Thüringen: Privatfirmen entschlüsseln für die Staatsanwaltschaft

Weil die Staatsanwaltschaft Erfurt die Analyse von beschlagnahmten Datenträgern nicht mehr bewältigen kann, werden zunehmend private Firmen hinzugezogen. Wie das Landesprogramm MDR Thüringen(öffnet im neuen Fenster) berichtet, wurden bereits bei vier Ermittlungsverfahren externe Experten aus der Wirtschaft engagiert, weil die Datenbestände sehr umfangreich, gelöscht oder verschlüsselt waren.
Laut Generalstaatsanwaltschaft(öffnet im neuen Fenster) soll die Zusammenarbeit bei Ermittlungsverfahren ausgeweitet werden, so MDR Thüringen. Das Landeskriminalamt erklärte dem Sender, alle zwei Jahre verdoppele sich die Menge der beschlagnahmten Daten. Im vergangenen Jahr mussten auf sichergestellten Festplatten, USB-Sticks, DVDs und Smartphones Daten im dreistelligen TByte-Bereich analysiert werden.
Thüringens Landesdatenschützer und die Deutsche Polizeigewerkschaft sehen in der Auslagerung staatlicher IT-Ermittlungen grundsätzlich kein Problem. Die Datenschützer verwiesen auf die Gleichbehandlung der Experten mit Sachverständigen in Gerichtsverfahren.
In der vergangenen Woche sorgten Aussagen der Bundesregierung zu SSH und PGP für Verunsicherung. Auf die Frage von Abgeordneten der Linken: "Ist die eingesetzte Technik auch in der Lage, verschlüsselte Kommunikation (etwa per SSH oder PGP) zumindest teilweise zu entschlüsseln und/oder auszuwerten?" , antwortete die Bundesregierung: "Ja, die eingesetzte Technik ist hierzu grundsätzlich in der Lage, je nach Art und Qualität der Verschlüsselung." Symantec hatte erklärt, dass mathematisch kein wirksamer Angriff bekannt sei. Die eigentliche Verschlüsselung in den PGP-Produkten sei eine Implementierung von offenen Standards, wie AES, Triple DES und anderen auf der symmetrischen Seite und auf der asymmetrischen (Public-Key) von RSA und Diffie-Hellman.