The Walking Dead: The Ones Who Live: Was mit Rick Grimes passierte

Hinweis: Wir beschreiben in dieser Rezension den Inhalt der ersten beiden Folgen der Miniserie und also auch, was mit Rick Grimes nach dem Ende von The Walking Dead passiert ist. Wer das lieber selbst herausfinden möchte, sollte erst gucken und dann die Rezension lesen.
Nachdem Andrew Lincoln aus The Walking Dead ausgestiegen war, das Schicksal seiner Figur Rick Grimes aber offen blieb, wurde angekündigt, dass Lincoln die Rolle wieder aufnehmen werde. Geplant waren zunächst drei Filme. Es tat sich jedoch lange nichts, das Ende der Mutterserie nahte - und die Pläne änderten sich.
Denn mit dem Ende der Hauptserie wurden verschiedene Spin-offs angekündigt, die einige der Hauptfiguren in den Fokus einer eigenen Serie rücken sollten. Zu dem Zeitpunkt hatten die angedachten Filme mit Rick Grimes eine Transformation durchgemacht - hin zu einer Miniserie, die seit dem 26. Februar 2024 bei Magenta TV läuft. Sechs Folgen werden ausgestrahlt, wöchentlich gibt es eine neue.
In der Serie geht es nicht nur um Rick, sondern auch um Michonne. Deren Darstellerin Danai Gurira stieg ebenfalls aus der Hauptserie aus. Das erklärte man damit, dass sie sich aufmachte, Rick zu suchen. Im Epilog der letzten Folge von The Walking Dead gab es einen ersten kurzen Ausblick auf die Serie, die bis zum Frühjahr 2023 noch The Walking Dead: Rick & Michonne heißen sollte.
Fünf Jahre später
Sechs Jahre sind vergangen , seit Andrew Lincoln die Hauptserie verlassen hat, dem trägt auch die neue Serie Rechnung. Sie beginnt fünf Jahre später und zeigt Rick als Gefangenen, der bereit ist, alles zu tun, um zu entkommen, inklusive Selbstverstümmelung - ein netter Verweis auf den Comic, da der filmische Rick dem Comic-Rick jetzt deutlich ähnlicher sieht.
Rick kam vor fünf Jahren in die Stadt. Er wurde damals gerettet, auf der Brücke, als er bereit war, sich für seine Liebsten zu opfern.
Nun ist er in einer geheimen Stadt, in der Hunderttausende leben und von Tausenden Soldaten beschützt werden. Jene, die in die Stadt geholt werden, verdienen sich das Leben dort, indem sie sechs Jahre lang "aufräumen" und die Toten erledigen.
Michonne sucht Rick
Es ist eine Stadt der Geheimnisse. Die Bevölkerung weiß nicht, was das Militär macht, die Soldaten wissen nicht, was ihre Vorgesetzten wissen. Da die Stadt geheim bleiben muss, darf niemand sie verlassen. Rick will sich damit nicht abfinden. Er startet einen Fluchtversuch nach dem anderen.
Dabei wird er von einem Mann protegiert, der glaubt, dass sich etwas ändern muss, und der Potenzial in Rick sieht, weswegen er ihn als Soldat rekrutiert. Derweil ist Michonne auf der Suche nach Rick. Sie durchstreift das Land, folgt den winzigsten Spuren, findet Freunde und verliert sie auch wieder. Aber sie gibt nicht auf.
Großes Mysterium
In der ersten Folge ist fast nur Rick zu sehen, in der zweiten mehrheitlich Michonne. Dass es zum Treffen kommt, zeigt sich schnell, aber das ist nur der Auftakt für eine enorm spannende Geschichte.
Die überrascht in vielerlei Hinsicht. Weil Menschen sich in den vielen Jahren, in denen Rick und Michonne sich nicht gesehen haben, ändern, aber auch, weil das Mysterium um diese große Stadt mitreißend ist.
Denn einige Fragen werden aufgeworfen: Etwa, warum die Hubschrauber, die immer wieder hinausfliegen, Menschen angreifen, die keinerlei Bedrohung darstellen. Oder warum die Menschen, die als Zuwachs für die Stadt geholt werden, in zwei Kategorien eingeteilt sind: B für die Mitläufer, A für die Anführer - und man will eigentlich nur B-Leute.
Das größte Mysterium ist aber natürlich, was die Führer dieser Stadt planen und wer sie eigentlich sind. Nur eines ist klar: Das höhere Ziel ist nicht weniger als ein Neuerschaffen der Zivilisation, eine neue Welt, die besser als die alte ist.
Das ist spannend, ebenso spannend ist aber, wie Rick und Michonne nach der langen Zeit miteinander funktionieren. Interessant sind auch die zeitlichen Sprünge. Es gibt die Handlung im Jetzt, aber auch die fünf Jahre nach der Brücke und die Monate, die danach ins Land ziehen.
Rick hat lange nur den Tunnelblick darauf zu entkommen und zu seiner Familie zurückzukehren - bis ihm klar wird, was er eigentlich tun sollte. Diese Erkenntnis zeigt sich in einer von Andrew Lincoln hervorragend gespielten Szene in einem Helikopter, als er seinem Vorgesetzten eine Geschichte über seinen Vater erzählt.
Antworten auf Fragen
Die Serie bietet Antworten auf Fragen, die Fans schon seit über fünf Jahren auf den Nägeln brennen. Zugleich ist sie gut darin, die Mythologie auszubauen - etwa durch die von Pollyanna McIntosh gespielte Jadis, die in der zweiten Staffel von The Walking Dead: World Beyond eine große Rolle innehatte. Retroaktiv wird die Serie, die wegen der nervigen Teenager-Hauptfiguren von so manchem links liegen gelassen wurde, dadurch wichtiger.
Dazu gibt es gute neue Figuren. Offenbar haben die Serienmacher hier ein bisschen die Lektion von The Last of Us gelernt. Es werden in einer Folge starke Nebenfiguren etabliert, die nicht immer überleben - deren Ableben aber emotionale Wirkung zeigt.
Die Stars entwickeln mit
Neue Hauptfiguren sind die von Lesley-Ann Brandt (Lucifer) gespielte Pearl, die Ricks Vorgesetzte wird, und der von Terry O'Quinn (Lost) dargestellte Major General, der mehr als seine Untergebenen weiß.
Entwickelt wurde die Serie von Scott M. Gimple, zusammen mit Danai Gurira und Andrew Lincoln, die hier mehr eigene Ideen einbringen wollten, als es ihnen seinerzeit in der Ur-Serie möglich war.
Angekündigt wurde The Walking Dead: The Ones Who Live im Juli 2022 auf der San Diego Comic-Con. Damals erfuhren die Fans, dass aus den Rick-Filmen eine Serie geworden war. Sie ist als Miniserie angelegt, aber man wird sehen müssen, ob das Ende nicht eine Form von Fortsetzung nahelegt.
Vielsagender Titel
Der Titel ist interessant. Rick bezeichnete seine Freunde und sich einmal als die wahren "Walking Dead". Aber jetzt geht es um die, die noch leben.
Der Titel kann dabei in verschiedene Richtungen interpretiert werden: in Hinblick auf Rick und Michonne, aber auch auf die Menschen in dieser Stadt. Denn die Hunderttausenden, die hier ein fast normales Leben führen, könnten tatsächlich die Wiege dessen sein, aus dem sich eine künftige Zivilisation entwickelt, die weit über die Grenzen dieser Stadt hinausreicht.



