Strom müsste eigentlich verschenkt werden

Öffnet ein Besitzer den Zugang zu seiner Wallbox tatsächlich für Dritte, kassiert er die Ladestromprämie zu Recht. Doch nimmt er Geld für die Energie, muss er erstens ein Gewerbe und zweitens einen eichrechtskonformen Ladepunkt (g+) anmelden. Diese Vorschrift erfüllen klassische Konsument-Wallboxen in der Regel nicht, selbst wenn sie über einen geeichten Zähler verfügen. Er könnte den Strom verschenken und lediglich die THG-Prämie einstreichen. Wirklich attraktiv sind beide Optionen nicht.

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Wer aber ein Gewerbe betreibt und auf seinem Betriebshof die Ladepunkt öffentlich zugänglich macht, könnte von der Regelung profitieren. Der gewerbliche Vermittler eQuota aus Berlin zahlt bei selbst erzeugter Energie aus der Solaranlage sogar 0,35 Euro pro Kilowattstunde an den Wallbox-Besitzer.

Wird Ökostrom vom Stromversorger bezogen, gibt es 0,20 Euro. Das ist immerhin das Doppelte von dem, was Zusammen Stromen ausschüttet. Das macht das Unternehmen aber nur, wenn die Ladepunkte tatsächlich öffentlich angeboten werden. "Wir haben schon mit großen Unternehmen darüber diskutiert, die diese Schwachstelle im Gesetz ausnutzen wollten. Das führt meines Erachtens aber nur zu Vertrauensproblemen im Markt", sagt Benedikt Gerber, Geschäftsführer von eQuota.

Smartes Angebot "im Graubereich"

Das Angebot von Zusammen Stromen sei smart, aber definitiv im Graubereich, sagt Gerber. "Auch wir halten davon ehrlich gesagt gar nichts, weil es eine absichtliche Doppel-Anrechnung der eigenen Mengen ist. Das hilft dem Klima am Ende gar nichts, im Gegenteil, es werden Quoten erzeugt, die es nicht gibt. Solchen Praktiken werden die Behörden hoffentlich relativ schnell einen Riegel vorschieben", sagt Benedikt Kirpes, Geschäftsführer von Green Trax, die hinter dem Angebot von Fairnery.org stehen.

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Bei der Prämie für die THG-Quote geht der Gesetzgeber von pauschal 2.000 kWh Strom aus, die ein E-Auto-Halter pro Jahr lädt. Dabei ist es egal, wo das passiert. Lädt der Halter an seiner privaten Wallbox, die er jetzt auch noch beim Bundesumweltamt anmeldet, kassiert er doppelt für die Strommenge.

Zum Streit dürfte es kommen, wenn eines Tages tatsächlich ein fremder E-Autofahrer vor der Haustür steht und an der öffentlichen Wallbox laden möchte. Das könnte durchaus der Fall sein, denn mit der Anmeldung bei der Bundesnetzagentur geht ein Eintrag in der öffentlichen Ladesäulenkarte einher. Sie ist Grundlage für etliche Lade-Apps. Doch kein privater Wallbox-Besitzer dürfte Interesse daran haben, hier aufzutauchen. Zusammen Stromen weist Interessenten ausdrücklich darauf hin, dass man dem Eintrag der Adresse und der Wallbox-Daten in der Ladesäulenkarte widersprechen kann. Es erfährt also niemand von diesem eigentlich öffentlichen Ladepunkt.

Elektromobilität: Theorie und Praxis zur Ladeinfrastruktur (de-Fachwissen)

Es geht um viel Geld

Dass es im Markt der Vermittler um viel Geld geht, zeigt eine Eigenwerbung von Zusammen Stromen. Danach wurden im laufenden Jahr bereits zehn Millionen Euro ausbezahlt. Der Vermittlungsmarkt ist mit über 100 Unternehmen sehr gut besetzt. Neben neu gegründeten Vermittlern tummeln sich hier Stromanbieter, Automobilclubs und Kraftstoffhändler.

Der Wettbewerb entscheidet sich über die geringste Provision, die ein Vermittler für seine Arbeit mit dem THG-Quoten-Verkauf berechnet. Zusätzlich wird mit Freunde-Bonus, Spendenoptionen und Sofortauszahlungen um die Gunst der Kunden geworben. Oft ist auch Augenwischerei im Spiel. Ein Vermittler platzierte im Kleingedruckten, dass die ausgelobte THG-Prämie für zwei statt nur ein Kalenderjahr gilt.

Die Bundesnetzagentur kennt zum Stichtag 1. Juli diesen Jahres 63.570 öffentliche Ladepunkte in Deutschland. Davon laden 84 Prozent mit bis zu 22 kW. Genauer klassifiziert es die Behörde nicht. Private Wallboxen laden typischerweise mit bis zu 11 kW. Nimmt die Zahl dieser Ladepunkte zum kommenden Stichtag sprunghaft zu, dürften viele Wallbox-Besitzer vom Prämien-Angebot Gebrauch gemacht haben.

Dass weitere Vermittler neben Zusammen Stromen auf den Zug aufspringen, ist sehr wahrscheinlich. Der Anbieter Wir kaufen Deine THG.de hat bereits angekündigt, ab September die Anmeldung der Ladepunkte auch für Privatbesitzer zu übernehmen.

Nachtrag vom 19. August 2022, 10:48 Uhr

Inzwischen lässt sich neben Geld für Auto noch über weitere Anbieter die private Wallbox anmelden. Eine Übersicht über die Firmen findet sich auf der Website des Autors (Anmerkung: enthält Affiliate-Links)>.

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 THG-Prämie: Das fragwürdige Abkassieren mit der eigenen Wallbox
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diesunddas 21. Aug 2022 / Themenstart

Danke für die Klarstellung da hat sich der Autor und die Anbieter mal wieder weit aus dem...

diesunddas 21. Aug 2022 / Themenstart

"Ich habe nichts gegen Wirtschaftsförderung, wenn es nicht wie bei Tesla lange Zeit außer...

nille02 19. Aug 2022 / Themenstart

Beim E-Auto verschiebt sich das nur. Aktuell schaltet man ja wieder Braunkohle...

fg (Golem.de) 17. Aug 2022 / Themenstart

Hallo! Dieses Vorgehen der Eichämter betrifft nur Gleichstromschnelllader, weil für diese...

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