Thinkvision 27 3D im Test: So bringt 3D leider nichts, Lenovo
In den 2000er- und 2010er-Jahren war der 3D-Trend allgegenwärtig. In Kinos konnten Zuschauer Filme mit Shutter-Brillen bestaunen, zuhause mit Nvidias 3D-Vision-Brillen (Test) . Das ist mittlerweile mehr als zehn Jahre her. Seitdem ist der 3D-Trend nahezu in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Das hält Lenovo nicht davon ab, trotzdem ein Display mit der Technik herauszubringen.
Der Thinkvision 27 3D(öffnet im neuen Fenster) benötigt allerdings keine externe Hardware, sondern setzt auf ein autostereoskopisches Panel. Damit sollen 3D-Inhalte erzeugt und dargestellt werden können. Solche Displays sind nicht neu. Nintendo hat dies mit dem 3Ds bereits mehr oder weniger erfolgreich umgesetzt. Den Effekt auf einen 27-Zoll-Monitor zu bringen, ist allerdings selten. Da stellt sich uns natürlich die Frage: Bringt das etwas?
| Paneltyp | 27" (68,6 cm) IPS-Panel (3.840 x 2.160 Pixel @ 60 Hz) |
|---|---|
| Paneleigenschaften | spiegelnd, Lentikularlinsen-Display für 3D-Effekt, 282 cd/m², 95,4 % Adobe RGB, 98,9 % SRGB, |
| Ports | 2x HDMI 2.1, 1x Displayport, 1x USB-C (DP Alternate Mode, 100 Watt PD), 1x USB-C, 3x USB-A, 1x RJ45 (1 Gbit/s Ethernet) |
| Ergonomie | schwenken um 90 Grad, neigen um 40 Grad, höhenverstellbar um 155 mm, Kopfhörerhalterung, Vesa 100 x 100 mm |
| Preis | 2.550 Euro |
Generell können wir sagen: Die Idee, 3D-Objekte auf einem Arbeitsmonitor anzuzeigen, ist interessant. Ein 3D-Display könnte in Designbüros als Werbetafel genutzt werden. In Games und beim Arbeiten mit 3D-Modellen könnte man die dritte gefühlte Dimension für mehr Immersion und Produktivität nutzen. Und dann kann das Panel mithilfe von Software in 2D aufgenommene Videos in 3D umwandeln. Lenovo hat hier sichtlich Ressourcen aufgewendet, um die Bedienung mit dem Display möglichst einfach und umfangreich zu gestalten.
3D-Effekt mit Lentikularbild
So weit, so interessant. Allerdings hat die Technik beim Thinkvision 27 3D einige Nachteile, die nur teilweise durch den für sich genommen exzellenten Monitor ausgeglichen werden können. Das hat größtenteils mit Limitierungen durch die verwendete 3D-Technik und die doch noch nicht ganz ausgereifte Software zu tun.
Doch wie funktioniert die Autostereoskopie eigentlich? Beim Thinkvision 27 3D und bei anderen Lentikulardisplays wie dem Looking Glass Portrait (Test, g+) werden den Augen zwei unterschiedliche Bilder durch eine Lentikularschicht(öffnet im neuen Fenster) vor den Subpixeln angezeigt. Die setzt das menschliche Gehirn zu dreidimensional wirkenden Objekten zusammen – ähnlich wie es bei der Shutter-Technik der Fall ist. Nur werden hier nicht aktiv Bilder abwechselnd auf das eine und das andere Auge projiziert. Stattdessen sehen wir beide Bilder gleichzeitig. Deshalb reicht für den Thinkvision 27 3D auch ein 60-Hz-Panel aus.
Der 3D-Effekt wird allerdings mit einem solchen Darstellungsverfahren nur gut sichtbar, wenn wir uns direkt vor dem Monitor platzieren. Bewegen wir den Kopf zu weit nach links oder rechts, kommt es zu Artefakten und Doppelbildern und der Effekt wird zunichte gemacht. Um dem entgegenzuwirken, verbaut Lenovo im unteren Displayrand des Monitors zwei Kameras. Die können unsere Augen- und Kopfbewegungen aufnehmen und mittels Software das dargestellte Bild entsprechend anpassen.
Das Ergebnis war für uns schon beim ersten Ausprobieren beeindruckend. Der Thinkvision 27 3D kann diverse 3D-Modelle, Videos und auch Games dreidimensional anzeigen. Allerdings stellen sich nach längerem Testen diverse Probleme ein. Da wäre vorrangig die Lentikularschicht, die für den Effekt vor die eigentliche LCD-Schicht gesetzt wurde. Die erzeugt ein merklich sichtbares dunkles Raster, wodurch das eigentlich in 4K auflösende Display unschärfer und dunkler erscheint. Das merken wir vor allem, wenn wir weiße und helle Flächen anzeigen.
Das ist schade, handelt es sich beim verbauten IPS-Display doch um ein hervorragend ausgeleuchtetes und kalibriertes Panel.
Auch für professionelle Arbeiten geeignet
Lenovo hat sich beim Thinkvision 27 3D dafür entschieden, den Monitor auch für das Arbeiten im zweidimensionalen Bereich zu optimieren. Das verbaute IPS-Panel kann definitiv überzeugen. Mit durchschnittlich 282 cd/m² und einer in HDR maximal erreichten Helligkeit von 345 cd/m² ist der Monitor zwar nicht der am hellsten leuchtende auf dem Markt.
Allerdings sollte in den meisten Büroumgebungen die Helligkeit ausreichen, zumal die Farbkalibrierung exzellent ist. Wir messen im Adobe-RGB-Profil, einem von drei vorgefertigten und im Monitor integrierten Profilen, auch 95,4 Prozent Abdeckung des entsprechenden Adobe-RGB-Farbraums. SRGB wird zu 98,9 Prozent und DCI-P3 zu 86,4 Prozent abgedeckt. Die Farbgenauigkeit Delta E von 1.33 ist zudem sehr gut und eignet sich auch für Printarbeiten und Medienprofis.
Wie schon erwähnt: Durch die Lentikularschicht erkennen wir ein schwarzes Fliegengitter, durch das weiße Farben weniger klar dargestellt werden. Ein weiteres Problem: Der Monitor ist nicht entspiegelt und die glänzende Schicht kann bei Lichteinfall uns und unseren Raum reflektieren.
Da hilft dann auch nicht, dass der Monitor an sich ein gutes Bild abliefert, das auf 27 Zoll und mit 3.840 x 2.160 Pixel Auflösung bei 60 Hz hochauflösend angezeigt wird. Der primäre Einsatzzweck sollte aber auch nicht die 2D- sondern 3D-Darstellung sein. Hier bekommen wir einige Probleme.
Um den Monitor überhaupt im 3D-Modus betreiben zu können, benötigen wir ein Gerät mit passendem USB-C-Port. Der überträgt die für die beiden Halbbilder erforderlichen Informationen. Haben wir ein Notebook oder eine Workstation mit USB-C-Port an der GPU, können wir das System mit nur einem USB-Kabel verwenden, das Display- und 3D-Informationen gleichzeitig überträgt und unser Gerät zudem mit 100 Watt auflädt.
Das haben wir mit unserem Arbeitsnotebook getestet. Allerdings konnten wir dann einige der 3D-Features nicht nutzen, da integrierte Intel-Grafikkarten nicht unterstützt werden. Kein Wunder, die sind dafür teilweise einfach zu schwach. An einem Testsystem mit Geforce RTX 4070 mussten wir ein Displayport-Kabel in die Grafikkarte und ein zusätzliches USB-Kabel in das Mainboard einstecken.
Der Monitor kann auch mittels HDMI 2.1 angeschlossen werden und verfügt über zwei an der Seite erreichbare USB-A-Ports. An der Rückseite sind ein weiterer USB-C-Port für Datenübertragungen und ein USB-A-Port vorhanden. Dazu kommt RJ45 für Gigabit Ethernet. Das ist erfreulich, wenn wir Wechselmedien wie USB-Sticks oder Festplatten an den Monitor anschließen wollen. Lenovo liefert den Monitor außerdem mit einem passenden flexiblen Standfuß aus. Der lässt sich um 155 mm in der Höhe verstellen, um 90 Grad schwenken und um 40 Grad neigen.
Die meisten dieser Features bekommen wir bei wesentlich günstigeren Monitoren, unter anderem beim herkömmlichen Thinkvision T27p-10 mit 4K-Panel(öffnet im neuen Fenster) für etwa 600 Euro. Dafür müssen wir keinen teuren 3D-Monitor kaufen, der uns obendrein Kopfschmerzen bereitet.
Auf den ersten Blick spannend, auf den zweiten Blick Kopfschmerzen
Schalten wir den Thinkvision 27 3D zum ersten Mal an und schauen uns 3D-Modelle in der separaten Lenovo-Software an, staunen wir erst mal. Der Effekt überzeugt durch eine realistische Tiefe und lässt 3D-Modelle aus dem Bildschirm herausspringen. Möglich wird das nicht nur durch das Panel selbst, sondern auch durch die passende 3D-Software, genannt 3D Explorer(öffnet im neuen Fenster) .
Die müssen wir uns über die passende Lenovo-Supportseite zunächst herunterladen. Nur wenn wir die 3D-Umgebung starten, können wir Inhalte in 3D betrachten. Nach dem Start der Software bekommen wir ein Dashboard präsentiert. Hier gibt uns Lenovo Zugang zu diversen Plugins und Tools für das Arbeiten mit dem 3D-Display.
Modelle in 3D ansehen
Da wäre etwa die App 3D Master. Hier können wir diverse 3D-Modelle anzeigen und sie von allen Seiten betrachten. Wir können diverse Formen von 3D-Objekten importieren, etwa .STL, und .OBJ-Dateien. Haben wir ein passendes Objekt ausgewählt, startet die App in den Vollbildmodus und in 3D. Hier können wir das Objekt mit dem dem Mauszeiger drehen und es aus verschiedenen Winkeln beleuchten.
Praktisch sind auch Tools wie das Lineal, mit dem sich die Länge zwischen zwei Punkten auf der Oberfläche des Modells abmessen lässt. Mit dem Stift können wir bestimmte Stellen temporär markieren, wenn wir das Objekt in einer Präsentation zeigen wollen. Dafür gibt es übrigens auch ein Microsoft-365-3D-Plugin. Hier können wir 3D-Modelle im 3D-Modus in Powerpoint oder Word anzeigen. Klingt praktisch, oder?
Allerdings hat das ganze Konzept ein paar Probleme. Erstens können wir innerhalb der 3D-Master-App 3D-Modelle nur betrachten und sie ausmessen. Wir können sie allerdings nicht bearbeiten. Dafür gibt es ein separates Plugin für 3D-Modeling-Programme wie etwa Blender, 3Ds Max und Maya. Zumindest das Blender-Plugin hat bei uns aber nicht funktioniert. Es ist uns also nicht möglich, 3D-Modelle auch in 3D zu bearbeiten, was einen großen Teil eines 3D-Displays ausmachen sollte.
Zweitens beschränkt die Eye-Tracking-Technik des Lenovo-Monitors die Zahl der User, die den 3D-Effekt überhaupt sehen können. Die Kameras richten sich immer nur auf eine Person aus. Alle anderen User sehen ein verschwommenes Bild oder Doppelbilder und können daher nicht voll von 3D-Präsentationen oder angezeigten Objekten profitieren.
Die Bearbeitung von Material im 3D-Modus ist eingeschränkt, wenn wir nicht gerade die Plugins für Creo und Maya verwenden – Programme, die weitere Kosten nach sich ziehen. Generell führen viele Verknüpfungen im 3D-Explorer zu externen Applikationen, die weiteres Geld kosten – fast schon wie eine Art Mini-App-Store für 3D-Apps. In Blender konnten wir den 3D-Modus nicht zum Laufen bekommen, auch nicht über den im Programm eingebauten stereoskopischen Viewport.
3D in Games und Filmen
Lenovo bietet zwei weitere Features an, die interessant wirken. Zum einen gibt es einen 2D-to-3D-Konverter. Diese KI-gestützte App kann ein angezeigtes Bild im Vollbildmodus von 2D in 3D umwandeln. Das funktioniert mit Filmen und Videos auf Plattformen wie Netflix und Youtube ziemlich gut, nicht aber in Blender, Photoshop und anderen Apps.
Es ist zudem nicht ratsam, den KI-Konverter in Games zu benutzen. Die Bildraten fallen selbst bei leistungsfähigen Grafikkarten wie der Geforce RTX 4070 in unspielbare Regionen von 1 fps und weniger. Für diesen speziellen Fall hat Lenovo den Game Mode als separates Tool entwickelt. Der wandelt angezeigte Spiele von 2D in 3D um – eine coole Idee, die Lust auf mehr macht. Allerdings funktioniert das Ganze einmal mehr nicht sehr gut.
Die Software ist einfach zu träge, um schnell wechselnde Frames klar darzustellen. Dadurch sehen wir permanent zwei leicht versetzte Bilder übereinander und der 3D-Effekt wirkt verwaschen und unscharf. Gleiches ist der Fall, wenn wir das KI-Plugin in Videoszenen nutzen, in denen schnelle Szenenschnitte zu sehen sind. Dann sehen wir stets ein Geisterbild der vorangegangenen Szene, die sich ablenkend über das eigentliche Bild legt.
Dazu kommt, dass wir nach längerem Betrachten von 3D-Inhalten Kopfschmerzen bekommen. Davor warnt Lenovo explizit auch und rät zu regelmäßigen Pausen – kein guter Verkaufspunkt für den Monitor.
Alles in allem können wir sagen: Die Idee eines 3D-Monitors ist auf den ersten Blick cool und macht Lust auf mehr. Durch mangelhafte Softwareunterstützung und fehlerhafte Apps sehen wir den Sinn des absurd teuren Displays aber noch nicht – zumal wir für 3D-Arbeiten einfach ein wesentlich günstigeres VR-Headset kaufen können.
Wenn Lenovo und andere Hersteller aber an der Software arbeiten und Eye-Tracking-Technik mehr als eine Person verfolgen kann, könnte sich für diese Monitore ein interessanter Nischenmarkt etablieren.
Lenovo Thinkvision 27 3D – Verfügbarkeit und Fazit
Lenovo bietet den Thinkvision 27 3D aktuell über Reseller an. Die verkaufen den Monitor ab aktuell etwa 2.550 Euro. Viel Geld für einen Monitor.
Allerdings ist das System mit dem 3D-Display relativ allein auf dem Markt. Acer bietet mit dem DS2 einen 27-Zoll-Monitor für 2.500 Euro, jedoch ohne die Lenovo-Software. Wer ein 3D-Display braucht, hat also wenig Alternativen und zahlt viel Geld.
Fazit
Die Idee hinter dem Thinkvision 27 3D ist interessant. Mit einem 3D-Panel lassen sich 3D-Objekte noch interessanter und immersiver präsentieren. Außerdem kann es mehr Spaß machen, wenn wir Filme und Spiele in der dritten Dimension genießen.
Allerdings leidet das System unter nicht ganz ausgereifter Technik, die durch die unfertige Software in den wenigsten Situationen wirklich überzeugen kann. So ist es möglich, 3D-Modelle anzuschauen, nicht aber, sie zu editieren oder mit Texturen zu versehen. Dazu benötigen wir stets weitere kostenpflichtige Software und passende Plugins, die im Falle von Blender nicht funktionieren will.
Generell bereitet der 3D-Modus auch in Spielen und Videos teilweise wenig Freude, da die Software schnell ändernde Frames nicht schnell genug umwandeln kann. Dadurch entstehen Geisterbilder, Doppelbilder und andere Artefakte, die das gesamte Bild verwaschen lassen. Darüber hinaus kann immer nur eine Person mittels Eye Tracking den 3D-Effekt richtig sehen. Alle anderen Zuschauer sehen verschwommene Bilder.
Dennoch ist der Monitor an sich eine solide Plattfom: Die Farbabdeckung ist sehr gut, die Ausleuchtung für die meisten Büroumgebungen ausreichend. Außerdem gibt es eine solide Auswahl an USB-Anschlüssen, HDMI und Displayport, um daran diverse Computer und Peripheriegeräte zu betreiben. Allerdings wird das Panel durch die stark spiegelnde und mit sichtbarem Fliegengitter versehene Lentikularschicht heruntergezogen. Die ist eben für den 3D-Effekt notwendig.
Die wenigsten Menschen werden einen sinnvollen Nutzen für das 3D-Feature finden. Die meisten werden für den Preis mit einem – oder zwei – sehr guten traditionellen Monitoren glücklicher.
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