Tiangong-1: Viel Aufregung um ein Stück Weltraumraumschrott

Die Raumstation Tiangong-1 ist unkontrolliert über dem Südpazifik abgestürzt. Zuvor wurde sogar eine internationale Beobachtungskampagne einberufen. Dabei war die Raumstation nicht größer als ein Raumfrachter und unkontrollierte Abstürze von Weltraumschrott dieser Größe sind weitgehend normal.

Artikel von veröffentlicht am
Radaraufnahmen des Fraunhofer-Instituts zeigen, dass die Station rotiert.
Radaraufnahmen des Fraunhofer-Instituts zeigen, dass die Station rotiert. (Bild: Fraunhofer FHR)

Tiangong-1 (Himmelspalast-1) war die kleinste Raumstation der Welt. Über die Osterfeiertage ist sie abgestürzt. Der genaue Zeitpunkt war lange nicht bekannt, die Dichte der oberen Atmosphärenschichten schwankt zu stark, als dass genaue Vorhersagen möglich wären. Die Prognosen sagten noch eine Woche zuvor einen Absturz am 1. April voraus - mit einer Unsicherheit von zwei Tagen. Noch unsicherer war der Ort des Wiedereintritts, immerhin flog die Raumstation mit knapp acht Kilometern pro Sekunde in rund 200 Kilometern Höhe um die Erde.

Inhalt:
  1. Tiangong-1: Viel Aufregung um ein Stück Weltraumraumschrott
  2. Raumstationen werden zu Frachtern

Die chinesischen Betreiber sollen bereits 2016 zumindest zwischenzeitlich den Kontakt mit Tiangong-1 verloren haben. Radarbeobachtungen des Fraunhofer-Instituts für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR zeigten, dass die Station im Orbit rotierte. Ein völlig kontrollierter Absturz der Raumstation war damit unwahrscheinlich. Die Flugbahn überstrich alle Gebiete der Erde vom Äquator bis zum 43. Breitengrad im Norden und Süden.

Ungewöhnlich war das Maß an Aufmerksamkeit für den Absturz der Raumstation. Die Esa hatte eine internationale Beobachtungskampagne ins Leben gerufen und dafür eine eigene Webseite erstellt.

Es sind schon viele Raumstationen abgestürzt

Die Raumstation Tiangong-1 hatte eine Masse von nur acht Tonnen. Sie war damit vergleichbar mit der eines Progress Raumtransporters, eines größeren Satelliten oder einiger Raketenstufen. Erst dieses Jahr stürzte beispielsweise am 28. Januar die 8,3 Tonnen schwere zweite Stufe einer russischen Zenit Rakete über Peru ab, von der einzelne Teile später auch am Boden aufgefunden wurden. Vergleichbares ist in der Vergangenheit schon dutzendfach geschehen und verläuft fast immer ohne öffentliche Diskussion, ohne öffentliche Information und ohne publizierte internationale Beobachtungskampagnen.

Stellenmarkt
  1. Sachbearbeiter (w/m/d) IT-Betreuung und Teamassistenz Schulen
    KommunalBIT AöR, Fürth
  2. Requirements Engineer (w/m/d) Softwareentwicklung
    SSI SCHÄFER IT Solutions GmbH, Dortmund, Giebelstadt
Detailsuche

Es war auch nicht der erste unkontrollierte Absturz einer Raumstation. In den 70er und 80er Jahren stürzten drei von neun der 19 Tonnen schweren sowjetischen Saljut Raumstationen unkontrolliert aus dem Orbit ab: Saljut-2 und Saljut-6 sowie eine Station, die Saljut-3 heißen sollte, aber nach einer Fehlfunktion kurz nach dem Start die Bezeichnung Kosmos 557 erhielt. Auch die einzige rein amerikanische Raumstation, das 90 Tonnen schwere Skylab, stürzte 1979 unkontrolliert über Australien ab.

Unkontrollierte Abstürze tonnenschwerer Raketenteile sind der Normalfall

Für viele Raketenstufen ist der unkontrollierte Absturz noch immer normal. Neben der schon erwähnten zweiten Stufe der russischen Zenit-Rakete stürzt beispielsweise auch die rund 4,5 Tonnen schwere ECA Oberstufe der Ariane 5 unkontrollert auf die Erde. Ihr HM-7B Triebwerk kann nur einmal gezündet werden, danach werden die Satelliten ausgesetzt und die Raketenstufe wird sich selbst überlassen. Für die ähnlich schwere Oberstufe der Falcon 9 von SpaceX gilt das auch, aber nur in besonders anspruchsvollen Missionen, für die keine zusätzliche Treibstoffreserve für die kontrollierte Deorbitierung eingeplant wird.

Wie viele größere Teile den Wiedereintritt überstehen, hängt dabei weniger vom Gewicht des Objekts ab. Die meisten aufgefundenen Trümmerteile sind Teile von Raketentriebwerken, Druckgasflaschen und kugelförmige Treibstofftanks, die für große Drücke ausgelegt und dadurch besonders stabil sind. Die meisten anderen Teile verbrennen bei den hohen Temperaturen in der Atmosphäre. Für Tiangong-1 wurde Ähnliches erwartet. Die Raumstation war mit eigenen Antrieben und Treibstofftanks ausgestattet. Diese könnten teilweise den Wiedereintritt überstanden haben.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Raumstationen werden zu Frachtern 
  1. 1
  2. 2
  3.  


freebyte 02. Apr 2018

Weil der Sender endlich was gefunden hat mit dem er "Inhalt" produzieren kann - sowas...

Frank... 29. Mär 2018

Es gibt im Sprachgebrauch die Konvention, dass man die Vorsilben weglassen kann, wenn es...

Anonymer Nutzer 28. Mär 2018

Ich kann dich verstehen. Und ich kann auch verstehen, dass viele versuchen die Welt...

Penske1 28. Mär 2018

Demnach gehört also alles zur Sonne ;)

Legendenkiller 28. Mär 2018

ist eher das synonym für Abstürzen :-)



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Internet im Van
Mein perfekt funktionierendes Wald-Office

In meinem Büro auf Rädern gibt es sechs Internetverbindungen. Sieben, wenn Starlink dazukommt. Habe ich damit das beste Internet Australiens?
Eine Anleitung von Geoffrey Huntley

Internet im Van: Mein perfekt funktionierendes Wald-Office
Artikel
  1. Aegis Rider: Motorrad-HUD für den Helm hebt Gefahren und Ideallinie hervor
    Aegis Rider
    Motorrad-HUD für den Helm hebt Gefahren und Ideallinie hervor

    Aegis Rider heißt das Head-up-Display für Motorradfahrer, das während der Fahrt wichtige Informationen ins Blickfeld einblenden soll.

  2. Aus für Confluence Server - diese Alternativen gibt es 
     
    Aus für Confluence Server - diese Alternativen gibt es 

    Im Februar wurde der Verkauf von Confluence Server eingestellt, bald endet auch der Support. Was betroffene Kunden tun können und welche Alternativen zur Verfügung stehen.
    Sponsored Post von KontextWork

  3. Drucker: Ohne Tinte kein Scan - Klage gegen Canon
    Drucker
    Ohne Tinte kein Scan - Klage gegen Canon

    In den USA wurde eine Sammelklage gegen Canon eingereicht: Klagegrund ist, dass einige 3-in-1-Geräte nur scannen, wenn Tinte vorhanden ist.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Cyber Week: Bis zu 37% Rabatt auf Corsair, bis zu 40 Prozent auf Sharkoon • LG-TVs & Monitore zu Bestpreisen (u. a. Ultragear 34" Curved FHD 144Hz 359€) • Bosch-Werkzeug günstiger • Dell-Monitore günstiger • Mehrwertsteuer-Aktion bei MM: 19% auf viele Produkte [Werbung]
    •  /