Theranos-Verfahren: Elizabeth Holmes zu elf Jahren Haft verurteilt
Die einstige US-Vorzeigeunternehmerin Elizabeth Holmes ist wegen Betrugs zu einer Haftstrafe von elf Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Der zuständige Richter Edward Davila gab am Wochenende in San Jose das Strafmaß von genau 135 Monaten bekannt. Holmes wollte mit ihrer Bluttest-Firma Theranos die Pharma- und Gesundheitsbranche revolutionieren – doch das Versprechen entpuppte sich als Bluff. Anfang Januar 2022 sprach eine Geschworenenjury die 38-Jährige schuldig , Investoren gezielt getäuscht zu haben.
Das Strafmaß ist ein harter Schlag für Holmes. Ihre Anwälte hatten sich für maximal 18 Monate Haft ausgesprochen und ansonsten auf Hausarrest und Sozialstunden als Strafe plädiert. Die Anklage hatte mindestens 15 Jahre Gefängnis gefordert. Holmes hätte laut Gesetzbuch sogar zu 20 Jahren Haft verurteilt werden können.
Laut US-Medien gab sie bekannt, Berufung gegen das Urteil einlegen zu wollen. Sie muss ihre Haftstrafe nicht vor dem 27. April 2023 antreten. Der Prozess gegen Holmes sorgte vor allem in den USA für viel Aufsehen. Holmes schaffte es einst als große Innovationshoffnung der Tech-Hochburg Silicon Valley auf die Titelseiten der US-Wirtschaftsblätter.
Passende TV-Serie zum Fall Elizabeth Holmes
Aufstieg und Absturz der Ex-Starunternehmerin wurden in Podcasts erörtert und in der TV-Serie The Dropout(öffnet im neuen Fenster) verfilmt, die es seit April 2022 im Abo von Disney+ gibt. Holmes wies die Betrugsvorwürfe stets zurück und versicherte, dass sie aufrichtig an die Technologie von Theranos geglaubt habe. Es sei bei der Bestimmung des Strafmaßes ein Nachteil für sie gewesen, dass sie kein Schuldgeständnis abgegeben habe, erklärte Richter Davila.
Holmes hatte 2003 im Alter von 19 Jahren die US-Elite-Universität Stanford verlassen, um Theranos zu gründen. Das Start-up versprach, Bluttests mit einer revolutionären Technologie zu vereinfachen, bei der für Proben nur wenige Tropfen genügten. Investoren waren begeistert, zeitweise wurde Theranos mit rund neun Milliarden US-Dollar bewertet.
Der Aufstieg und Fall von Elizabeth Holmes
Holmes war – zumindest auf dem Papier – rund 4,5 Milliarden US-Dollar reich. Die Firmengründerin wurde auf Magazin-Covers und Konferenzen als erfolgreiche Selfmade-Milliardärin gefeiert.
Doch auf den steilen Aufstieg folgte der spektakuläre Absturz: 2015 löste ein Investigativbericht des Wall Street Journal erhebliche Zweifel an der Technologie von Theranos aus. Auch wenn Holmes zunächst alle Vorwürfe hartnäckig abstritt, geriet ihr Kartenhaus immer weiter ins Wanken.
Weitere Verurteilung im Theranos-Verfahren
Eine Reihe weiterer Enthüllungsartikel entlarvten die vermeintliche Erfolgsgeschichte endgültig als Schwindel. Tatsächlich funktionierten die angeblichen Innovationen von Theranos nicht, stattdessen nutzte die Firma offenbar heimlich herkömmliche Testverfahren. 2018 folgte die Anklage wegen Betrugs.
Im Juli 2022 wurde auch Sunny Balwani vom Gericht für schuldig befunden . Der ehemalige Präsident von Theranos und Vertraute von Elizabeth Holmes wurde in allen zwölf Anklagepunkten für schuldig befunden. Balwani drohen bis zu 20 Jahre Haft und eine Strafe von 250.000 US-Dollar pro vorgeworfenem Fall von Betrug und Verabredung einer strafbaren Handlung.
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