The Walking Dead: Daryl Dixon: Endlich wieder sehenswert
Hinweis: Wir beschreiben in dieser Rezension den Anfang der Serie und einzelne, interessante Szenen. Es wird nichts Wichtiges gespoilert – aber wer gar nichts wissen möchte, sollte lieber erst den Film gucken.
Noch immer kommen die neuen Serien des The-Walking-Dead-Franchise nur mit Verzögerung nach Deutschland, aber kurz nach dem Ableger Dead City wartet Magenta TV mit der neuen Serie rund um Daryl Dixon auf.
Die Serie macht vieles richtig, vor allem aber bringt sie eine Qualität zum Franchise zurück, die man schon seit einiger Zeit vermisst – der Ortswechsel weg von den USA hin nach Europa hilft dabei ungemein. So großartig wie The Walking Dead: Daryl Dixon sah bisher noch keine Serie des Franchise aus.
Nach dem Ende der Hauptserie wurden einige Spin-offs angekündigt, die man im Grunde so beschreiben kann: Die Hauptfiguren der Mutterserie erhalten jetzt ihre eigenen Serien, wobei die Staffeln deutlich kürzer sind. Die erste Staffel von The Walking Dead: Daryl Dixon umfasst so auch nur sechs Folgen.
Das hat einen immensen Vorteil: Die Geschichten können stringenter erzählt werden, die Notwendigkeit zum Strecken entfällt – zumindest theoretisch, bei Dead City war das noch immer nötig.
Hier aber nicht, zumal mit Norman Reedus und Daryl Dixon der beliebteste Darsteller und die beliebteste Figur des Franchise im Fokus stehen. Das erlaubt Reedus auch, seiner Figur neue Facetten abzugewinnen.
Ankunft in Frankreich
Die Staffel beginnt damit, dass Daryl Dixon, auf einem umgekippten Beiboot liegend, an einem Strand in Frankreich angeschwemmt wird. Er sieht sich um, trifft einen Großvater mit seiner Enkelin, wird angegriffen, kann die Aggressoren aber töten, und wird dann doch verraten. Bewusstlos geschlagen, wacht er in einem Kloster wieder auf. Schwester Isabelle hat ihn gefunden und hergebracht.
Sie sieht das als göttliche Fügung, denn in dem Kloster ist auch der Junge Laurent aufgewachsen, dem eine Vaterfigur fehlt und der vor allem einen Beschützer braucht. Die Nonnen sind sich sicher, dass er der Messias ist, der die Menschheit retten soll, aber er muss an einen sicheren Ort – das Nest. Daryl soll ihn dort hinbringen.
In Frankreich spricht man Französisch
Mit dem Wechsel in ein anderes Land kommen neue Möglichkeiten. Für das Franchise ist er regelrecht befreiend. Man nutzt die Küste der Normandie, aber auch die Landschaften mitsamt alter Dörfer, Brücken und Festungen, um ein ganz besonderes Flair zu erschaffen.
Dazu kommt, dass die Zuschauer nicht für dumm verkauft werden. Die Franzosen sprechen auch Französisch, nur in Interaktion mit Daryl wechseln sie zum Englischen. Da Daryl kein Französisch spricht, ist er bei Gesprächen häufig außen vor. Die Serie schafft es, die Kommunikationsschwierigkeiten gut zu zeigen, die in einer Situation wie dieser auftreten würden.
The Walking Dead: Daryl Dixon sieht zudem großartig aus. Im Finale der Staffel erreicht Daryl Mont-Saint-Michel, ein Kloster in der Normandie, das bei Flut vom Festland abgetrennt ist. Es ist ein erhebender Anblick, offenkundig auch für den Regisseur und den Kameramann.
Mont-Saint-Michel(öffnet im neuen Fenster) wird aus den unterschiedlichsten Perspektiven und mit langen Kamerafahrten gezeigt. Die französischen Bauwerke lassen diese Serie teurer aussehen als die anderen. Würde man so etwas auf US-Boden drehen wollen, müsste man tricktechnisch tief in die Tasche greifen.
Neue Zombies
Die sechs Folgen bieten eine durchgehende Handlung, haben aber auch Etappenziele, so dass nicht jede Folge die große Geschichte zwangsläufig vorantreibt. Dafür gibt es einige erstaunliche Ideen – so erschreckend wie hier hat man Ravels Bolero wohl noch nie gehört.
Im Finale von The Walking Dead: World Beyond(öffnet im neuen Fenster) wurde gezeigt, dass die Zombie-Seuche in Frankreich ihren Ursprung nahm. Damit spielt auch die neue Serie.
Es gibt in einer Folge Rückblicke zum Ausbruch der Zombie-Seuche, auch wenn sie auf Schwester Isabelle fokussiert sind. Zudem gibt es eine paramilitärische Gruppe unter Führung einer Frau, die Experimente an Zombies vornehmen lässt.
Schon in der ersten Folge merkt man: Hier ist nichts so, wie es immer war, denn Daryl begegnet einem Zombie, dessen bloßer Griff ihm die Haut verbrennt. Überhaupt: Das Blut ist säurehaltig. Und nicht nur das: In der letzten Einstellung der fünften Folge gibt es etwas zu sehen, das man ansonsten nur aus Filmen wie Dawn of the Dead(öffnet im neuen Fenster) kennt.
Es ist interessant, wie in der Staffel mit vergleichsweise einfachen Mitteln neue Mysterien erkundet werden. Das macht die Folgen auch über die bloße Action hinweg spannend und zeigt auch, was der Mutterserie zum Ende hin doch schon recht stark fehlte: der Mut zur Innovation und zur Originalität.
The Walking Dead: Daryl Dixon ist momentan das Kronjuwel des Franchise – keine andere Serie reicht hier heran. In der letzten Folge gibt es dann übrigens auch noch einen recht unerwarteten Gastauftritt.