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Thinkpad X270 im Test: Lenovos neuer alter Klassiker hat es immer noch drauf

Alt und schwer sieht es schon aus, das Thinkpad X270 – ganz wie ein Notebook aus den frühen 2000er Jahren. Doch steckt darin ein sehr funktionales Gerät, das durch viele Anschlüsse, eine exzellente Tastatur und den austauschbaren Akku überzeugt.
/ Oliver Nickel
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Das schwere X270 hat einen dicken, austauschbaren Akku. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Das schwere X270 hat einen dicken, austauschbaren Akku. Bild: Martin Wolf/Golem.de

Eine in dunklem Grau gehaltene und rau texturierte Oberfläche überzieht das große und schwere Gehäuse. Aus der Mitte der Tastatur mit ihren charakteristischen eingewölbten Tasten ragt der knallrote Trackpoint. Ganz klar: Das Thinkpad X270 ist wieder ein klassisches Lenovo-Business-Notebook. Das bedeutet, dass das antiquierte Aussehen täuschen dürfte: Die Thinkpads sind traditionell extrem funktionale Geschäftsnotebooks, die einiges mehr bieten als die Konkurrenz in diesem Preissegment.

Lenovo Thinkpad X270 – Test
Lenovo Thinkpad X270 – Test (02:06)

Schon der erste Blick auf das Gerät lässt hoffen, dass auch das neue Modell in dieser Hinsicht nicht enttäuschen wird. Die Auswahl an Anschlüssen ist groß, das Gehäuse ist offensichtlich gut verarbeitet und schon das erste Probetippen auf der Tastatur ist eine Freude: So muss sich ein Office-Notebook anfühlen!

Gut verarbeitetes Gehäuse

Unser Testgerät ist die weniger leistungsstarke Core-i5-Version mit 8 GByte Arbeitsspeicher und 256-GByte-SSD, die rund 1.600 Euro kostet. Das Display nutzt IPS-Technik und hat eine Full-HD-Auflösung sowie einen 72-Wattstunden-Akku.

Die Verarbeitungsqualität des Notebooks ist exzellent. Das Gehäuse aus rau texturiertem Kunststoff fühlt sich hochwertig an. Dieses Material hat auch den Vorteil, dass Kratzer und Flecken kaum sichtbar sind. Das Gehäuse ist sehr stabil und gibt selbst unter Biegen und Drücken nur wenig nach. Das sehen wir auch an den Displayscharnieren. Diese sind aus Metall gefertigt und halten den Deckel fest in Position. Sehr schön: Der Bildschirm lässt sich wie bei anderen Thinkpads um 180 Grad neigen.

Allerdings ist das Gerät mit seinem 12,5-Zoll-Display größer und schwerer als so manche 14-Zöller, beispielsweise der von uns kürzlich getestete Asus B9440 . Es misst 305,5 x 208 x 20,3 mm und wiegt 1.602 Gramm. Das sperrige Gehäuse hat aber durchaus Vorteile: Es schafft Platz für eine große Vielfalt an Anschlüssen.

Anschlüsse für Maus, Tastatur und Netzwerkkabel

An der Hauptplatine befinden sich zwei USB-A-Ports mit USB-3.0-Geschwindigkeit, ein USB-Typ-C-3.1-Gen1-Anschluss, ein HDMI-Port, ein SD-Kartenleser und eine Gigabit-Ethernet-RJ45-Buchse. Am USB-Typ-C-Port konnten wir erfolgreich per Displayport-Adapter einen 1.080p-Monitor, jedoch keinen 4K-Bildschirm betreiben. Außerdem lässt sich das Gerät mit seinem Docking-Port auf der Rückseite an eine passende Station anschließen, die die Anschlüsse noch einmal erweitert. Von dieser Vielseitigkeit könnten sich andere Business-Notebooks etwas abschauen.

Im großen Gehäuse finden auch ein fest verbauter Akku und ein außergewöhnlich großer austauschbarer Akku Platz.

Den Akku im Betrieb wechseln zu können, ist ein Segen

Lenovo setzt bei seinem X270 auf ein außergewöhnliches Konzept mit einem fest verbauten und einem leicht austauschbaren Akku. Beim Bestellprozess konnten wir ein separates Pack auswählen. Wir haben uns für unser Testmodell gleich für den stärksten Energiespeicher mit 72 Wattstunden entschieden. In Kombination mit dem fest verbauten 24-Wh-Energiespeicher kommen wir auf 96 Wattstunden. Das ist sehr viel für ein solches Notebook.

Das macht sich auch in unseren Laufzeittests bemerkbar, bei denen wir bereits im Benchmark Powermark in der Voreinstellung Productivity 14 Stunden gemessen haben. Der integrierte Akku kommt im gleichen Test auf 3 Stunden und 46 Minuten. Dieser Test simuliert durchgängige Büroarbeiten, darunter Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Bildbearbeitung. Das Ergebnis an sich ist schon sehr gut, die von Lenovo auf dem Datenblatt versprochenen 21 Stunden erreichen wir jedoch bei weitem nicht.

Interessant ist auch das Ergebnis von PCMark 8 in der Einstellung Home Conventional, bei der leistungsintensivere Anwendungen wie Gelegenheitsspiele und Videochat getestet werden. Das X270 hält diesen Benchmark für 9 Stunden und 45 Minuten durch. Das X270 ist also auch unter Last sehr lange autark – allerdings auch hier nicht so lange wie erwartet.

Auch unter Last angenehm leise

Dafür läuft das Gerät immer angenehm leise. Der Lüfter dreht niemals störend laut auf. Auch ein Spulenfiepen können wir weder beim Laden noch im Akkubetrieb wahrnehmen. Das ist bei vielen anderen Thinkpads, etwa dem preisgünstigen X121e, nicht gegeben.

Das eigentlich Besondere an der Doppelakkulösung ist, dass wir während des laufenden Betriebs einfach das Akkupack wechseln können. Damit können wir in der Theorie extrem lange Laufzeiten des Notebooks erreichen, solange wir zusätzliche, aufgeladene – allerdings auch schwere – Akkus dabeihaben.

Eine weitere Besonderheit des Geräts ist die typische Thinkpad-Tastatur.

Ich will nur diese Tastatur!

Die Tastatur hat sich genauso wenig verändert wie das altbackene Design, wofür wir allerdings dankbar sind: Sie ist großartig. Jede einzelne Taste ist leicht gewölbt und passt sich beim Tippen angenehm den Fingern an. Der Anschlag ist angenehm weich und der Kraftaufwand beim Drücken spürbar, aber gering. Das wird durch die Scissor-Technik unter den Tastenkappen erreicht.

Auch wenn wir mit zehn Fingern schreiben, gelangen wir mit Leichtigkeit an alle Tasten. Einzig die FN-Taste ist mit der Strg-Taste vertauscht. Wir können diese beiden Tasten jedoch im Bios umstellen.

Zwei Kritikpunkte haben wir dennoch: Es fällt uns auf, dass Buchstaben und Symbole auf den Tasten nur dick aufgedruckt sind. Nach einigen Jahren könnten sich die Zeichen abnutzen. Außerdem ist die Tastatur in unserer Konfiguration nicht beleuchtet, was angesichts des Preises schon ein Nachteil ist. Die Beleuchtung kann aber optional für etwa 35 Euro dazubestellt werden.

Der Trackpoint macht das Touchpad fast überflüssig

Ebenfalls wieder dabei und wieder ein großes Plus sind der Trackpoint und die dazugehörigen Tasten oberhalb des Touchpads. Damit können wir die Maus bedienen, ohne die Finger von der Tastatur nehmen zu müssen. Nach ein wenig Eingewöhnung ist die Bedienung sehr präzise.

Wir benutzen daher das Touchpad kaum, das für sich genommen von durchschnittlich guter Qualität ist. Durch die oberen Tasten ist es etwas klein und der Druckpunkt der integrierten Maustasten ist etwas schwammig und tief. Multitouch-Gesten funktionieren aber flüssig und zuverlässig.

Weniger begeistert als von Tastatur und Akkukonzept sind wir vom Display des X270. Auch die Leistung ist zwar in Ordnung, aber nicht exzellent.

Leistung und Display sind okay

Das X270 wird mit zwei verschiedenen matten Displays verkauft. Unsere Version hat ein IPS-Panel mit Full-HD-Auflösung. Das preiswertere HD-Ready-Display mit der meist weniger leuchtstarken TN-Technik dürfte sich kaum lohnen, denn selbst das IPS-Display erreicht in unseren Messungen nur eine Helligkeit von durchschnittlich 305 Candela pro Quadratmeter. Für den Einsatz in Innenräumen ist das zwar mehr als genug, doch werden Bilder unter Sonneneinstrahlung schnell schlecht erkennbar. Maximal messen wir eine Lichtstärke von 312 cd/m2. Wir können das Display unseres Testgerätes als durchschnittlich gut, aber nicht überragend bezeichnen.

Am Deckel befinden sich die Webcam und die IR-Kamera, mit der wir uns am Windows-10-Pro-Betriebssystem per Windows Hello anmelden können. Außerdem verfügt das X270 über einen Fingerabdrucksensor für den gleichen Zweck. Das funktioniert gut und vereinfacht den Anmeldeprozess, macht ihn aber nicht sicherer. Der verbaute Smartcard-Slot kann die Sicherheit erhöhen, aber auch abbestellt werden.

Schnelle SSD, eher langsamer RAM

Innerhalb unseres Testgerätes arbeitet ein Intel-Core-i5-7200U-Prozessor. Mit seinen zwei Kernen und 2,5 GHz Basistakt ist er für Büroarbeiten vollkommen ausreichend. Unsere Konfiguration hat außerdem eine M.2-SSD mit 256 GByte Speicher und 8 GByte DDR4-Arbeitsspeicher verbaut. Jedoch ist die Grafikleistung etwas unter dem Durchschnitt von vergleichbaren Geräten.

Wir finden nach dem Aufschrauben des Gehäuses auch die Antwort darauf: Das Notebook verfügt nur über einen SO-DIMM-Slot für Arbeitsspeicher. Dementsprechend läuft er im Single-Channel-Modus und damit nicht so schnell wie zwei parallel laufende Speichermodule. Das wirkt sich auch auf den Grafikchip aus, der den RAM als Videospeicher nutzt. Andererseits fällt das in Office-Anwendungen und beim Surfen nicht spürbar ins Gewicht.

Leistung lässt sich erfreulich gut erweitern

Beim Betrachten des Innenlebens stellen wir fest, dass sich das Notebook sehr gut eigenen Wünschen anpassen lässt. Bis auf das System-on-a-Chip mit CPU und Grafikeinheit lassen sich Komponenten wie RAM-Riegel, die Intel-8265-2x2-ac-WLAN-Karte und das LTE-Mobilfunkmodul von Fibocom austauschen. Letzteres erreicht in der Theorie Datenraten von 150 MBit/s. Im Slot ist eine nicht funktionale Micro-SIM-Karte vorinstalliert, die wir auch als Adapter für eine Nano-SIM-Karte benutzen können. Dabei sind alle Komponenten gut erreichbar und lassen sich leicht aus- und wieder einbauen – sehr gut!

Statt der vorinstallierten M.2-SSD, in diesem Fall die Samsung PM961, können wir sogar ein beliebiges Modell im 2,5-Zoll-Formfaktor verbauen. Die verbaute SSD ist jedoch überdurchschnittlich schnell: Fast 730 MByte pro Sekunde im sequenziellen Lesen und 840 MByte pro Sekunde im sequenziellen Schreiben sind sehr gute Werte. Lenovo hat den Samsung-NVMe-Treiber nicht vorinstalliert, der einige Probleme beim Verarbeiten von 4K-Blöcken behebt.

Das muss doch kleiner gehen!

Dass die Komponenten austauschbar sind, ist sicher ein großer Vorteil des sperrigen Gehäuses. Doch auch dafür müsste das Gerät unserer Ansicht nach nicht ganz so klobig und schwer ausfallen, wie es mit seinem sehr dicken Displayrahmen und der generellen Höhe ist. Ein Blick in das Gehäuse suggeriert etwa, dass der 2,5-Zoll-Schacht hätte eingespart werden können; ein M.2-Slot hätte ausgereicht.

Dass ein ähnlich hochwertiges und vielseitiges Notebook auch schlanker gebaut werden kann, beweist etwa auch Dell mit dem XPS 13 oder Toshiba mit dem neuen Portegé X30-D .

Wir würden das schwere und sperrige Gehäuse ungern auf Reisen mitnehmen. Weniger ärgerlich wäre die Größe des Gerätes immerhin, wenn Lenovo statt eines 12,5-Zoll-Displays eines mit 13,3 oder 14 Zoll einbauen würde.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Thinkpad X270 kostet in der kleinsten Version mit 4 GByte Arbeitsspeicher und 500 GByte großer HDD 1.230 Euro. Unser Testmodell ist mit etwa 1.600 Euro nicht billig, aber die erste eigentlich sinnvolle Option mit Full-HD-Display, Core i5, 8 GByte RAM und 256-GByte-SSD. Für etwa 2.100 Euro gibt es 512-GByte-SSD-Speicher und einen Core-i7-Prozessor für bessere CPU-Leistung.

Fazit

Lenovo liefert mit dem Thinkpad im Guten wie im Schlechten mehr vom altbekannten Thinkpad-Konzept ab. Das Gehäuse unseres Testmusters ist unnötig klobig und schwer, aber an allen Stellen sehr sauber verarbeitet. Außerdem finden daran zwei USB-A-Anschlüsse, ein USB-Typ-C-Anschluss, ein HDMI-Ausgang und sogar eine RJ45-Buchse und ein Mobilfunkmodul Platz. Das Gerät kann mit dem auf der Rückseite liegenden Docking-Anschluss an eine passende Station angeschlossen werden, was die Anschlussvielfalt noch erhöht.

Auch sehr gut ist das Akkukonzept. Das Notebook hat einen fest verbauten und einen austauschbaren Energiespeicher integriert, der auch im laufenden Betrieb ausgewechselt werden kann. In unseren Tests erreicht das Gerät mit diesem Konzept eine sehr gute Akkulaufzeit von fast zehn Stunden unter Last und 14 Stunden und 30 Minuten unter leichter Last – allerdings weniger als von Lenovo versprochen.

Die Tastatur ist wie gewohnt exzellent. Die Tasten sind ergonomisch geformt und haben einen angenehm weichen Druckpunkt. Der charakteristische Trackpoint ist auch bei diesem Modell verbaut. Nach ein wenig Eingewöhnung nutzen wir ihn lieber als das durchschnittlich gute Touchpad, das etwas zu klein ist.

Das System ist mit seinem Core-i5-Prozessor angenehm schnell und reicht für Büroarbeiten völlig aus. Ein Manko ist der einzelne DDR-4-RAM-Riegel, der im Single-Channel-Modus etwas langsamer arbeitet. Dafür ist die verbaute SSD sehr schnell. Alle Teile mit Ausnahme des Prozessors und der Grafikeinheit können auch durch andere Komponenten getauscht werden.

Das Display ist matt und mit 305 cd/m2 durchschnittlich, aber nicht überragend ausgeleuchtet.

Lenovos Thinkpad X270 hat insgesamt ein exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis. Wer es kauft, sollte es aber wenig unterwegs nutzen wollen – oder einen gesunden Rücken haben.


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