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Thyssen-Krupp Testturm Rottweil: Herr Fetzer parkt die Aufzugkabine um

Ohne Aufzüge gäbe es keine Hochhäuser. Aber inzwischen sind Wolkenkratzer zu hoch für herkömmliche Systeme. Thyssen-Krupp testet derzeit einen neuartigen Aufzug, der beliebig hoch fahren kann. Inspiriert ist er vom Paternoster und dem Transrapid. Wir waren im Testturm.

Ein Bericht von veröffentlicht am
Aufzugsturm von Thyssen-Krupp in Rottweil: Ein Schwingungsdämpfer, der Schwingungen erzeugt
Aufzugsturm von Thyssen-Krupp in Rottweil: Ein Schwingungsdämpfer, der Schwingungen erzeugt (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Zum Glück schirmen mehr als mannshohe Glasscheiben die Aussichtsplattform gegen das Wetter ab. Denn es zieht ganz schön in gut 230 Metern Höhe. Im Süden sollen von hier oben Eiger, Mönch und Jungfrau zu sehen sein, die bekannteste Bergformation im Berner Oberland, im Westen der Feldberg, die höchste Erhebung des Schwarzwaldes. Heute jedoch verhüllen Wolken das Panorama. Der Wind umtost die höchste Aussichtsplattform Deutschlands, Regentropfen klatschen gegen das Glas.

Inhalt:
  1. Thyssen-Krupp Testturm Rottweil: Herr Fetzer parkt die Aufzugkabine um
  2. Vertikal mit Linearantrieb
  3. Neue Gebäudestrukturen
  4. Der Turm schwingt

Aber wir sind ohnehin nicht nach Rottweil gekommen, um die Aussicht zu genießen. Denn in dem 246 Meter hohen Turm in der Stadt auf halber Strecke zwischen Stuttgart und dem Bodensee testet Thyssen-Krupp Elevator Aufzüge - darunter einen, der das Zeug hat, den Hochhausbau zu revolutionieren: Nicht nur, dass er es den Bauherren ermöglicht, weiter in die Höhe zu bauen als bisher und Gebäudebetreibern mehr Fläche bietet. Er lässt Architekten von völlig neuen Gebäudeformen träumen.

Auf den ersten Blick sieht die Anlage nicht sehr revolutionär aus. Wir schauen in einen Schacht, auf ein System aus Schienen, Kästen und einer runden Struktur. Daneben noch mal dasselbe. Keine Spur von einem Seil, keine Spur von einem Aufzug. "Moment", sagt Martin Fetzer und tippt auf seinem Laptop. "Ich muss erst noch schnell die Kabine umparken." Umparken? Die Kabine eines Aufzugs?

Und dann kommt die Kabine angefahren. Stoppt. Die Tür öffnet sich. Hinter ihr ist eine Bewegung zu erkennen. Die Tür schließt und die Kabine setzt sich wieder in Bewegung - zur Seite, zu der anderen Scheibe. Die dreht sich, und die Kabine fährt wieder nach oben. Multi heißt dieser Aufzug, an dem Fetzer und seine Kollegen bei Thyssen-Krupp arbeiten. Die Kabinen fahren ohne Seile frei im Schacht. Dieser Aufzug, sagt Fetzer, fahre Besucher in großer Zahl ohne Unterbrechung aus dem Erdgeschoss bis ins oberste Geschoss jedes noch so hohen Turms.

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Wer in einem der höchsten Gebäude der Welt, dem Burj Khalifa oder dem Shanghai Tower etwa, ganz nach oben will, muss zwischendrin umsteigen. Der höchste Aufzug befindet sich im Burj Khalifa. Er ist knapp über 500 Meter hoch. Mehr geht nicht, sagt Fetzer, weil die langen Seile zu stark schwingen. Es sind aber weit höhere Gebäude geplant: Der Jeddah Tower in Saudi-Arabien soll einen Kilometer hoch werden.

Dabei gilt es nicht nur, die Höhe zu überwinden, sondern auch die vielen Menschen zu befördern, die in einem solche Turm wohnen, arbeiten oder ihn besuchen, um den Blick zu genießen. Eine Kabine pro Schacht ist da zu wenig. Doppelstöckige Kabinen schaffen schon mehr. Doch ohne eine große Anzahl von Aufzügen lässt sich das Aufkommen an Passagieren nicht bewältigen.

  • Der Testturm von Thyssen-Krupp in Rottweil (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Der Turm erhebt sich 246 Meter über dem Neckartal. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Die Aussichtsplattform ist die höchste in Deutschland. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Der Turm ist aus Beton und mit einer transparenten Membran bespannt. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Blick in Richtung Schwäbische Alp... (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • ... und in Richtung Alpen. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • In dem Turm test Thyssen-Krupp Aufzüge wie den Multi. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Der neuartige Aufzug braucht keine Seile... (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • ... sondern fährt an Schienen. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Deshalb kann der Aufzug in beliebig hohen Wolkenkratzern verbaut werden. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • An Weichen, den Exchangern, kann er die Richtung wechseln. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Die Kabine wird von einem Linearmotor angetrieben. In der Mitte in Schwarz sind die elektromagnetischen Spulen. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Die Kabine im Exchanger. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Abwärts: Insgesamt hat der Turm zwölf Schächte. In diesem werden Aufzugbremsen getestet. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Der Turm hat einen Schwingungsdämpfer, der aber für bestimmte Tests auch Schwingungen erzeugen kann. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Der Turm aus der Luft (Bild: Thyssen-Krupp Elevator)
  • Seit Anfang 2019 ist er angestrahlt. (Bild: Thyssen-Krupp Elevator)
Der Testturm von Thyssen-Krupp in Rottweil (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Wie wäre es stattdessen mit mehr Kabinen in einem Schacht? Zwei sind möglich: Twin heißt ein Aufzug von Thyssen-Krupp Elevator, bei dem zwei Kabinen in einem Schacht unterwegs sind. Das bietet schon mehr Möglichkeiten, aber es gibt auch Einschränkungen: Überholen ist logischerweise nicht möglich, die Förderhöhe auf etwas über 300 Meter beschränkt, der Schacht ist an den Rändern so mit Seilen zugehängt, dass eine Erweiterung auf drei Kabinen nur schwer möglich ist.

Wenn Aufwärts- und Abwärtsfahrten getrennt werden könnten, ließe sich fast ein kontinuierlicher Förderbetrieb realisieren. Das genau ist das Konzept des Multi: In einem Schacht fahren Kabinen nach oben und in einem anderen nach unten. An den Drehtellern, Exchanger genannt, wechseln sie den Schacht. Das klingt irgendwie bekannt. "Die Idee eines Paternoster - viele Kabinen in einem Schacht - ist hier wieder aufgegriffen worden", sagt Fetzer.

Mit den an zwei Ketten aufgehängten Paternoster-Kabinen hat der Multi jedoch wenig zu tun. Die Kabinen werden, und zwar jede einzeln, mit Hilfe von Linearmotoren angetrieben - ähnlich wie der Transrapid. Für den Antrieb sind auch ehemalige Mitarbeiter des Magnetschwebezug-Projekts verantwortlich.

Doch ist der Multi kein in die Vertikale gedrehter Transrapid.

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Vertikal mit Linearantrieb 
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plutoniumsulfat 19. Mär 2019

Die Kabine hängt doch an einer Drehscheibe. Ich denke mal, es dürfte hier kniffliger...

nehana 19. Mär 2019

Genau. Das Ding ist so brutal teuer, dass es ohnehin nur für sehr wenige Luxus-Hochhäuser...

chefin 18. Mär 2019

Aktuell beim Prototypen ist es so, das nur zwei seitliche Schächte existieren. In Zukunft...

chefin 18. Mär 2019

Nein, Paternoster haben ihre Kabinen zu einer Kette zusammengebaut. Eher wie ein...

Anonymer Nutzer 18. Mär 2019

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