The Old Country im Test: Das neue Mafia bietet Gangster-Ehre und große Emotionen
Ein Schwefelbergwerk, ein junger Mann mit großen Augen, ein brutaler Alltag unter Tage: So beginnt Mafia – The Old Country. Doch Enzo will mehr vom Leben als Schweiß, Staub und Stollen.
Im Sizilien des Jahres 1904 führt ihn sein Weg von der Mine direkt in die Arme der Mafia. Und damit in eine Geschichte, die mit so viel Atmosphäre und Gefühl erzählt wird, dass man gern zehn bis zwölf Stunden mit ihr verbringt.
Im Zentrum steht Enzos Aufstieg im Clan von Don Torrisi. Anfangs wirkt die Organisation fast wie eine Art Nachbarschaftspolizei: Wird einem Bauern die Weinpresse gestohlen, hilft Enzo – allerdings nicht durch ruhige Worte, sondern mit durchgeladenem Revolver und gezücktem Messer.
The Old Country erzählt von der frühen Mafia, wie sie wohl gern gesehen werden wollte: als Ordnungsmacht im Schatten des Gesetzes. Gewalt gehört dazu, Ehre ist eine Währung. Und Enzos Liebe zu Isabella sorgt für eine emotionale Komponente.
Spielerisch präsentiert sich The Old Country eher bodenständig. Reitpassagen wechseln sich ab mit Ausfahrten im knatternden Oldtimer, dazu gibt es Feuergefechte aus der Deckung sowie gut umgesetzte Messerduelle, bei denen Parieren und punktgenaues Zustechen über Leben und Tod entscheiden.
Gesteuert wird das alles angenehm direkt, ohne zu überfordern. Auch Stealth-Passagen sind dabei, allerdings recht sparsam eingesetzt. Das gesamte Spiel wirkt nie überladen, sondern hält die Balance zwischen Action, Story und ruhigen Momenten.
Speichern darf man nicht manuell, was aber keine Probleme bereitet: Die Checkpoints sind sinnvoll gesetzt, die drei Schwierigkeitsstufen wirken fair. Anders als in vielen modernen Story-Games wirkt The Old Country auch zu keiner Zeit wie ein interaktiver Film.
Ein Highlight ist die Technik: Auf Basis der Unreal Engine 5 entfaltet sich ein wunderschönes Sizilien mit Olivenhainen, staubigen Feldwegen, engen Gassen und pittoresken Dörfern.
Es gibt keine offene Welt, die Areale sind schlauchartig, aber sie sind clever verzweigt und wirken lebendig. Sammelgegenstände gibt es auch, doch sie sind eher Beiwerk. Wer nach der Kampagne auf 100 Prozent gehen will, braucht einen langen Atem – motivierend ist das allein aber nicht.
Was besonders heraussticht, sind die Animationen. Ob ein schlichter Gruß unter Mafiosi oder ein stummer Blick zwischen Enzo und Isabella: Die Gesichter wirken unglaublich ausdrucksstark, jede Bewegung sitzt.
Technisch lief unsere getestete PC-Version solide, aber nicht makellos. In nativer 4K-Auflösung kam es zu massiven Slowdowns, etwa in dichten Gefechten oder bei schnellen Kameraschwenks.
Mit DLSS verschwanden diese starken Einbrüche vollständig, Artefakte fielen uns nicht auf. Allerdings war die Bildrate nicht immer ganz stabil, störend war das aber selten. Insgesamt ist die Performance ordentlich, das Spiel bleibt gut spielbar.
Mafia – The Old Country erscheint für Windows-PC (Steam), Playstation 5 und Xbox Series X/S für rund 50 Euro. Das von Hangar 13(öffnet im neuen Fenster) entwickelte Spiel hat weder Mikrotransaktionen noch Multiplayer. Die Sprachausgabe ist gelungen, die Alterseinstufung der USK beträgt 18 Jahre.
Fazit
Mafia – The Old Country lebt nicht von Gameplay-Innovationen, sondern von Atmosphäre und Handlung. Die Kämpfe mit Pistole oder Klappmesser sind solide umgesetzt, das Schussgefühl ist knackig, das Ausweichen und Kontern im Nahkampf geht gut von der Hand.
Was wirklich im Gedächtnis bleibt, ist Enzos Geschichte: eine Reise durch ein Sizilien im Wandel, durchzogen von Blut, Liebe und Loyalität. Kaum ein Mafia-Klischee wird ausgelassen, aber alles ist so stilvoll verpackt, dass man gerne dabei ist. Eine klare Empfehlung für Fans erzählerischer Actionspiele.
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