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Blade Runner in Star Wars

Zwischen den episodenhaft erzählten, actiongeladenen Sequenzen wechselt The Mandalorian and Grogu durchgehend mit hohem Erzähltempo Schauplätze und Dialoge. Das wirkt stellenweise recht gehetzt, wenn etwa im Kern interessante Figuren wie Sigourney Weavers Rebellenanführerin Colonel Ward nur wenige Minuten überhaupt auf der Leinwand zu sehen sind.

Kein Wunder: Der Film muss in seinen etwa zwei Stunden Laufzeit ein Skript für eine Serienstaffel mit acht Episoden abarbeiten. Da bleibt nicht viel Zeit für Charakterentwicklung. Viele neue Informationen bekommen wir deshalb auch zu den beliebten Hauptfiguren nicht. Der Mandalorianer ist eben stoisch und rebellisch und sein kleiner Partner Grogu möglichst knuddelig und süß.

Diese Dynamik funktioniert weiterhin sehr gut. Wir können nicht anders, als herzerwärmt in unserem Kinostuhl zu versinken, wenn Grogu auf der Leinwand zu sehen ist. Der kleine Baby Yoda bekommt im Film endlich die eigene kleine Heldenstory, die er verdient. Aber auch ein weiterer Charakter, über den wir erst einmal nicht zu viel verraten wollen, bringt einen interessanten Twist für eine Spezies, die in Star Wars sonst immer als besonders bösartig galt.

Holoschach in echt

Szenenwechsel finden in The Mandalorian and Grogu sehr oft statt. Landen die beiden anfangs noch auf einem Schneeplaneten, geht es nach einem kurzen Zwischenstopp bei der Questgeberin, mehr ist Sigourney Weavers Charakter im Film leider nicht, direkt zum nächsten Planeten.

Zum ersten Mal sehen wir dabei auch die Heimat der Hutten, Nal Hutta, in voll detaillierter Kinofilm-CGI-Qualität. Das ist ein Fest für Fans. Es verschlägt das Heldenduo zudem in eine düstere Stadt, die an eine Star-Wars-Version von Los Angeles im Klassiker Blade Runner erinnert. Hier wird unser Star-Wars-Abenteuer plötzlich zum Sci-Fi-Noir samt Syndikatsbossen und Intrigen.

Gleichzeitig ist sie Schauplatz für eine der coolsten Star-Wars-Referenzen seit Langem. Der Mandalorianer muss sich in einem Dejarik-Match gegen fiese Kreaturen behaupten. Fans der Ur-Trilogie werden bei dem Namen hellhörig: Der Film stellt das namensgebende Holoschach samt Kreaturen nach, bei dem Chewbacca den Droiden fast den Arm ausgerissen hätte – sehr cool!

Vier Bösewichte, kaum Herausforderung

Auf seinen Reisen legt sich Din Djarin mit gleich vier Bösewichten an, die allesamt kaum Zeit für Charakterentwicklung haben. Am bedrohlichsten wirkt da noch der Kopfgeldjäger Embo(öffnet im neuen Fenster), der dem Mandalorianer ab der Mitte des Films auf der Spur ist. Er ist auch die einzige Figur im Film, die es mit ihm und seiner Plotrüstung wirklich aufnehmen kann.

Am Ende führt die Schnitzeljagd des Mandalorianers zum Showdown: Alle Charaktere treffen im spektakulären Finale aufeinander, bei dem noch einmal alle Register gezogen werden. Da darf natürlich auch die obligatorische X-Wing-Staffel nicht fehlen, die gefühlt nur wegen der Nostalgie in Formation fliegt. Wirklich gebraucht hat der Mandalorianer die Verstärkung nicht.

Das Spektakel wird vom Soundtrack des Komponisten Ludwig Göransson begleitet. Er fällt vor allem dadurch auf, dass er kaum etwas mit den Motiven von John Williams und damit quasi der Essenz älterer Star-Wars-Filme zu tun hat. Das ist mutig: Statt voluminösem Orchester sind sehr oft synthetische Instrumente zu hören. In einigen Szenen funktioniert das ziemlich gut, in anderen fehlt uns der Pomp eines John Williams dann doch.

Fazit

Trotz all der Hektik, der stagnierenden Charakterentwicklung und dem Fehlen eines wirklich starken Bösewichts haben wir bei The Mandalorian and Grogu richtig Spaß gehabt. Der Film kann durch seine beiden Protagonisten bereits mit einem ikonischen Duo arbeiten, das herzerwärmend und cool zugleich sein kann.

Wir begrüßen auch Jon Favreaus Mut zu neuen Schauplätzen, einzigartiger, wenn für uns auch teils unpassender Musik und einem teilweise drastisch von Star Wars abweichenden Setting. Die Sümpfe von Nal Hutta und die dreckigen Straßen von Los Angeles im Star-Wars-Universum sind ein absoluter Augenschmaus.

Das Actionfeuerwerk wird an allen Ecken und Enden mit Easter Eggs und teils grandios inszenierten Hommagen drapiert. Wir sollten allerdings eine schnelle Auffassungsgabe haben: Kaum sind die Helden mit einer Actionsequenz fertig, geht es auch schon in das nächste Gefecht.

Hier merken wir dem Film an, dass er ursprünglich eine weitere Mandalorian-Staffel mit acht Episoden sein sollte. Es bleibt einfach keine Zeit, um allen Figuren genug Raum zu geben. So hätten wir von Sigourney Weavers tougher Colonel Ward gern mehr gesehen. Auch der aus Star Wars Rebels bekannte Zeb Orrelios steht hier eigentlich nur für den Filmtrailer Spalier.

Insgesamt ist The Mandalorian and Grogu ein enorm spaßiger Sommer-Blockbuster, der unsere Herzen erwärmt und die Fanboys und -girls mit großartigen Anekdoten abholt. Das ist würdiges Star Wars für die Kinoleinwand und eine fantastische Werbung für mehr The Mandalorian.


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