erfurter Becken untersuchen. Wegen steil stehender Tiefenstörungen war die Kartierung des Gesteins unter der Erde bisher kaum möglich.
Die Brüche, Verwerfungen und Klüfte sollen mithilfe von 3D-Seismik genau verortet werden. Dabei erzeugen schwere Spezialfahrzeuge mit einer Art Rüttelplatte Schallwellen, die im Untergrund an wechselnden Schichten reflektiert und von Geophonen aufgezeichnet werden.
Ergänzende Technik für anspruchsvollen Untergrund
An der Bergakademie wurde eine sogenannte 3D-Weitwinkel-Seismik-Komponente entwickelt, die die bisherigen Messverfahren ergänzt. So lässt sich nicht nur der besonders anspruchsvolle Untergrund genauer vermessen. Das Verfahren erlaubt es zudem, deutlich größere Tiefen zu erkunden.
Erst bei 5 bis 7 km unter der Erdoberfläche ist Schluss, was genau dem Bereich der Tiefengeothermie entspricht. In dieser Tiefe herrschen Temperaturen weit jenseits von 100 °C.
Es ist somit heiß genug, um Wasser ohne zusätzliche Erwärmung nutzen zu können. Energie muss lediglich zum Pumpen bereitgestellt werden.
Vorbilder für weitere Projekte
2026 sollen die Messungen beginnen, um die konkrete Planung für eine Tiefenbohrung voranzutreiben. Ziel ist es, eine kommerzielle Anlage zu errichten, um das Fernwärmenetz von Erfurt mit heißem Wasser zu versorgen. Die Kosten werden mit 6 Millionen Euro angesetzt.
Die gesammelten Erfahrungen sollen zudem weitere Projekte deutlich erleichtern. Gneis und Granit, die rund um Erfurt die unterirdische Erkundung erschweren, sind laut der Bergakademie Freiberg in Deutschland weit verbreitet. Aktuell werden entsprechende Untergründe aufgrund der schwierigen Vermessung für Tiefenbohrungen aber noch nicht genutzt.