Thinkbook Plus Gen6 Rollable im Test: Auf die Länge kommt es an, oder?
Als Hersteller von OLED-Panels erste Konzepte mit flexiblen Displays zeigten, fragten wir uns: Welche Konzepte werden es wohl in praktische und reale Produkte schaffen? Neben dem Foldable-Formfaktor und einigen biegbaren Monitoren kam einige Zeit lang nicht viel. Und dann stellte Lenovo auf der CES 2025 einen Laptop (Hands-on) vor, dessen Display nach oben ausfährt und so ein Display im Hochkantformat preisgibt: das Thinkbook Plus Gen6 Rollable.
Als wir es zum ersten Mal ausprobierten, sahen wir den praktischen Nutzen eher skeptisch. Nun konnten wir Lenovos skurrilen Laptop gründlicher testen. Tatsächlich finden wir Gefallen daran, ein für Multitasking gut geeignetes Display im kompakten und tragbaren Format zu nutzen. Vor allem aber beeindruckt uns die Qualität des Displays, das eine beachtliche Farbabdeckung vorweist und einige nervige Eigenheiten von OLED behebt.
| CPU | Intel Core Ultra 7 258V (4P/4E, 17 Watt) |
|---|---|
| GPU | integriert (Intel Arc 140V) |
| RAM | 32 GByte DDR5 SODIMM (integriert) |
| SSD | 1-TByte-NVMe-SSD (Samsung MZ-Series) |
| Anschlüsse | 2x USB-C (Thunderbolt 4) |
| Display | 14" (35,6 cm) POLED (2.000 x 1.600 Pixel, 120 Hz) oder16,7" (42,42 cm) POLED (2.000 x 2.350 Pixel, 120 Hz) |
| Maße | 303,5 x 230,6 x 14,1 mm, 1,69 kg |
| Preis | 3.560 Euro (Testmuster) |
Auffällig ist das Thinkbook Plus Rollable allemal. Per Knopfdruck rollt sich das Panel nach oben auf. Dieses Hochkantformat wirkt befremdlich und irgendwie auch lustig. In der Praxis kommt es aber tatsächlich auf die Länge an, da wir bequem mehrere Applikationen übereinander oder quasi die doppelte Anzahl an Quelltext gleichzeitig anzeigen können.

Der Rollmechanismus funktioniert dabei stets zuverlässig. Es dauert etwa zehn Sekunden, bis wir unseren Laptop ausgefahren haben. Auch hat Lenovo einen Sicherheitsmechanismus verbaut. Wird der Mechanismus blockiert, etwa durch ein Kabel zwischen Display und Chassis, fährt das Panel automatisch in die vorherige Position zurück. Das soll Schäden verhindern.
100 Prozent Farbabdeckung
Ein Nachteil dieser Technik: Lenovo ist gezwungen, ein nur dünn beschichtetes POLED-Panel zu verbauen. Schon kleine Fremdkörper und Kratzer können permanente Schäden hinterlassen. Wir müssen den Laptop deshalb mit größerer Vorsicht verwenden. Dafür bekommen wir aber eines der am besten kalibrierten Displays in einem mobilen Gerät geliefert.
In unseren Messungen erreicht das Panel 100 Prozent in SRGB, Adobe RGB und DCI-P3. Außerdem hat Lenovo das für Medienarbeiten nervige Auto-Dimming des OLED-Panels abgeschaltet. Es leuchtet also gleichmäßig hell – unabhängig von den angezeigten Inhalten. Generell ist auch die Ausleuchtung solide. Wir messen im Schnitt 386 cd/m². Das reicht für die meisten Innenraumbeleuchtungen aus. In Außenbereichen lässt sich das Panel aber nicht mehr so gut ablesen.
Fährt das Display in den Hochkantmodus aus, wird eine Auflösung von 2.000 x 2.350 Pixeln im vorinstallierten Windows 11 eingestellt. Das entspricht einem Seitenverhältnis von etwa 5 zu 5,9. Im eingefahrenen Zustand nutzt das Gerät eine Auflösung von 2.000 x 1.600 Pixeln bei einem Seitenverhältnis von 5 zu 4. Wir erhalten also nicht den doppelten vertikalen Raum, sondern nur etwa 47 Prozent mehr Pixel und Fläche, was für praktische Arbeit aber merklich besser ist und Platz für zwei 16:9-Fenster übereinander bietet. Die Bilddiagonale verändert sich dabei von 14 auf 16,7 Zoll.
Durch den Rollmechanismus müssen einige Kompromisse beim Chassis eingegangen werden. Im ausgefahrenen Zustand ist der Laptop etwa recht kopflastig und kann leichter umkippen. Auch sind die aus Kunststoff gebauten Displayränder im Vergleich zu einem traditionellen Clamshell-Design recht dick, wodurch das Thinkbook nicht ganz so modern wirkt.
Allerdings ist das Chassis mit einer exzellenten Tastatur und einem Trackpad mit Vibrationsfeedback ausgestattet. Tippen und Scrollen macht auf dem Thinkbook sehr viel Spaß und das Chassis einen hochwertigen Eindruck. Leider geht Lenovo den Trend der Branche weiter und verbaut nur zwei USB-C-Buchsen mit Thunderbolt 4. Das ist schade.
Rein leistungsmäßig liefert der verbaute Intel Core Ultra 7 258V gute Werte. Es bleibt aber die Frage: Wer braucht das gesamte Konzept am Ende?
Wer soll das Rollable kaufen?
Gerade die CPU-Seite des Intel Core Ultra 7 258V ist in synthetischen Benchmarks sicher nicht die Referenz. Die vier P-Cores und vier E-Cores sind aber bei der Single-Core-Performance ziemlich überzeugend.
In Cinebench 2024 messen wir 122 Punkte im Single-Core, aber nur 551 Punkte im Multicore-Benchmark. Zum Vergleich: Der Apple M5 im Macbook Pro 14 (Test) kommt auf 192 Punkte im Single-Core- und 1.101 Punkte im Multicore-Benchmarks. In Geekbench 6 schafft der Intel-Chip im Thinkbook 10.347 Punkte. Er liegt damit in etwa auf dem Niveau eines älteren AMD Ryzen 7 7840U.
Die integrierte Grafikeinheit überrascht uns eher positiv, vor allem in Games. In Shadow of the Tomb Raider messen wir etwa bei einer Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln und bei niedrigen Details 55 fps. In Counter-Strike 2 sind es bei gleichen Einstellungen 107 fps. Das anspruchsvolle Cyberpunk 2077 liegt hier bei 50 fps.
Dabei ist uns ein mehr oder weniger großes Problem aufgefallen: Die Displayauflösung lässt sich in einigen Spielen und ohne Änderungen im Treiber nicht einfach so ändern. Stattdessen will Shadow of the Tomb Raider etwa die ungewöhnliche Hochkantauflösung von 2.000 x 2.350 Pixel festlegen, was natürlich wenig praktisch ist. So ganz Plug and Play ist das Rollable unter anderem deshalb noch nicht.
Der Core Ultra 7 258V ist für die meisten praktischen Anwendungen ausreichend schnell und kann gerade bei der Grafikleistung gut mithalten. Beim Thema Akkulaufzeit reiht sich das Thinkbook Rollable im Mittelfeld ein. Bei einer Verteilung von 80 Prozent leichter und 20 Prozent schwerer Last kommen wir auf 8 Stunden. Im ausgefahrenen Zustand sinkt dieser Wert um etwa 30 Minuten – weniger als erwartet. Für einen Arbeitstag reicht die Ausdauer also aus.
| Geekbench 6 GPU Single/Multi | 2.806/10.347 Punkte |
| Cinebench 2024 (Single/Multi) | 122/551 cb |
| Shadow of the Tomb Raider (FHD) fps medium/high | 55/44/33 fps |
| Counter-Strike 2 (FHD) fps medium/high | 107/90/57 fps |
| Cyberpunk 2077 (FHD) fps medium/high | 50/44/32 fps |
| Blender Benchmark (Monster-Preset) CPU/GPU | 65/322 Punkte |
| SSD-Geschwindigkeit (R/W) | 6.161/4761 MByte/s |
| Displayhelligkeit in cd/m² (Durchschnitt aus neun Zonen) | 386 cd/m² |
| Display Farbabdeckung SRGB/Adobe RGB/DCI-P3 | 100/100/100 Prozent |
| Akkulaufzeit 80/20, 200 cd/m² (Youtube 4K/Benchmark) | 8:00 Stunden |
Unter Volllast ist unser Testsystem zudem deutlich, aber nicht nervig, zu hören. Hier hat Lenovo eine solide Kühllösung verbaut. Allerdings halten wir die viele vorinstallierte Bloatware weiterhin für unnötig – vor allem bei einem so teuren Laptop.
Das Büro für unterwegs
Da stellt sich die Frage: Wer braucht ein solches Gerät? Das fragen wir uns vor allem, weil der Preis mit etwa 3.560 Euro so enorm hoch ist, dass wir uns stattdessen auch einen sehr guten anderen Laptop für 2.000 Euro und zusätzlich einen High-End-Bildschirm kaufen können.
Der Exklusivitätsfaktor des Roll-Displays ist vor allem ein Blickfang und könnte techaffine Menschen begeistern, die mit ihrem Laptop auch eine Art Statement abgeben wollen. Auch gibt es natürlich kaum einen Laptop, der im 14-Zoll-Formfaktor kompakt und auf Knopfdruck fast 17 Zoll Bildfläche bieten kann. Das kann interessant sein für Menschen, die fast ausschließlich mobil arbeiten und ihr Büro immer mitnehmen.
Dafür können wir aber auch einen mobilen Zusatzmonitor kaufen. Der ist dann vielleicht nicht so besonders und etwas uncooler. Dafür sparen wir aber eine Menge Geld ein.
Lenovo Thinkbook Plus Gen6 Rollable – Verfügbarkeit und Fazit
Aktuell bietet Lenovo das Thinkbook Plus Gen6 Rollable nicht selbst(öffnet im neuen Fenster) an. Drittanbieter wie Cyberport(öffnet im neuen Fenster) verkaufen eine Konfiguration mit 32 GByte RAM und einer 1-TByte-SSD. Das scheint auch die einzige Konfiguration sein. Der Laptop kostet dort knapp 3.550 Euro.
Fazit
Lenovo hat mit dem Thinkbook Plus Gen6 Rollable ein doch recht skurriles Konzept in ein wirklich sehr gutes und praktisch nutzbares Gerät verwandelt. Vor allem das OLED-Display weiß uns mit einer perfekten Farbabdeckung und soliden Ausleuchtung zu überzeugen.
Und dann macht es einfach Spaß, auf einem großen Hochkant-Display mit mehreren Fenstern übereinander zu arbeiten. Der praktische Mehrwert ist, auch durch die sehr gute Tastatur- und Trackpad-Kombination, definitiv gegeben – auch, wenn der Laptop ausgefahren ein wenig unförmig aussehen mag.
Allerdings gehen wir hier auch einige Kompromisse ein. Die gewählte Intel-CPU ist durchschnittlich gut und reicht für die meisten Anwendungen aus. Allerdings empfinden wir zwei USB-C-Buchsen als zu wenig. Auch ist das auf Folie montierte OLED-Panel für Schäden anfällig – alles Dinge, die auf Dauer möglicherweise nerven.
Der hohe Preis ist aber definitiv das größte Gegenargument. Für fast 3.600 Euro bekommen wir einen sehr guten Laptop und ein passendes Display dazu. So dürfte das Rollable nur für solche Menschen interessant sein, die fast ausschließlich mobil arbeiten und den größeren Platz auf dem Desktop dafür brauchen.
Wir wünschen uns auf jeden Fall eines: dass Lenovo das exzellente OLED-Panel nimmt und in ein klassisches Gerät einbaut – ohne Roll-Display oder andere Experimente, dafür für weniger Geld.
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