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Thyssenkrupp: Neue Anlage erzeugt Methanol aus Abgasen der Stahlproduktion

Die Stahlindustrie gilt als großer Kohlendioxidemittent. Das wollen Thyssenkrupp und ein Fraunhofer -Institut ändern.
/ Werner Pluta
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Installation der Methanolanlage am Stahlwerk in Duisburg: wegen des modularen Aufbaus auch in anderen Industrien einsetzbar (Bild: Fraunhofer Umsicht)
Installation der Methanolanlage am Stahlwerk in Duisburg: wegen des modularen Aufbaus auch in anderen Industrien einsetzbar Bild: Fraunhofer Umsicht

Methanol aus dem Stahlwerk: Der Konzern Thyssenkrupp nimmt in seinem Duisburger Stahlwerk eine Anlage in Betrieb, die aus dem Abgas der Stahlproduktion Kohlendioxid abtrennen und verwerten soll. Dadurch soll das Werk klimafreundlicher werden.

Bei der Stahlproduktion werden Hüttengase freigesetzt, die unter anderem Wasserstoff, Stickstoff, Kohlenstoffmonoxid und Kohlendioxid enthalten. Diese werden zumeist verbrannt, also zum Heizen genutzt. Dabei werden aber große Mengen Kohlendioxid freigesetzt. Das soll sich im Duisburger Stahlwerk ändern: Dort ist eine Anlage installiert worden, die aus den Hüttengasen Methanol herstellen soll. In dem Werk gibt es bereits eine Anlage von Thyssenkrupp Uhde, die die Hüttengase reinigt und Kohlendioxid abscheidet.

Methanol ist eine wichtige Grundchemikalie, die aber derzeit hauptsächlich aus fossilen Rohstoffen gewonnen wird. Die Duisburger Anlage habe damit einen doppelten Vorteil, teilte das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (Umsicht) mit(öffnet im neuen Fenster) : Das schädliche Kohlendioxid gelange nicht in die Atmosphäre und sei gleichzeitig die Basis für eine nachhaltige Methanolproduktion.

Kohlendioxidemissionen sollen verwertet werden

Die Anlage wurde im Rahmen des Verbundprojekts Carbon2Chem(öffnet im neuen Fenster) entwickelt, dessen Ziel es ist, unvermeidbare industrielle Kohlendioxid-Emissionen weiterzuverwerten. Das Herzstück der Anlage ist ein Katalysator, der die Reaktion der Gase fördert.

Die Anlage, die im März dieses Jahres in Duisburg installiert wurde, wurde zuvor am Fraunhofer-Umsicht in Oberhausen getestet. Dort wurde sie mit Flaschengasen betrieben, also sauberen Gasen, die zu Hüttengasen zusammengemischt wurden. In dem Stahlwerk wird die Anlage das Hochofengas aus der laufenden Stahlproduktion verarbeiten, das zuvor in der Thyssenkrupp-Uhde-Anlage gereinigt wird. Dort hat sie in der Stunde 3 Liter Rohmethanol produziert, davon etwa 2 Liter reines Methanol.

Die Anlage soll Mitte Juli einen ersten Testlauf am neuen Standort absolvieren. Der Testbetrieb ist bis Mai kommenden Jahres geplant. Ziel ist, dass sie zunächst im Dauerbetrieb 75 Liter Rohmethanol am Tag erzeugt: Nach dem Ende der Testphase soll dann die industrielle Methanolproduktion aus Hüttengasen starten.

Da die Methanolanlage modular aufgebaut ist, könnte sie auch in anderen Industriezweigen eingesetzt werden, die Kohlendioxid emittieren, zum Beispiel in Zementwerken. "Die Technologie zur CO2-basierten Methanolherstellung ist daher auch dann eine nachhaltige und langfristige Investition, wenn die Stahlindustrie vollständig auf Wasserstoff umgestellt hat" , sagte Tim Schulzke vom Fraunhofer-Umsicht.


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