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Thinkphone-Windows ausprobiert: Motorola bringt Cloud-Windows aufs Thinkphone

Ifa 2023
Desktop-Oberflächen auf Smartphones sind praktisch – ein komplettes Windows 11 aus der Cloud noch mehr. Motorolas Thinkphone erlaubt jetzt die Nutzung von Windows 365.
/ Tobias Költzsch
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Sudhir Chadaga zeigt Windows 365 über das Thinkphone. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Sudhir Chadaga zeigt Windows 365 über das Thinkphone. Bild: Martin Wolf/Golem.de

Motorolas Business-Smartphone Thinkphone unterstützt seit kurzem(öffnet im neuen Fenster) Microsofts Cloud-Dienst Windows 365. Nutzer des Smartphones können damit einen virtuellen Windows-11-PC über das Smartphone nutzen – benötigt wird nur eine Internetverbindung, ein Monitor und ein USB-C-Kabel, das Videoübertragung unterstützt (oder ein passender Adapter). Golem.de hat sich die Lösung im Rahmen der Ifa 2023 angeschaut.

Hintergrund der Kooperation zwischen Motorola, das zu Lenovo gehört, und Microsoft ist, das Thinkphone den Kunden im B2B-Bereich noch schmackhafter zu machen. Motorola will zum einen bei der Kundengewinnung Synergien mit Lenovo nutzen, wie uns Chief Strategy Officer Sudhir Chadaga im Gespräch erklärt. Die Möglichkeit, einen kompletten Windows-PC über das Thinkphone nutzen zu können, soll mögliche Kunden zusätzlich überzeugen.

Die Nutzung von Windows 365 über das Thinkphone ist denkbar einfach, wie Chadaga uns zeigt: Er steckt das Thinkphone in eine USB-C-Dockingstation, die mit einem passenden Monitor verbunden ist. Nach wenigen Sekunden erscheint die bekannte Oberfläche von Windows 11, die sich wie auf einem richtigen PC verwenden lässt und in der uns gezeigten Demo flüssig läuft.

Komplettes Windows 11 statt Smartphone-Oberfläche

Die Virtualisierung eines kompletten Windows-Systems unterscheidet die Kooperation zwischen Motorola und Microsoft von anderen Desktop-Oberflächen wie etwa Samsungs DeX: Dort bekommen Nutzer eine Oberfläche angezeigt, die auf dem Smartphone installiert ist und dort erzeugt wird. Über DeX beispielsweise lassen sich auf dem Smartphone installierte Apps wie auf einem PC in Fenstern öffnen, was beispielsweise in einer Office-Umgebung bereits sehr praktisch ist.

Motorola zeigt Microsoft 365 auf dem Thinkphone (IFA 2023)
Motorola zeigt Microsoft 365 auf dem Thinkphone (IFA 2023) (01:42)

Noch praktischer ist es allerdings, einen echten Windows-PC verwenden zu können. Das Thinkphone dient lediglich als Schnittstelle zu Microsofts Cloud-Dienst, der über das Smartphone aus dem Internet übertragen und auf dem Monitor ausgegeben wird. Der Prozessor des Smartphones hat mit der Rechenleistung von Windows 11 nichts zu tun, er sorgt nur für die Darstellung.

Die Bandbreite des Streamings soll dabei auch für anspruchsvollere Tätigkeiten ausreichen – vorausgesetzt natürlich, dass Nutzer über eine ausreichend gute Internetverbindung verfügen. Auf dem Cloud-Windows sollen Microsoft zufolge alle bis Windows 7 kompatiblen Apps laufen.

Lenovo Thinkphone – Hands on (CES 2023)
Lenovo Thinkphone – Hands on (CES 2023) (01:40)

Über Bluetooth können Thinkphone-Nutzer eine Tastatur und eine Maus mit ihrem Smartphone verbinden. Diese lassen sich dann im virtuellen Windows 11 so wie auf einem echten PC verwenden.

Das Thinkphone als Laptop-Ersatz?

Ob Thinkphone-Nutzer tatsächlich etwa auf Reisen komplett auf ein Notebook verzichten und stattdessen das virtuelle Windows verwenden können, dürfte von den Umständen abhängen. Wer weiß, dass zum Beispiel in einem Hotel ein vernünftiger und von den Anschlüssen zugängiger Monitor vorhanden ist, dürfte keine Probleme haben. Wenn man allerdings nicht weiß, ob tatsächlich ein Monitor vorhanden ist und man daher etwa ein kleines, mobiles Display mitnehmen muss, wäre ein Laptop genauso sinnvoll.

Für Unternehmen könnte sich das Windows 365 über ein Smartphone wie das Thinkphone lohnen, wenn jeder Mitarbeiter ein Gerät verwendet und an den Arbeitsplätzen nur noch Monitore stehen. Letztlich müssten die monatlichen Kosten mit den Kosten gegengerechnet werden, die bei der Anschaffung von echten PCs anfallen.

Motorola bedient sich bei der Integration an den bestehenden Preisplänen(öffnet im neuen Fenster) für Windows 365. Diese bieten nach monatlichen Kosten gestaffelt virtuelle Computer mit zwei bis vier vCPUs, vier bis 16 GByte Arbeitsspeicher und 128 GByte Speicher. Windows 365 kann direkt bei Microsoft bestellt und über normale Laptops verwendet werden; die preiswerteste Variante kostet dann 31,30 Euro pro Monat und Nutzer, die mittlere Ausstattungsvariante 41,40 pro Monat und Nutzer.

Die Premiumversion kostet 66,70 Euro pro Monat und Nutzer. Inwieweit diese Kosten in Motorolas B2B-Plänen für das Thinkphone eingehen, kommt darauf an, über welchen Anbieter, unter welchen Konditionen und in welcher Anzahl die Geräte bestellt werden. Gedacht ist das Thinkphone mit Windows 365 für den B2B-Bereich und nicht für Privatkunden.


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