The Witcher 3 im Grafiktest: Mehr Bonbon am PC

Teils deutlich kürzere Ladezeiten, etwas weniger Grafikfehler und noch stimmungsvollere Farben – das sind die wichtigsten Vorteile der PC-Version des Rollenspiels The Witcher 3, wie Golem.de anhand einer Vorabversion mit dem Day-One-Patch festgestellt hat. Vor allem der größere Umfang der Farbpalette hat spürbare Auswirkungen auf die Atmosphäre: Am PC wirkt ein Sonnenuntergang dank des besseren Bloomings zwar einerseits noch farbenfroher, aber die Verläufe sehen auch glaubwürdiger und differenzierter aus – wir würden die PC-Fassung auch deshalb eindeutig bevorzugen.

Insbesondere im Vergleich mit GTA 5 fällt allerdings auch auf, dass The Witcher 3 am PC ein weniger umfangreiches Grafikmenü bietet. Während Spieler von GTA 5 so gut wie jede Einstellung an ihre Vorlieben anpassen können, dürfen Hexer zum Beispiel bei der Kantenglättung lediglich die Option FXAA ein- oder abschalten. Schade – sonst ist das Entwicklerstudio CD Projekt Red doch ausgesprochen gut darin, die Bedürfnisse der Zielgruppe "PC-Spieler" einzuschätzen und vor allem umzusetzen.
Von der Kantenglättung abgesehen stehen nur noch die Detailstufen Gering, Mittel, Hoch und Ultra zur Auswahl. Sie aktivieren immer mehr Postprocessing-Effekte – also Motion Blur, Reflexionen sowie die Anzahl von Gräsern und Blättern. Auch auf Gering sieht The Witcher 3 noch richtig gut aus, allerdings nicht so gut wie die Playstation-4-Fassung. Laut den Entwicklern soll es am PC übrigens auch ein paar zusätzliche Materialien mehr geben, etwa eine größere Auswahl unterschiedlicher Ledersorten – das konnten wir bislang allerdings nicht verifizieren.
Die minimalen Systemvoraussetzungen der PC-Version setzen einen Intel Core i5-2500K mit 3,3 GHz oder einen AMD Phenom II X4 940 sowie 6 GByte RAM vor. Als Grafikkarte sollte etwa eine Geforce GTX 660 von Nvidia oder eine Radeon HD 7870 von AMD vorhanden sein.
Das Entwicklerstudio CD Projekt Red empfiehlt allerdings, dass Spieler für vollen Grafikgenuss am PC eine Geforce GTX 770 von Nvidia oder eine Radeon R9 290 von AMD besitzen. Als Rechner schlägt CD Projekt einen Core i7 3770 3 von Intel mit 3,4 GHz oder einen AMD FX-8350 mit 4 GHz vor. Bei PC Games Hardware gibt es eine fortlaufend aktualisierte Liste mit Grafikkarten-Benchmarks(öffnet im neuen Fenster) . Das Rollenspiel benötigt grundsätzlich die 64-Bit-Version von Windows 7 oder Windows 8 und DirectX-11. Auf der Festplatte belegt das Programm rund 40 GByte.
Diskussionen um Downgrade
Nvidia hat speziell für The Witcher 3 einen Game-Ready-Treiber (352.86) veröffentlicht. AMD dürfte mit entsprechender Software früher oder später nachziehen – offiziell ist dazu noch nichts bekannt, eine Ankündigung soll demnächst aber erfolgen.
Downgrade der Grafik?
Im Video gehen wir auch auf die Diskussion rund um das sogenannte "Grafikdowngrade"-Problem ein. Dabei geht es um Vorwürfe aus einigen Foren und aus Teilen der Spielepresse, denen zufolge die Entwickler in Trailern eine Grafik und Effekte gezeigt haben, wie sie in der demnächst dann endlich verfügbaren (und bei einigen Händlern schon jetzt unter der Hand verkauften) finalen Fassung nicht mehr zu sehen sind.

Tatsächlich wirken einige Teile des Spiels zumindest in den älteren Herstellervideos anders. Das betrifft auch Elemente mit spielerischen Auswirkungen, etwa die Sichtweite in einigen Open-World-Gebieten, die nun kürzer ist. Das Entwicklerstudio äußert sich nur zurückhaltend zu dem Thema. Einer der Macher hat etwa angemerkt(öffnet im neuen Fenster) , dass sein Team "drei Jahre lang sehr hart" an dem Spiel gearbeitet habe, um den Spielern jetzt das "bestmögliche Erlebnis zu bieten" .
Das Ganze ist kein einfaches Thema. Spiele ändern sich während der Entwicklungsphase teils deutlich, und vor allem gegen Ende müssen die Macher bei der Optimierung oft noch einige harte Entscheidungen treffen. Da kann die Begrenzung der Fernsicht durchaus die bessere Wahl sein, als andere Elemente zu verändern.
Andere Entwickler schrauben etwa an den Lightmaps herum: Das fällt etwa in Videos längst nicht so deutlich auf und bietet weniger Angriffsfläche aus Foren. Aber beim tatsächlichen Endkunden kann es unterschwellig die Freude über Grafikeffekte sogar noch stärker schmälern. Ähnliches ist bei The Witcher 3 zum derzeitigen Zeitpunkt nicht zu befürchten: Der subjektive Eindruck beim Spielen des ab dem 19. Mai 2015 offiziell erhältlichen Programms ist durchweg klasse.



