Theranos-Prozess: Elizabeth Holmes wegen Millionenbetrugs schuldig gesprochen

Der Chefin von Theranos droht eine lange Haftstrafe. Über das Strafmaß für Elizabeth Holmes wird später entschieden.

Artikel veröffentlicht am , / dpa
Elizabeth Holmes nach der Verkündung des Urteils der Geschworenen
Elizabeth Holmes nach der Verkündung des Urteils der Geschworenen (Bild: Nick Otto/AFP via Getty Images)

Die einstige US-Vorzeigeunternehmerin Elizabeth Holmes ist des Betrugs an Investoren schuldig gesprochen worden. Die Geschworenen sahen vier von insgesamt elf Anklagepunkten als erfüllt an, wie aus Gerichtsunterlagen hervorging. Holmes hatte das letztlich gescheiterte Bluttest-Start-up Theranos gegründet und mehrere hundert Millionen US-Dollar bei Investoren eingenommen.

Die 37-Jährige hatte den Betrugsvorwurf stets zurückgewiesen und kann gegen das Urteil noch in Berufung gehen. Über das Strafmaß wird Richter Edward Davila zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden. Theoretisch drohen Holmes bis zu 20 Jahre Gefängnis pro Anklagepunkt - allerdings gingen Prozessbeobachter in den USA davon aus, dass die Strafe deutlich milder ausfallen dürfte.

Das große Versprechen von Theranos war, Bluttests zu revolutionieren: Nur wenige Tropfen aus dem Finger sollten reichen, um auch umfangreiche Analysen durchzuführen. Die Gesamtbewertung von Theranos erreichte in den Finanzierungsrunden bis zu neun Milliarden US-Dollar. Dabei betrug auch das Vermögen von Holmes zumindest auf dem Papier mehrere Milliarden US-Dollar.

Holmes wurde mit Steve Jobs verglichen

Elizabeth Holmes hatte das Unternehmen Theranos als 19-jährige Studienabbrecherin der Elite-Uni Stanford gegründet und wurde als Visionärin gefeiert. Medien verglichen sie mit Apple-Gründer Steve Jobs - was von ihrer Vorliebe für schwarze Rollkragenpullover noch unterstützt wurde.

Unter anderem die Drogeriemarktkette Walgreens stieg in das Unternehmen ein und verkaufte Theranos-Bluttests in ihren Läden. Wie sich jedoch herausstellte, funktionierte die Theranos-Technik nie ausreichend verlässlich. So wurden Bluttests nicht mit eigenen Maschinen der Firma durchgeführt, dafür kam Labortechnik anderer Hersteller zum Einsatz, die von Theranos-Technikern auf eigene Faust umgeändert wurde. Der Öffentlichkeit und den Investoren wurde das verschwiegen.

Manipulierte Bluttests

Ein zentrales Problem dieser Methode war, dass die Maschinen auf größere Mengen Blut aus den Venen der Patienten ausgelegt waren. Theranos streckte deswegen die kleinen Fingerproben, das führte zu Problemen mit der Genauigkeit einiger Tests.

Ein weiterer Faktor war laut Experten, dass der Druck auf die Fingerkuppen bei der Blutabnahme die Beschaffenheit der Proben verändert - das könne zu falschen Analysewerten führen. Die Ergebnisse dienen Ärzten aber als Anhaltspunkt für mögliche Erkrankungen und Behandlungen. Theranos musste schließlich in großem Umfang Testergebnisse annullieren.

2015 begann alles mit Enthüllungsberichten

Die Probleme wurden 2015 mit einer Serie von Enthüllungsberichten im Wall Street Journal bekannt, die Theranos zunächst mit Hilfe von Anwälten zu unterdrücken versuchte. Holmes stritt alles ab, aber die Artikel riefen US-Regulierungsbehörden auf den Plan, die unter anderem die Labore der Firma unter die Lupe nahmen. Theranos musste dichtmachen - und die Geldgeber gingen leer aus.

In einer pikanten Wendung war auch Rupert Murdoch, der Besitzer des Wall Street Journal, unter den Theranos-Investoren, die schließlich ihr Geld verloren. Es gibt aber keine Hinweise darauf, dass er in die Berichterstattung eingriff. Holmes hatte einflussreiche Personen wie die Ex-US-Außenminister Henry Kissinger und George Shultz sowie Donald Trumps späteren US-Verteidigungsminister James Mattis in den Verwaltungsrat geholt. Sie verliehen Theranos Glaubwürdigkeit, hatten aber keine Expertise in der Medizintechnik.

In der Familie von George Shultz sorgte die Kontroverse für ein jahrelanges Zerwürfnis. Shultz' Enkel Tyler hatte zeitweise bei Theranos gearbeitet und war eine der Quellen der Enthüllungen. Sein Großvater hielt aber lange danach noch zu Holmes.

Holmes soll Anleger bewusst getäuscht haben

Einige Geldgeber trugen auch den Eindruck davon, dass Theranos-Technik für den Einsatz durch das US-Militär in Kriegsschauplätzen im Rennen sei. Sondierungen dazu liefen jedoch tatsächlich bald in eine Sackgasse.

Die Anklage warf Holmes vor, Geldgeber bewusst hinters Licht geführt zu haben, um an die Investitionen für Theranos zu kommen. Die Geschworenen sahen das bei drei Geldspritzen bestätigt - und sprachen Holmes in einem weiteren Anklagepunkt auch der Verschwörung zum Betrug schuldig.

Holmes bestreitet die Vorwürfe

Holmes sagte in dem Prozess aus, sie habe aufrichtig an die Technik geglaubt, sei als Chefin aber nicht über alle Probleme informiert worden. Für eine Verurteilung mussten die Ankläger die Geschworenen überzeugen, dass Holmes Investoren mit betrügerischen Absichten falsch informiert und Fehler bei Tests von Patienten in Kauf genommen habe. Bei drei Anklagepunkten konnten sich die Geschworenen nicht auf das nötige einstimmige Votum einigen. Diese Vorwürfe können die Staatsanwälte noch einmal vor Gericht bringen.

Die Anklage pickte sich speziell die Fälle von zwei Patienten sowie sechs Überweisungen von Theranos-Geldgebern im Höhe zwischen knapp 100.000 und rund 100 Millionen US-Dollar aus den Jahren 2013 und 2014 heraus. Des gezielten Betrugs an Patienten befanden die Geschworenen Holmes nicht schuldig.

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TrollNo1 05. Jan 2022

Ich bin auch der Meinung, dass so Witschaftsverbrecher (die ja einfach nur geldgeil sind...

Potrimpo 05. Jan 2022

Wie Du sagst, Spekulation, so haben das wohl auch die Geschworenen gesehen, jedenfalls...

Nutzer-name 05. Jan 2022

Absoluter Quatsch. Soweit ist er noch nicht, aber seine Raketen fliegen. Seine andere...

Astorek 04. Jan 2022

So als Startup-Gründerin, die sich sehr kämpferisch in Auseinandersetzungen gibt und...



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