The Outer Worlds 2 im Test: Das beste Nerd-Rollenspiel seit Jahren
Manchmal fühlt sich The Outer Worlds 2 an, als würde Captain Kirk auf Tatooine landen und dort eine Niederlassung von Amazon entdecken. Zwischen glänzenden Raumhäfen und verbeulten Blechhütten stolpern wir in dem Rollenspiel von Obsidian Entertainment(öffnet im neuen Fenster) in eine Zukunft, die zugunsten von gnadenlosem Kommerz ihre Ideale vergessen hat.
Genau darin liegt eine der Stärken dieses Titels: Er bietet nicht einfach Science-Fiction, sondern fragt ständig, was mit uns passiert, wenn Technik, Religion und viel Geld sich zu sehr miteinander vermischen.
Wir landen nach der Charaktererstellung und einem kurzen Prolog auf der Kolonie Arcadia, einer Welt im Konflikt zwischen Aufständischen, Konzernen und dem Militär, die alle denselben Anspruch erheben: Sie allein könnten die Ordnung aufrechterhalten. Es geht um Zeitverlangsamung, stellare Reisen und Dimensionsrisse – feinster Stoff für Nerds.
Gleich die erste Begegnung mit einer geheimnisvollen Agentin namens DeVries zieht uns in eine Geschichte, die sich immer weiter auffächert. The Outer Worlds 2 lässt uns in eine Welt eintauchen, die übrigens auch an Fallout erinnert: staubige Siedlungen, charmant veraltete Roboter, Reklamewände im 50er-Jahre-Design.
Hinter dem Retroglanz steckt ein Rollenspiel mit Tiefe. Die Quests sind eng miteinander verknüpft, Entscheidungen wirken nach und führen oft dazu, dass sich ganze Regionen verändern. Ein kurzer Dialog in einer Bar kann das Machtgefüge einer Fraktion verschieben. Wer unbedacht hilft, richtet womöglich mehr Schaden an, als ihm lieb ist.
Der Humor bleibt angenehm trocken. Die Figuren reden viel, aber selten um den heißen Brei herum. Wir können Gespräche jederzeit abkürzen, ohne den roten Faden zu verlieren, und gerade die kleinen absurden Ideen halten das Spiel lebendig.
Etwa wenn wir ein Paar Sprungstiefel erhalten – in einer Quest, die uns erst dann belohnt, wenn wir buchstäblich auf die Idee kommen zu springen (mehr verraten wir hier nicht). Solche Momente zeigen, wie elegant The Outer Worlds 2 Denken und Spielen miteinander verknüpft.
Viele Aufgaben lassen sich auf mehreren Wegen lösen: durch Diplomatie, List oder rohe Gewalt. Und anders als in vielen modernen RPGs bleiben die Konsequenzen überschaubar, aber spürbar: Wir sehen die Ergebnisse unserer Entscheidungen in Gesichtern, Städten und Kommentaren.
Computergesteuerte Begleiter wie eine Söldnerin oder ein fliegender Roboter reagieren glaubwürdig, diskutieren mit uns, widersprechen oder ziehen Konsequenzen. Ihre KI arbeitet solide, sie blockieren kaum Wege und greifen in Gefechten verlässlich ein – von kleinen Aussetzern abgesehen.
Die Kämpfe in der Ego-Perspektive (wahlweise auch in Third-Person) sind ordentlich, aber nie das Zentrum des Erlebnisses. Wer mag, kann mit Zeitverlangsamung, den Sprungstiefeln oder exotischen Waffen experimentieren, etwa magnetischen Sturmgewehren oder Ablenkungsgranaten.
Eigene Taktiken ergeben sich durch Fähigkeiten und Perks, die klar getrennt in Attribute, Skills und Spezialisierungen aufgeteilt sind. Charisma oder Intelligenz eröffnen zusätzliche Dialogoptionen, während Technikwerte über den Ausgang vieler Missionen entscheiden.
Erst nach und nach bemerken wir, wie die Systeme ineinandergreifen. Die Skill- und Entscheidungsstruktur erlaubt uns, den Charakter fast beliebig zu formen – als charmanten Manipulator, kalte Taktikerin oder tollpatschigen Wissenschaftler.
The Outer Worlds 2: Verfügbarkeit und Fazit
Selbst Schwächen (siehe Galerie) können Vorteile bringen, wenn wir sie annehmen – das muss man aber nicht. Dadurch entsteht das Gefühl, dass keine zwei Spieldurchläufe gleich verlaufen.
Das Interface ist übersichtlich. Automatisches und manuelles Speichern sind vorhanden. Auf Konsole funktioniert die Steuerung präzise, auf PC lässt sich alles vollständig neu belegen.
Die Welt von Arcadia ist eine der schönsten, die Obsidian bisher gebaut hat. Die Mischung aus futuristischen Anlagen, rostigen Außenposten und fremdartigen Landschaften wirkt glaubwürdig und stimmungsvoll.
Wenn sich in der Ferne leuchtende Risse am Himmel öffnen, die Raum und Zeit zu verschlingen scheinen, fühlt sich das Universum wirklich gefährlich an. Die Musik schwelgt zwischen Retro-Synthesizer und Western-Melancholie.
Technisch zeigt sich das Spiel auf Basis der Unreal Engine 5 stabil. Auf Xbox Series X laufen im Performance-Modus 60 fps, wer lieber mehr Schärfe möchte, kann auf 30 oder 40 fps mit höheren Auflösungen wechseln.
Auf PC werden DLSS 4 (inklusive Frame Generation), AMD FSR und Intel XeSS unterstützt; Raytracing, HDR und 21:9-Ultrawide sind ebenfalls an Bord. Unterstützung für PC-Handhelds (Steam Deck, ROG Ally) soll laut den Entwicklern erst später per Update folgen.
Kleinere Bugs wie drehende NPCs oder überlappende Radiotracks stören wenig. Umfang und Tempo sind gut austariert: Rund 30 Stunden sind es für die Hauptkampagne, mit allen Nebenquests und Begleitergeschichten geschätzt 70 bis 80 Stunden.
The Outer Worlds 2 erscheint am 29. Oktober 2025 für Xbox Series X/S, Windows-PC und Playstation 5 für jeweils rund 70 Euro. Außerdem ist es im Xbox/PC Game Pass enthalten – in den Abos, die noch Day-One-Zugang bieten .
Mikrotransaktionen und Multiplayer gibt es nicht. Die Sprachausgabe ist nur auf Englisch verfügbar, dazu kommen deutsche Untertitel und Bildschirmtexte. Die USK hat eine Freigabe ab 16 Jahren erteilt.
Fazit
The Outer Worlds 2 ist ein Rollenspiel für Menschen, die Spaß am Denken haben. Es belohnt Neugier statt Sammelwut, Zuhören statt Durchrennen, und es traut sich, klug zu sein, ohne belehrend zu wirken.
Zwischen Bürokratie-Satire, Philosophiekurs und Raumschiff-Abenteuer entfaltet sich ein Spiel, das nie die Fassung verliert – selbst wenn im wahrsten Sinne des Wortes alles um uns herum in Flammen steht.
Wir lachen über Konzern-Propaganda, verhandeln mit Fanatikern und merken irgendwann, dass wir längst nicht mehr wissen, wer hier eigentlich recht hat. The Outer Worlds 2 ist erzählerisch eines der stärksten Sci-Fi-RPGs der letzten Jahre. Spielmechanisch ist es eher konservativ, aber enorm stilsicher.
Kleine technische Macken und gelegentliche Orientierungslosigkeit ändern nichts daran, dass Obsidian hier sein bestes Science-Fiction-Rollenspiel seit langer Zeit abliefert: ein Abenteuer für alle, die lieber Fragen stellen, als einfache Antworten zu bekommen.
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