Negans Lucille lässt grüßen

Weil mein Rucksack nur begrenzt Platz hat, muss ich ständig abwägen, was ich einpacke, um unterwegs genügend Ausrüstung dabeizuhaben, aber noch Ressourcen einsammeln kann. Die werfe ich dann im Bus in den Mülleimer, um Materialien zu erhalten, womit sich der Crafting-Kreislauf schließt. Ich finde die Mechanik zu aufdringlich, etwa wenn ich für Kämpfe gegen Menschen unbedingt Munition benötige, da in Kombination mit der sinkenden Ausdauer- und Lebensleiste so das eigentliche Spiel gelegentlich in den Hintergrund tritt.

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Denn das ist spannend umgesetzt: Missionen finden tagsüber statt, wenngleich es in New Orleans irgendwie nie richtig hell wird. Nach rund einer halben Stunde - die virtuelle Uhr an meinem Handgelenk hilft bei der Orientierung - ertönt laut eine Glocke, dann heißt es, schnell sein. Bei Nacht steigt die Anzahl der Untoten auf den Straßen drastisch an, da helfen auch eine Pumpgun und hektisch um den Arm gewickelte Bandagen nicht. Wer allerdings einen Tag wartet, trifft auf mehr Zombies und findet weniger Loot.

In The Walking Dead - Saints & Sinners sind nahezu alle Aktionen physisch implementiert: Per Griff über die Schulter erreiche ich meinen Rucksack oder meine Langwaffe, in Holstern links und rechts stecken ein Revolver oder ein Messer und an der Brust sind Taschenlampe sowie Tagebuch befestigt. Cool: Die Funzel kann ich in die Hand nehmen, um düstere Ecken auszuleuchten. Dämlich hingegen: Um einzelne Tabs im Journal zu öffnen, muss ich sie per Finger antippen und zusätzlich noch eine Taste drücken.

Davon abgesehen fühlt sich die Interaktion mit der Spielwelt toll an! Ich lehne mich vorsichtig um Ecken, klettere über Fenstersimse, krieche durch enge Verschläge, hangele mich Regenrohre entlang, öffne Türen und Schubladen, drehe an Reglern. Ein Revolver liegt schwerer in der Hand als ein Messer und jede Patrone will einzeln eingeschoben werden. Für eine langstielige Feuerwehraxt benötige ich zwei Hände, sonst bleibt die Schneide im Hals stecken, statt ihn zu durchtrennen. Besonders garstig fühlt sich übrigens der mit Stacheldraht umwickelte Baseballschläger an und Einschläge klingen entsprechend fies - Lucille von Bösewicht Negan lässt grüßen.

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Leider kann ich nur Gegenstände aufheben, die dafür vorgesehen sind. Den Kinder-Tretroller auf Zombies werfen oder die Mülltonne zwischen mich und eine Horde schieben, klappt nicht. Die einzelnen Bereiche in The Walking Dead - Saints & Sinners sind nämlich schön detailliert gestaltet und trotz der grau-braunen Farbgebung gehören sie grafisch mit zum Besten, was die Virtual Reality derzeit hergibt. Der leichte Cell-Shading-Look stört nicht, einzig Gesichter wirken platt. In New Orleans besuche ich acht Stadtteile - Straßenzüge, Hinterhöfe oder Parkplätze, aber auch Villen.

Wichtig für einen VR-Titel hinsichtlich Nausea: Es gibt keine Teleportation, sondern einzig Locomotion, sprich laufen per Thumbstick. Wer sich nicht in der echten Welt drehen will, nutzt ebenfalls den Stick - entweder frei oder in Winkeln. Ob dabei und auch beim Sprinten eine Vignette das Sichtfeld einengt und wenn ja, wie stark, ist einstellbar. Der Survival-Titel kann im Sitzen oder im Stehen gespielt werden, ich rate zu Letzterem.

Fazit

The Walking Dead - Saints & Sinners ist für nahezu alle VR-Headsets verfügbar, da der Titel über den Oculus Store und Valves Steam für 40 respektive 33 Euro angeboten wird. Eine Version für Playstation VR soll in einigen Wochen folgen und bis Ende 2020 plant Skydance Interactive auch noch eine native Umsetzung für das Oculus Quest. Obacht: Das Spiel ist derzeit nur in Englisch verfügbar! Ich habe The Walking Dead - Saints & Sinners auf einem Oculus Rift S mit einer Geforce RTX 2080 Ti, einem achtkernigen Ryzen 7 3700X und 16 GByte DDR4 getestet.

Ich finde den Titel sehr immersiv, denn die Mischung aus Horror und Survival wurde toll umgesetzt. Gerade die physische Interaktion mit der Umwelt gefällt mir und auch die intensiven Konfrontationen mit den Untoten. Die Anspannung und die brutal-realistischen Nahkämpfe sind schweißtreibend, mehr als eine gute Stunde am Stück war mir zu anstrengend - zum Durchspielen braucht es grob 15 Stunden. Das Crafting kann dabei nerven und die KI der menschlichen Gegner fällt eher schwach aus, dennoch ist The Walking Dead - Saints & Sinners ein empfehlenswertes Erlebnis.

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 The Walking Dead VR im Test: Bloß nicht den Schraubenzieher stecken lassen!
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Hotohori 31. Jan 2020

Da wäre ich nie drauf gekommen, interessantes Konzept.

Hotohori 31. Jan 2020

Danke, das waren interessante Infos. Die Rift S habe ich eigentlich nur als Übergang...

Hotohori 31. Jan 2020

Eben, auch die Rift und Rift S haben nur 60 Hz und ich würde dessen Tracking niemals als...

Achranon 31. Jan 2020

Nur so als Vorwarnung. Es fühlt sich deutlich anders an als in 2D. Wer meint er hat schon...

Hotohori 30. Jan 2020

Sonst habt ihr hier aber alle keine Probleme? Eine News zu einem VR Spiel und das...



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