The Thing: Effekte aus einer anderen Welt

Am Anfang stand eine Kurzgeschichte: Who Goes There?(öffnet im neuen Fenster) erzählt von einer Expedition in der Antarktis, die ein seit 20 Millionen Jahren eingefrorenes Alien findet, das über einen Meter groß ist, 42 Kilogramm wiegt, blaues Haar, grünes Blut und drei rot glühende Augen hat. Als die Wissenschaftler es auftauen, erwacht es zum Leben und absorbiert alles um sich herum, darunter auch Menschen. Es wird klar, dass das Ding nicht nur die Körper anderer, sondern auch deren Persönlichkeit nachahmen kann.
Die Kurzgeschichte von Joseph W. Campbell Jr., die er unter dem Pseudonym Don A. Stuart in der August-Ausgabe von Astounding Science Fiction veröffentlichte, stammt aus dem Jahr 1938. Rund 13 Jahre später gab es die erste Verfilmung. Das Monster sah dort aus wie der Bruder von Frankensteins Kreatur(öffnet im neuen Fenster) - aber der Film beeindruckte einen kleinen Jungen namens John Carpenter.
Die Idee zum Remake
Gut 30 Jahre später sollte das Ding wiederauferstehen und John Carpenter, ein großer Fan von Howard Hawks, dem Produzenten des 1951er-Films, konnte sich einen Traum erfüllen. Die Idee für ein Remake kam bereits 1975 zustande, als der damalige Fernsehproduzent Stuart Cohen den noch jungen Carpenter traf und beide sich über Campbells Originalgeschichte unterhielten.
Zu dem Zeitpunkt war Carpenter jedoch noch unbekannt und Cohen brauchte zwei weitere Jahre, um Universal von der Richtigkeit der Idee zu überzeugen. Grünes Licht erhielt das Projekt jedoch erst 1979, nachdem Alien sich als riesiger Erfolg erwiesen hatte. Zu jenem Zeitpunkt war auch Carpenter kein unbeschriebenes Blatt mehr, hatte er doch mit Halloween (1978) einen gigantischen Erfolg feiern können.
Für das Drehbuch heuerte man Burt Lancasters Sohn Bill(öffnet im neuen Fenster) an, der im Lauf der folgenden Monate und Jahre verschiedene Versionen schrieb, die sich zum Teil deutlich unterscheiden (die Romanadaption von Alan Dean Foster basiert zum Beispiel auf der ersten Version und hat deutliche Unterschiede zum Film). Die Schwierigkeit war, alle Figuren gleichberechtigt zu behandeln und sowohl die Motivation als auch den Modus Operandi der Kreatur zu verdeutlichen. Anfangs empfanden Leser des Drehbuchs das Ding nämlich als sehr verwirrend.

Ein interessantes Detail an Lancasters Skript (und dem fertigen Film) ist, dass das Original als Referenz benutzt wird. Denn die zerstörte Wissenschaftsstation, in der das Ding gefunden wird, könnte derselbe Außenposten sein wie im Original, wenn das Ding die Protagonisten dort besiegt hätte.
Kurt Russell in der Hauptrolle
Für die Hauptrolle wurde Kurt Russell engagiert, der zu jenem Zeitpunkt bereits zweimal mit Carpenter zusammengearbeitet hatte. Er stieß als Letzter zum Cast, da man ursprünglich gedacht hatte, den Part von MacReady älter zu besetzen. Letzten Endes erkannte Carpenter jedoch, dass dieser für Russell, mit dem er zuvor Elvis und Die Klapperschlange gemacht hatte, geradezu prädestiniert war.
Als Carpenter mit der Arbeit an dem Projekt begann, wollte er weit über das hinausgehen, was Hawks geschafft hatte. Er wollte eine Kreatur, die nicht schwimmen, fliegen, kriechen oder gehen sollte. Sie sollte etwas gänzlich Neues sein. Darum wandte er sich an den in Wisconsin lebenden Künstler Dale Kuipers, der die Kreatur designen sollte.
Kuipers entwickelte eine Kreatur(öffnet im neuen Fenster) , die sich um den Kopf ihres Opfers schlingen und in sein Gehirn eindringen würde, um alle Informationen zu erlangen, die es braucht, während es gleichzeitig Eier in ihm ablegte. Carpenter war mit dem Design zufrieden und wollte mit Kuipers weitermachen, als Kuipers bei einem Unfall verletzt wurde und für zwei Monate ausfiel. Carpenter wandte sich dann an Rob Bottin, der aus dem Design die Kreatur machen sollte.
Ein Jahr nur für die Spezialeffekte
Carpenter kannte Bottin(öffnet im neuen Fenster) schon von der gemeinsamen Arbeit an The Fog (1980), doch erst seine Werwolf-Effekte für The Howling (1980) machten deutlich, dass er der Aufgabe auch gewachsen war. Bottin war interessiert, fand das Design jedoch nicht so spektakulär, da es zu sehr einem Insekt glich. Darum lehnte er ab, aber Carpenter kam noch einmal auf ihn zu und bot ihm an, neue Designs zu entwerfen.
Als der Regisseur hörte, was Bottin sich ausgedacht hatte, brauchte er ein wenig Bedenkzeit. Die Visionen des Künstlers waren so ungewöhnlich, dass Carpenter sich fragte, ob und wie das technisch überhaupt machbar wäre.
Bottins Arbeit begann im April 1981. Vier Monate später fanden die Dreharbeiten statt, wobei Carpenter schon während der Produktion den Film schneiden konnte. Der Großteil der Effekte entstand jedoch erst nach dem Ende der Dreharbeiten, wobei Carpenter das Drehen der Effektsequenzen eigenhändig übernahm.
Bottin stellte ein 40-köpfiges Team zusammen - man hatte auch Kuipers angeboten, daran teilzuhaben, doch dieser hatte abgelehnt - und begann mit einem Budget von 750.000 Dollar, das später auf 1,5 Millionen anwachsen sollte. Für die Storyboards und Konzeptzeichnungen, die zu den zahlreichen Effektszenen gemacht werden mussten, verpflichtete man Mike Ploog, der in den 70er Jahren als Comiczeichner beim Verlag Marvel auf sich aufmerksam gemacht hatte.
Ploog und Bottin arbeiteten eng zusammen, um Effekte zu erschaffen, die so abgedreht und merkwürdig waren, wie nur irgend möglich. Über die Umsetzung wollte man sich zu gegebener Zeit Gedanken machen. Es sollte ein Jahr dauern, bis alle Effekte unter Dach und Fach waren.
Während Carpenter immer wieder fragte, ob dieses oder jenes überhaupt möglich sei, war sich Bottin sicher, dass er gängige Konventionen sprengen konnte. Jedoch hatte niemand erwartet, wie zeitaufwendig die Arbeit war, weswegen zum Ende hin Doppelschichten geschoben werden mussten, um rechtzeitig zum Kinostart mit den Effekten fertig zu werden.
Bottin, der 18 Stunden am Tag arbeitete, kam schließlich ins Krankenhaus. Über den genauen Grund schwieg man sich aus, doch wurde angenommen, dass es ein Magengeschwür oder Erschöpfungszustände waren, die ihn dorthin gebracht hatten. Die Arbeit ging auch ohne ihn weiter, hatte er doch längst die Richtung vorgegeben.
Aufgrund der schieren Masse der Effekte rief Bottin auch Stan Winston an und fragte, ob er Zeit hätte, einen zu übernehmen. Winston sagte zu und entwickelte das Hundemonster, wollte dafür jedoch keinen Credit haben, um nicht von Bottins Leistungen abzulenken. Ein "Special Thanks to Stan Winston" gab es im Nachspann dann aber doch noch.
Innerhalb eines Jahres wurden so Effekte erschaffen, wie sie niemals zuvor zu sehen waren. Das Blairmonster(öffnet im neuen Fenster) des Finales oder der Norris-Spinnen-Kopf sind von einer Intensität, die auch heute noch spürbar ist. Die Effekte sind derartig gut gestaltet, dass sie nach auch mehr als 20 Jahren keine Patina angesetzt haben. Im Gegenteil, der Film funktioniert heute genauso gut wie damals.
Der Flop
Die Previews für The Thing, 1982 noch als Das Ding aus einer anderen Welt in die Kinos gekommen, heutzutage aber auch hierzulande unter dem Originaltitel vermarktet, waren gut, doch konnten die Kritiker mit diesem Streifen nichts anfangen. Er war ihnen zu blutig und zu brutal, doch dabei übersahen sie, dass dieser Film alles andere als Splatter ist. Blut gibt es hier nur wenig (am effektivsten, aber auch einfachsten in der "Testszene"), sondern stattdessen gigantische Transformationen. Dieser Kritiker-Tenor änderte sich jedoch im Lauf der Jahre.
Ein weiterer Punkt, warum der Film auch vom Publikum nicht so gut angenommen wurde, war schlechtes Timing. Denn er lief im Jahr von E.T. - Der Außerirdische und war das genaue Gegenstück von Spielbergs Märchen. Wo E.T. der freundliche Besucher aus dem Weltraum war, war das Ding der schreckliche Gegenpart. Der Misserfolg des Films schadete auch John Carpenters Karriere, der für Universal eigentlich eine hochbudgetierte Adaption von Stephen Kings Der Feuerteufel hätte machen sollen. Der Einzige, der unmittelbar von The Thing profitierte, war Rob Bottin mit seinen damals 24 Jahren.
Das Prequel
Bemühungen, den Film in irgendeiner Form fortzusetzen, gab es lange. 2011 startete dann das Prequel in den Kinos, einfach nur The Thing(öffnet im neuen Fenster) getauft. Es erzählt die Geschichte der norwegischen Station, auf der das Ding das erste Mal aufgetaut wird. Ein großer Erfolg war der Film nicht, die Effekte waren auch nicht auf der Höhe dessen, was Carpenters Werk knapp 30 Jahre zuvor schon präsentiert hatte. Im Grunde war diese Vorgeschichte auch überflüssig.
An der Wirkung von John Carpenters Film ändert das nichts. Auch 40 Jahre nach seinem Debüt ist The Thing noch immer ein extrem spannender, unglaublich intensiver Film, dessen Effekte nach wie vor imposant sind. Ein Film für die Ewigkeit.



