Raumstationen werden zu Frachtern

Die Raumstation Tiangong-1 bildete die Grundlage für die weitere Entwicklung der chinesischen Raumfahrt. 2016 wurde die verbesserte Raumstation Tiangong-2 gestartet. Sie beherbergte die einmonatige Mission von Jing Haipeng und Chen Dong und diente anschließend der Erprobung automatisierter Dockingmanöver und des Nachtankens der Treibstofftanks. Sie entspricht in Form und Größe aber weitgehend Tiangong-1. Ebenso wurde ein Frachter zur Versorgung von Raumstationen aus Tiangong-1 heraus entwickelt.

Diese Frachter fliegen unter dem Namen Tianzhou (Himmelsschiff). 2017 startete Tianzhou-1 zu Testzwecken zur neuen Raumstation Tiangong-2 und probte von April bis Juni mehrere Dockingmanöver. Am 22. September wurde Tianzhou-1 gezielt zum Absturz gebracht. Das Ziel der Entwicklung ist der Bau und die Versorgung der nächsten Raumstation, Tiangong-3. Sie entspricht in Größe und Konzept etwa der früheren russischen Raumstation Mir.

Viele chinesische Boosterraketen stürzen auf bewohntes Gebiet

In Anbetracht der Umstände ließ sich die Aufmerksamkeit für den Absturz von Tiangong-1 kaum mit einer besonderen Gefährdungslage oder besonderer Unverantwortlichkeit im Betrieb der Raumstation erklären. Die Vermutung lag zumindest nahe, dass sich die Aufmerksamkeit aus der Konkurrenz mit anderen Nationen in der Raumfahrt speiste. In Anbetracht des eigenen Umgangs mit ausgebrannten Raketenstufen war das hier aber völlig unangemessen.

Derzeit ist am ehesten die chinesische Bevölkerung selbst von den Raumfahrtambitionen des Landes gefährdet. Die chinesischen Raketen werden fast durchweg aus dem Landesinneren von China gestartet, da sich die Regierung im kalten Krieg sowohl durch die USA als auch die Sowjetunion bedroht sah. Insbesondere bei Starts aus dem Weltraumbahnhof Xichang, in der südlichen Provinz Sichuan, stürzen immer wieder vollständige Boosterraketen mit mehreren hundert Kilogramm Dimethylhydrazin und Stickstofftetroxid in bewohnten Gegenden ab.

Liang Xiaohong, Vizepräsident der chinesischen Akademie für Trägerraktentechnologie (CALT), sagte in einem Vortrag: "Ich kann bei jedem Start nur beten, dass die Rakete nicht auf Menschen fällt und sie tötet." Bisher hat es noch keine Todesopfer gegeben, aber er wird noch sehr oft beten müssen, bis die Starts von Xichang endgültig nach Wenchang an der Küste der südlichen Insel Hainan verlegt werden.

Nachtrag vom 2. April 2018, 3:24 Uhr

Quellen aus den USA und China berichten übereinstimmend, dass die Raumstation um 2:16 Uhr MESZ über dem Gebiet des südlichen Pazifiks abstürzte. Bis zuletzt gab es keine Anzeichen für einen kontrollierten Abstieg der Raumstation.

Der ursprüngliche Artikel enthielt die folgenden Absätze, die sich damit erübrigt haben:

Raumstation ist wahrscheinlich außer Kontrolle

Laut Zhu Congpeng, einem leitenden Ingenieur der chinesischen Raumfahrtfirma CASC, soll auch Tiangong-1 über dem Pazifik zum Absturz gebracht werden. Es ist allerdings zweifelhaft, ob die Raumstation kontrolliert werden kann. Offensichtlich ist, dass Triebwerke und Lagekontrolle außer Funktion sind. Der Pazifik als größter Ozean der Welt ist aber selbst ohne Kontrolle der Raumstation der wahrscheinlichste Absturzort. Möglicherweise entspringt die Aussage also schlicht der Hoffnung, dass der vorhergesagte Absturzort am Ende kontrolliert wirkt.

Falls noch Kommunikation mit der Raumstation besteht, könnte aber während der letzten Umläufe über den Anstellwinkel der Solarpanele die Luftwiderstand gezielt gesteigert werden. Das hätte eine ähnliche Wirkung wie das Abbremsen mit Raketentriebwerken und würde eine begrenzte Steuerung des Absturzes erlauben. Eine ähnliche Methode benutzt Planetlabs zur Steuerung des Orbits ihrer antriebslosen Cubesats. Derartige Details wurden aber nicht bekannt gemacht, weshalb so ein Szenario unwahrscheinlich ist.

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 Tiangong-1: Viel Aufregung um ein Stück Weltraumraumschrott
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freebyte 02. Apr 2018

Weil der Sender endlich was gefunden hat mit dem er "Inhalt" produzieren kann - sowas...

Frank... 29. Mär 2018

Es gibt im Sprachgebrauch die Konvention, dass man die Vorsilben weglassen kann, wenn es...

Anonymer Nutzer 28. Mär 2018

Ich kann dich verstehen. Und ich kann auch verstehen, dass viele versuchen die Welt...

Penske1 28. Mär 2018

Demnach gehört also alles zur Sonne ;)



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