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Tianwens Zukunft: Raumfahrt-Offensive nimmt Kurs auf den Neptun

China könnte eine Orbiter-Mission zum Neptun anpeilen. Der Vorstoß würde die Volksrepublik zum Pionier bei der Erforschung des Eisriesen machen.
/ Patrick Klapetz
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Eine Aufnahme des Neptun (Bild: Nasa, JPL-Caltech)
Eine Aufnahme des Neptun Bild: Nasa, JPL-Caltech

Ein leitender chinesischer Weltraumwissenschaftler hat dazu aufgerufen, eine Orbiter-Mission zum Neptun mit höchster Priorität zu behandeln (öffnet im neuen Fenster) . Es wäre die erste Rückkehr zu dem fernen Planeten seit dem Vorbeiflug der Voyager-2 im Jahr 1989.

In einem Interview(öffnet im neuen Fenster) am Rande der Tagung des Nationalen Volkskongresses betonte Sun Zezhou, Forscher bei der staatlichen Unternehmensgruppe Casc (China Aerospace Science and Technology Corporation) und Chefentwickler der erfolgreichen Mars-Mission Tianwen-1, die strategische Bedeutung der Erforschung von Eisriesen.

China könnte damit nicht nur den Rückstand zu den USA aufholen, sondern bei der Erforschung des Neptuns und seines Mondes Triton eine Vorreiterrolle einnehmen.

Da Neptun etwa 30-mal so weit von der Sonne entfernt ist wie die Erde, stellt eine solche Mission enorme technologische Anforderungen, insbesondere an die Energieversorgung und die Kommunikationssysteme.

Raumfahrtmissionen zu Jubiläen

Ein möglicher Start könnte 2033 erfolgen. Die Reisezeit würde etwa 16 Jahre betragen, sp dass die Sonde den Neptun gegen 2049 erreichen könnte – passend zum 100. Jubiläum der Volksrepublik China.

Derweil sollen die ersten chinesischen Astronauten etwa gegen Ende des Jahrzehnts auf der Mondoberfläche landen. Dazu würde sich das Jahr 2029 anbieten, da es der 80. Jahrestag des Ausrufs der chinesischen Volksrepublik ist.

Die Ziele und Ansprüche an eine Neptunmission

Wissenschaftliche Ziele(öffnet im neuen Fenster) sind die Erforschung der Planetenatmosphäre, das Magnetfeld des Eisriesen sowie die Erkundung des Neptunmondes Triton. Triton gilt als eines der spannendsten Ziele im Sonnensystem, da er vermutlich ein eingefangenes Kuipergürtel-Objekt ist und einen unterirdischen Ozean besitzen könnte. Chinas Roadmap sieht vor, Triton als Referenzpunkt für die Suche nach Leben in Ozeanwelten zu nutzen.

Die Energieversorgung ist bei einer solchen Mission eine besondere Herausforderung. Aufgrund der schwachen Sonneneinstrahlung in dieser Entfernung planen chinesische Wissenschaftler den Einsatz von Radioisotopengeneratoren (RTGs) oder sogar nuklearen Spaltreaktoren, um die Instrumente über Jahrzehnte zu betreiben.

Die nun geforderte Neptun-Priorisierung brächte China in eine exklusive Position. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat zwar auch Pläne für eine ähnliche Mission, die Neptune-Odyssey-Mission(öffnet im neuen Fenster) , diese wurden jedoch aufgrund der Budgetbeschränkungen und der Priorisierung einer Uranus-Sonde vorerst beiseitegelegt.

Chinas ambitioniertes Tianwen-Raumfahrtprogramm

Die chinesische Neptunmission würde sich in das Tianwen-Raumfahrtprogramm einreihen. Mit Tianwen-1 absolvierte die chinesische Raumfahrtbehörde CNSA im Jahr 2021 ihre erste erfolgreiche Marsmission und -landung. Tianwen-2 startete 2025 und soll Proben von einem erdnahen Asteroiden einsammeln und zur Erde bringen.

Tianwen-3 ist als Mars-Sample-Return-Mission gedacht und soll 2028 zum Roten Planeten aufbrechen. Der Start der Tianwen-4-Mission ist für das Jahr 2029 vorgesehen. Es wird die erste Jupitermission der Volksrepublik China sein, bei der nicht nur das Jupitersystem untersucht werden soll. Die Missionsanforderungen sehen auch einen Vorbeiflug am Uranus für März 2045 vor.


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