Thermomix TM5: Die Könige der Mixer wollen Rezept-Chips modden
Anwender schwören trotz des Preises von 1.000 Euro auf ihren Thermomix. Das Gerät kann rühren, mixen, kneten, zerkleinern. Außerdem Zutaten wiegen, erwärmen, kochen, dünsten und vieles mehr. Über Rezeptchips kann der Anwender nun Mahlzeiten zubereiten. Ein Chip kostet 30 Euro. Forenteilnehmer bei Mikrocontroller.net rätseln(öffnet im neuen Fenster), wie der Chip des Herstellers funktioniert. Den Nutzern geht es nicht darum, Kopien zu machen. Sie wollen vielmehr eigene Chips mit ihren Rezepten füllen und diese an das Gerät anschließen.
Als der Forennutzer "König der Mixer" bei Rezeptwelt.de(öffnet im neuen Fenster) Links über die bisherigen Erfolge veröffentlichen wollte, wurden seine Beiträge gelöscht(öffnet im neuen Fenster). Das Moderationsteam begründete(öffnet im neuen Fenster) das damit, dass eine Werbung mit einer Verlinkung zu einer fremden Webseite den Nutzungsbedingungen widerspreche. Der Hintergrund dürfte aber ein ganz anderer sein: Vorwerk hat als Seitenbetreiber vermutlich kein Interesse daran, dass Bastler ihre Rezepte auf eigene Chips kopieren, statt sie zu kaufen.
Der Hack ist angelaufen …
Währenddessen ist das Re-Engineering in vollem Gange. Der Anschluss ist magnetisch, ansonsten reagiert der Themomix TM5 erst gar nicht. Bei dem Stecker handelt es sich um einen USB-Anschluss, über den wahrscheinlich ein Flash-Speicher angesprochen wird. Bei Windows-Rechnern wird der Chip als CD-Laufwerk erkannt. Wer den Inhalt des Speichers ausliest, erhält ein Image im Umfang von rund 4 GByte. Tatsächlich sind aber nur wenige Megabyte mit Bildern und Rezepten gefüllt. Ein einfacher Zugriff auf den Inhalt ist aber nicht möglich: Entweder muss vom Thermomix TM5 ein spezieller Befehl für einen Lesezugriff geschickt werden, oder aber es handelt sich um ein unbekanntes Dateisystem. Es könnte sich eventuell auch um eine Verschlüsselung handeln, wird vermutet.
Mixer mit Linux
Auf dem Thermomix kommt ein Linux auf Basis von Busybox(öffnet im neuen Fenster) zum Einsatz. Busybox wurde entwickelt, um auf eingebetteten Betriebssystemen mit sehr beschränkten Ressourcen eine Vielzahl verschiedener Funktionen zu ermöglichen. Es muss unter Anwendung einer GNU General Public License verwendet werden. Allerdings ist die eigentliche Thermomix-Anwendung, die im Gerät auf Basis von Linux läuft, mit Sicherheit keine freie Software. Man darf davon ausgehen, dass Vorwerk alle Rechte daran besitzt.
Da bislang nicht bekannt ist, welche konkrete Linux-Distribution im TM5 verwendet wird und die Geräte mit unterschiedlichen Lizenzen vertrieben werden, bleibt unklar, ob man bei einer selbst gebastelten Chip-Lösung gegen eine Software-Lizenz verstoßen würde. Medienanwalt Christian Solmecke geht davon aus(öffnet im neuen Fenster), dass das Anschließen eigener Geräte an den Thermomix TM5 in jedem Fall verboten ist.
Verboten wäre es auch, einfach alle bisherigen hochpreisigen Chips auf einem einzigen zu speichern, um den einen Chip gegen ein geringes Entgelt anzubieten. Da Vorwerk sein Multifunktionsgerät bereits mit 13 Patenten abgesichert hat, wäre dies bei einer Weiterentwicklung auch eine Möglichkeit, um das Angebot der TM5-Chips von Drittanbietern zu untersagen. Vorwerk wird aber große Probleme haben, Bastler von der Nutzung eigener USB-Anschlüsse und Speichermedien abzuhalten, sobald das Rätsel um die Chips gelöst ist.
Vorwerk: kein WLAN für Thermomix TM5
Interessant sind auch die Ausführungen von Johannes Knöller(öffnet im neuen Fenster), der Vorwerk vor zwei Jahren einen Verbesserungsvorschlag geschickt hat. Nach seiner Ansicht wäre die Verbindung des Thermomix per LAN-Kabel oder WLAN optimal. Dann könnte der Anwender die Bilder, Rezepte und Gebrauchsanweisungen direkt aus dem Internet herunterladen oder über einen PC auf das Multifunktionsgerät übertragen. Knöller erhielt von Vorwerk keine Antwort auf seine seitenlange Abhandlung. Natürlich hätte dies dem Unternehmen die Möglichkeit genommen, die Rezept-Chips zum derzeitigen Preisniveau anzubieten. Wenn man die Kochanweisungen inklusive Bilder per WLAN übertragen kann, warum sollte man pro Chip 30 Euro und mehr ausgeben?
Auf der Mikrocontroller-Seite wird indes weiter gebastelt und geforscht. Zudem gibt es bei Facebook eine Gruppe(öffnet im neuen Fenster), die ihre Fans über Neuerungen informiert.
Der Text erschien zuerst auf Tarnkappe.info(öffnet im neuen Fenster).
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