Tianlong-3: Chinesische Rakete hebt bei Bodentest versehentlich ab

Bei einem geplanten Triebwerkstest der neuen Tianlong-3-Rakete(öffnet im neuen Fenster) der chinesischen Firma Space Pioneer kam es zu einem schweren Zwischenfall. Die Raketenstufe sollte bei dem Test eigentlich am Boden bleiben, sie hat sich jedoch während des Tests aus der Verankerung des Teststandes gerissen und ist senkrecht abgehoben(öffnet im neuen Fenster) . Der Teststand befindet sich in einem Steinbruch nahe der Großstadt Gongyi in der chinesischen Provinz Henan. Nur durch großes Glück kam es zu keinem katastrophalen Unfall.
Die Tianlong-3-Rakete ist mit ihrem geplanten Startgewicht von 590 Tonnen vergleichbar mit der Falcon 9 von SpaceX und auch sehr ähnlich aufgebaut. Entsprechend befinden sich an Bord der voll getankten ersten Stufe mehr als 400 Tonnen Treibstoff, wovon zum Zeitpunkt des Unfalls noch rund 200 Tonnen verblieben sein sollen. Beim Absturz kam es zu einer heftigen Explosion, die bei einem Sturz auf das Siedlungsgebiet von Gongyi katastrophale Folgen gehabt hätte.
Bis zum endgültigen Versagen der Triebwerke nahm die Rakete nur wenig Geschwindigkeit in seitliche Richtung auf und landete 1.460 m südwestlich des Teststandes auf einem Berg in einem nahe gelegenen Wald. Aber der Teststand befindet sich in einem Steinbruch nahe der Großstadt mit über 800.000 Einwohnern. Wäre die Rakete stattdessen in nordöstliche Richtung geflogen, hätte sie die Stadt getroffen.
Wie sich inzwischen herausstellte(öffnet im neuen Fenster) , wurde der Teststand ursprünglich für die viel kleinere Vorgängerrakete Tianlong-2 gebaut und für einen maximalen Schub von 600 t ausgelegt. (Tonnen sind eine übliche Schubangabe in der Raketentechnik.) Die neun Triebwerke der Tianlong-3 entwickeln jedoch 820 t Schub, so dass sich die Raketenstufe von dem Teststand losreißen konnte, nachdem genug Treibstoff verbraucht wurde.
Alles normal, sagt die Firma
In einem Statement zu dem Unfall(öffnet im neuen Fenster) sagte die Firma: "Derzeit ist alles normal. Außer dem Verlust der Rakete gibt es keine Personen- oder Sachschäden." Die Firma werde in Gongyi keine großen Raketenstufen mehr testen. Sie suche derzeit nach der Blackbox und untersuche die Trümmer.
Fehlende Sicherheitsmaßnahmen sind ein ständiges Problem der chinesischen Raumfahrt. Zu katastrophalen Folgen kam es in der Vergangenheit am 15. Februar 1996, als eine Langer-Marsch-3B-Rakete mit dem Satelliten Intelsat 708 an Bord auf ein Dorf stürzte. Die Zahl der Opfer ist umstritten. Es sollte erstmals ein westlicher Satellit mit einer chinesischen Rakete gestartet werden, was in Folge des Unfalls nie wieder getan wurde.
Die Stadt Gongyi hat insofern eine historische Verbindung mit der Raketentechnik, als dass sich dort die Kaisergräber der Nördlichen Song-Dynastie befinden. Während dieser Zeit wurde das Schwarzpulver entwickelt und Berichte vom Einsatz großer Mengen an Pfeilen mit Schwarzpulverraketenantrieb(öffnet im neuen Fenster) überliefert.



