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Thinkphone im Hands-on: Das Thinkpad für die Jacketttasche

CES 2023
Sieht aus wie ein Thinkpad und arbeitet top mit ihm zusammen: Motorolas Business- Smartphone Lenovo Thinkphone kommt mit guter Soft- und Hardware und ist überraschend kompakt.
/ Tobias Költzsch
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Das Lenovo Thinkphone von Motorola (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Das Lenovo Thinkphone von Motorola Bild: Martin Wolf/Golem.de

Mit dem Lenovo Thinkphone hat Motorola auf der CES 2023 ein Smartphone vorgestellt, das sich explizit an Geschäftskunden wendet. Das Smartphone kommt nicht nur im Design des Thinkpad X1 Carbon, sondern soll sich auch besonders gut mit Lenovos Notebooks nutzen lassen. Golem.de hat sich das Smartphone auf der Messe angeschaut und mit einem Thinkpad verwendet.

Das Gehäuse des Thinkphones ist aus Aluminium, die Rückseite aus Kohlenstofffaser. Die Verarbeitung des Smartphones ist sehr gut, das Gerät ist mit knapp über 8 mm auch nicht besonders dick. Trotz des mit 6,6 Zoll nicht sonderlich kleinen OLED-Displays mit Full-HD-Auflösung macht das Thinkphone einen überraschend kompakten Eindruck. Der Bildschirm hat eine gute Schärfe und kräftige Farben.

Im Inneren des Smartphones steckt ein Snapdragon 8+ Gen1 - also Qualcomms aktuell zweitstärkstes Oberklasse-SoC. Android 13 läuft in unserem kurzen Test sehr flüssig, Apps laden schnell und problemlos. Das Thinkphone gibt es wahlweise mit 8 oder 12 GByte Arbeitsspeicher. Auf der linken Seite ist ein roter Knopf eingebaut, der als Shortcut zu Apps oder Systemfunktionen programmiert werden kann.

Kamera mit 50 Megapixeln

Auf der Rückseite ist eine Dualkamera eingebaut, deren Hauptkamera 50 Megapixel hat. Die zweite Kamera hat ein Superweitwinkelobjektiv und 13 Megapixel. Die Bildqualität ist auf den ersten Blick in Ordnung, ohne besonders herauszuragen. Das Thinkphone ist allerdings als Business-Gerät geplant, weshalb es nicht überraschend ist, dass auf der Kamera keine allzu hohe Priorität liegen dürfte.

Interessant ist das Thinkphone vor allem im Zusammenspiel mit einem Thinkpad-Notebook. Lenovo erklärte bei der Vorstellung des Gerätes, dass Nutzer über ihr Notebook auf Funktionen und Apps des Thinkphones zugreifen könnten. Dies funktioniert über ein Windows-Programm, das drahtlos das Thinkphone erkennt und sich mit dem Smartphone verbindet.

Dann können wir unter anderem verschiedene Verbindungsmodi starten. Beispielsweise können wir die Anzeige des Thinkphones in ein Fenster unter Windows 11 spiegeln. Alle Aktionen auf dem Thinkphone spiegeln sich dann auch auf dem Thinkpad wider und umgekehrt: Mit der Maus unter Windows können wir auch das Smartphone bedienen und etwa Apps ausführen. Die Qualität der Spiegelung ist in Ordnung, allerdings in unserem Test nicht besonders hochauflösend.

Lenovo Thinkphone - Hands on (CES 2023)
Lenovo Thinkphone - Hands on (CES 2023) (01:40)

Ein zweiter Modus startet das Thinkphone als Desktopmodus unter Windows 11. Dann können wir auf die Inhalte des Smartphones zugreifen, dafür aber eine besser für die Mausbedienung geeignete Umgebung verwenden. Ein dritter Modus ähnelt der Spiegelung des Thinkphones, die Version unter Windows 11 lässt sich allerdings unabhängig vom Smartphone verwenden. So können wir auf dem Thinkphone selbst etwas anderes anzeigen lassen als auf der virtuellen Kopie auf dem Thinkpad.

Android-Apps ohne Installation auf Thinkpad nutzbar

Über das Verbindungsprogramm können wir auch direkt Android-Apps unter Windows ausführen, die auf dem Thinkphone gespeichert sind. Diese werden nicht unter Windows 11 installiert und haben nichts mit dem Windows-Subsystem für Android (WSA) zu tun; stattdessen werden sie gespiegelt. Über einen App-Launcher können wir auf alle auf dem Thinkphone installierten Apps zugreifen.

Benachrichtigungen auf dem Thinkphone erscheinen auch auf dem Notebook, die dazu gehörenden Apps lassen sich direkt starten. So können wir beispielsweise auf eine Chat-Nachricht über die jeweilige App reagieren, ohne dass wir das Thinkphone aus der Tasche ziehen müssen.

Interessant im Geschäftsbereich könnte auch die Möglichkeit sein, das drahtlos verbundene Thinkphone als Webcam zu verwenden. Auch dies lässt sich einfach über eine Schaltfläche aktivieren und funktioniert wie alle anderen Verbindungsoptionen reibungslos.

Fazit

Das Thinkphone macht nicht nur äußerlich einen guten ersten Eindruck, auch die Hardware ist leistungsfähig. Die Kamera kann auf den ersten Blick nicht mit der aktueller Oberklasse-Smartphones mithalten, macht aber durchschnittlich gute Fotos. Da es sich bei dem Thinkphone um ein Business-Smartphone handelt, halten wir das für vertretbar.

Dafür punktet das Thinkphone in für die geschäftliche Nutzung wohl wichtigeren Bereichen: Leistungsfähigkeit und Software. Die Verbindung mit einem Thinkpad funktioniert in unserem Test reibungslos, die verschiedenen Verbindungsmöglichkeiten sind praktisch.

Das Thinkphone soll ein reines Business-Smartphone werden - ob es einen Verkauf an Privatnutzer geben wird, ist unklar. Im Geschäftsbereich könnte Motorola mit dem Smartphone aber durchaus Erfolg haben - vor allem, wenn das Thinkphone mit einem Thinkpad als Geschäftsangebot gekoppelt wird. Was das Thinkphone kosten werde, teilte Lenovo noch nicht mit.


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