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The Running Man: Sci-Fi-Action im Ruhepuls

Edgar Wrights Neuverfilmung von The Running Man erzählt die Geschichte des Stephen-King-Romans endlich originalgetreu, aber mit zu wenig Adrenalin.
/ Daniel Pook
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Kinoposter von The Running Man (2025) (Bild: Paramount Pictures)
Kinoposter von The Running Man (2025) Bild: Paramount Pictures

Ja, ist denn auf einmal wieder 1987? Gerade erst kam Predator ins Kino, eine Woche später startet heute The Running Man. Fast wie vor 38 Jahren, als zwei gleichnamige Actionklassiker mit Arnold Schwarzenegger innerhalb von nur fünf Monaten Premiere feierten.

Immerhin käut Hollywood die alten Filme nicht bloß wieder. Wie schon Predator: Badlands macht auch The Running Man 2025 vieles anders als sein Vorgänger – sogar besser, denn genau genommen erhalten wir erst jetzt eine getreue Adaption der Stephen-King-Romanvorlage(öffnet im neuen Fenster) , die hierzulande unter dem Titel Menschenjagd erschien.

Obwohl wir das grundsätzlich begrüßen und obwohl die Geschichte nun ihre trostlose Zukunftsvision glaubhafter darstellt, hat uns der neue Running Man nie so gepackt, wie es ein Film mit diesem Titel normalerweise schaffen müsste.

Eine Show zum Davonlaufen

Dabei hat der neue Film viel mehr Handlung und versucht, seine Figuren als nahbare Personen mit glaubhaften Problemen einzuführen, ehe die Action losgeht. Ben Richards (Glen Powell) braucht unbedingt Geld, um Medizin für seine kranke Tochter zu kaufen. Da er in seinem vorherigen Job Teil einer Arbeiterrevolte war, werden seine Bewerbungen konsequent abgelehnt. Im Armutsviertel von Co-Op-City kommt seine Familie nur über die Runden, weil Bens Ehefrau Sheila (Jayme Lawson) heimlich anschaffen geht. Für die teuren Medikamente reicht das aber nicht.

The Running Man (Filmtrailer, 2025)
The Running Man (Filmtrailer, 2025) (02:39)

Es sind Menschen mit derart aussichtslosen Schicksalen, ohne Hoffnung auf ein besseres Leben, die sich in der pessimistischen Zukunftsvorstellung des Romans und seiner Neuverfilmung freiwillig zu The Running Man anmelden, einer Fernsehsendung, die ihre Kandidaten wortwörtlich zum Abschuss freigibt.

Die Teilnehmer werden auf großer Bühne vorgestellt, verunglimpft, sogar mit manipulierten Videos als provokante, kriminelle Unsympathen präsentiert, ohne dass sie sich dagegen wehren können. Anschließend erhalten sie einen kurzen Vorsprung – und laufen von da an um ihr Leben.

Wohin? Das bleibt den Kandidaten selbst überlassen. Sie dürfen sich auf ihrer Flucht aller Mittel bedienen, sogar töten – und selbst ebenso getötet werden. Dem haben sie vertraglich zugestimmt.

Wer 30 Tage überlebt, wird reich

Wer die Hatz volle 30 Tage lang überlebt, hat dank des Jackpots von einer Milliarde New Dollar finanziell ausgesorgt. Geschafft hat das in sechs Jahren noch niemand. Dafür sorgen Profikiller, die in Zusammenarbeit mit Polizeikräften und begleitet von Kameradrohnen schwer bewaffnet Jagd auf Running-Man-Kandidaten machen.

Doch auch normale Bürger mischen mit. Wer die Gesuchten sichtet und meldet oder sie sogar selbst umbringt, wird dafür vom kostenlosen Fernsehsender Free-Vee bezahlt. Der hieß übrigens auch im Buch von 1982 schon so und ist keine Anspielung auf Amazons mittlerweile eingestellten Streamingdienst.

Wir verraten nicht zu viel, wenn wir erwähnen, dass Ben Richards sich schnell als Favorit seines Durchgangs von The Running Man in den Vordergrund spielt. Ein alter Untergrundkontakt (William H. Macy) versorgt ihn mit Kostümen und falschen Pässen, was ihm einen Startvorteil verschafft.

Geschickt übt Ben sich erst einmal in Geduld, verschanzt sich, versucht, nicht aufzufallen. Erledigt nur nötigste Aufgaben wie kurze Vlogbeiträge für die täglich ausgestrahlte Fernsehsendung, um Extrageldbeträge zu verdienen. Die kämen seiner Familie auch dann zugute, sollte er es nicht ins Ziel schaffen.

Früher war mehr Gladiatorenkampf

Wer Stephen Kings Buch, das er zuerst unter seinem Pseudonym Richard Bachman veröffentlichte, nicht kennt (die Verfilmung von 1987 hingegen schon), dürfte sich mehr als erwartet wundern. Wir haben eingangs nicht übertrieben, zu sagen, dass die alte Adaption(öffnet im neuen Fenster) einer ganz anderen Handlung folgt.

Sie zeigt Ben Richards als zu Unrecht wegen Massenmords verurteilten Ex-Polizisten, der wie ein moderner Gladiator in einer TV-Arena um seinen guten Ruf und seine Freiheit kämpft. Nebenbei versucht er, die Show The Running Man als korrumpiertes System zu entlarven. Dabei stehen ihm Runde für Runde exzentrische Psychopathen im Weg, deren theatralisches Auftreten an Wrestler erinnert.

Als B-Movie eingeordnet, macht der Film, gerade aus heutiger Sicht, durchaus Spaß. Auch weil vieles – nicht zuletzt Arnold Schwarzeneggers Schauspiel im Originalton – unfreiwillig komisch wirkt. Ein Rest Mediensatire ist sehr überzeichnet zu erkennen, wirkt aber eher wie absurde Dekoration für groteske Actionszenen mit Arnie.

Hetzjagd als Mitmachprojekt

Objektiv betrachtet, ist der neue Running Man ohne jeden Zweifel der deutlich bessere Film. Um die titelgebende Fernsehshow herum zeigt er viel mehr von der dystopischen Welt aus Stephen Kings Vorlage. Er führt deren autoritäre Strukturen beispielhaft am Alltag einer großteils verarmten Bevölkerung vor, die bei jeder Gelegenheit drangsaliert wird – und sei es nur, wenn Bürger nicht perfekt aufgereiht in einer Warteschlange anstehen.

Medien und Staatsgewalt werden endlich überzeugend als miteinander vermengte Institutionen dargestellt. Von einzelnen Charakteren abgesehen, gelingt das weniger parodistisch platt als im Schwarzenegger-Film.

Viel anschaulicher wird jetzt vermittelt, welche Funktionen The Running Man aus Sicht der herrschenden Obrigkeit überhaupt erfüllt und wie einflussreich die Sendung ist: dass die Show als Mitmachprojekt ein Ventil für die ärmste Bevölkerung darstellt, an den medial verteufelten Kandidaten als Feindbilder ihren Frust abzulassen.

Zugleich suggeriert sie Hoffnung, man selbst könne als Kandidat vielleicht das große Geld gewinnen oder wenigstens auf Kosten anderer eine große Abschiedsparty feiern, um sich so aus seinem tristen Leben zu verabschieden. Das Spiel findet in den Straßen statt, sein Publikum ist nicht bloß eine anonyme Masse im Kolosseum. Ein paar wenige Menschen unterstützen sogar die Teilnehmer.

Von allem etwas, aber nichts konsequent

Die wohlhabende Schicht von Co-Op-City ergötzt sich derweil aus sicherer Entfernung am Leid jener, die alles auf eine Karte setzen, um den Slums zu entkommen. Sie fühlen sich selbst besser, wenn der immer lächelnde, ewig lügende Moderator Bobby T (Colman Domingo) am Bildschirm die erfundenen Lebensverfehlungen der Runner aufzählt.

Mal erinnert die Menschenjagd in The Running Man an heutiges Reality-TV(öffnet im neuen Fenster) und dessen schaulustiges Publikum, dann wieder an eskalierende Hetze bei Social Media oder an Fake-News, befeuert durch manipulierte Videos . Von allem steckt etwas drin, doch nichts wird so konsequent ausformuliert, dass es im Kontext des Films wirklich nachhallt.

Im Zentrum beider Verfilmungen dominiert ohnehin dieselbe simple Wahrheit: Menschen mögen Brot und Spiele – notfalls mit Blut. Das war so(öffnet im neuen Fenster) , ist so(öffnet im neuen Fenster) und wird, glauben wir The Running Man, auch in Zukunft nicht anders sein.

Wir vermissen Stil und Tempo von Wrights früheren Filmen

Wir erwarten nicht, uns an diese Neuverfilmung in 38 Jahren so gut erinnern zu können wie wir uns bis heute an den Schwarzenegger-Film erinnern – mit all seinen Schwächen, absurden Szenen und Eigenarten, die zusammen einen eigenen Charme erzeugen.

Das Remake ist technisch sauber, modern gefilmt und nahe am Originalroman erzählt – und doch leider nie so originell, spektakulär, spannend oder flott inszeniert, wie wir es besonders von Regisseur Edgar Wright erwartet hätten. Dieser bekam all das zuvor bei Filmen wie Baby Driver(öffnet im neuen Fenster) , Scott Pilgrim(öffnet im neuen Fenster) oder Shaun of the Dead(öffnet im neuen Fenster) viel inspirierter und energiegeladener hin. Im Vergleich dazu mutet sein Running Man enttäuschend normal an.

Bei Hauptdarsteller Glen Powell springt der Funke auch nie ganz über. Grundsätzlich bringt er die körperliche Physis für eine Rolle mit einigen Actionszenen mit, soll aber gleichzeitig einen Durchschnittstypen aus sehr armen Verhältnissen verkörpern. Ihm Letzteres abzunehmen, fällt schwer. Und schauspielerisch stößt er immer dann an Grenzen, wenn es wichtig gewesen wäre, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Bezeichnend ist eine Szene vom Auswahlprozess der Running-Man-Teilnehmer.

Mal hier, mal da

Klischee-Bösewicht Dan Killian (Josh Brolin) schwärmt als Senderchef davon, wie unglaublich wütend Ben Richards auf die ganze Welt sei, wie sehr man das auch im Gesicht des Protagonisten ablesen könne, und – dass Killians Show davon profitiere. Doch wir sehen da emotional in Wirklichkeit gar nichts Eindrucksvolles, sondern nur einen gut aussehenden Mann(öffnet im neuen Fenster) mit einem Gesicht, wie geschaffen für stilvolle Parfumwerbung, der aber ungefähr so verärgert dreinblickt, als hätte er gerade eine Niete beim Rubbellos erwischt.

Anstelle einer pulstreibenden, intensiven Flucht, bei der jede Begegnung die letzte sein könnte und bei der unser Held konstant seine Beine in die Hand nehmen muss, wie es der Titel Running Man figurativ verspricht, sehen wir eine Erzählung, die beinahe gemütlich von Vignette zu Vignette springt. Mal ist Ben hier im Unterschlupf, mal da. Er trifft draußen häufiger Verbündete, als dass er von der breiten Öffentlichkeit lange am Stück verfolgt wird. Und es wird seelenruhig elend viel geredet.

Wir lernen gegen die Fernsehshow einen Widerstand im Untergrund kennen, erfahren in mehreren Monologen ausführlichst, wie manipulativ und berechnend das Format ist und dass die Runner – wenig überraschend – betrogen werden. Aber die von all dem beeinflussten Massen spielen im Geschehen bis kurz vor Schluss keine tragende Rolle. Wenn es schließlich doch dazu kommt, fehlt uns der miterlebte Weg dahin. Es wirkt wie unglaubwürdig drangehängt, nachdem der Film eigentlich fertig erzählt war.

Richtig brenzlig wird es für Protagonist Ben nur, wenn die vom Sender gesponserten Top-Assassinen und Polizeikräfte mal wieder ganz von selbst sein Versteck entdeckt oder ihn geortet haben. Zwar weiß Edgar Wright die jeweiligen Möglichkeiten seiner Kulissen, etwa ein mehrstöckiges Hotel oder ein Flugzeug in der Luft, bewusst als Bestandteile seiner Actionsequenzen einzusetzen. Hektische Schnittfolgen verhindern aber in entscheidenden Momenten, dass wir diese Szenen als spektakuläres Kino immer in vollen Zügen genießen können. Nur hier ist der Film also punktuell doch mal zu schnell.

Ins Kino rennen muss dafür niemand

Der neue Running Man ist trotzdem gut, macht nichts grob falsch. Er tut sich in der heutigen Zeit zwischen ähnlich gedachten, interessanter umgesetzten Konzepten von Squid Game , The Hunger Games oder The Long Walk – einer besseren Stephen-King-Adaption aus diesem Jahr – allerdings nicht genug hervor.

Ausgerechnet bei seinem bisher teuersten Projekt(öffnet im neuen Fenster) ist Edgar Wrights Handschrift als Regisseur und Autor kaum erkennbar. Gerade dieses hätte aber mehr Adrenalin, mehr Mut zu origineller Umsetzung gut vertragen können. Das Ergebnis ist zwar keinesfalls zum Davonrennen, für seinen Running Man muss aber niemand unbedingt ins Kino laufen.

The Running Man ist am 13. November 2025 in Deutschland erschienen. Im selben Jahr spielt übrigens die Romangeschichte von Stephen King. Und am gleichen Tag kam die erste Verfilmung 1987 in die Kinos.


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