The Last of Us: Postapokalyptisch-packende TV-Serie mit Ellie und Joel

Achtung Spoiler: In dieser Rezension schreiben wir über Figuren und Handlung von The Last of Us – die TV-Serie und das Computerspiel. Wer nichts vorab wissen möchte, sollte nicht weiterlesen.
Es gibt Menschen, die lesen die letzten ein oder zwei Seiten von Kriminalromanen zuerst. So können sie nebensächliche und unglaubwürdige Ermittlungsdetails besser ignorieren und sich stattdessen auf die psychologischen und sonstigen dramaturgischen Details der Handlung konzentrieren. Ganz ähnlich ist es bei The Last of Us für wohl fast alle.
Denn die Hauptzielgruppe der neuen TV-Serie von HBO und Sony sind Fans, die das 2013 veröffentlichte Computerspiel kennen und lieben ( Version von 2022 auf Golem.de ). Auch wer sich nicht mehr an Details der Story erinnert, dürfte noch eine ungefähre Ahnung von ihrem Verlauf und vom Ende haben.
Die Entwickler – allen voran Autor, Chefdesigner und Produzent Neil Druckmann – haben es selbst mehrfach in Interviews gesagt und nach ein oder zwei Folgen der neunteiligen Staffel wird es immer klarer: Die Fernsehserie erzählt die gleiche Geschichte.
Die TV-Serie The Last of Us besteht aus neun Folgen. Die erste hat eine Länge von rund 83 Minuten, später gibt es noch eine ähnliche lange Episode. Die meisten Folgen sind zwischen 45 und 60 Minuten lang. Je nachdem, was man darunter versteht, enden zwei bis drei Folgen mit einem harten Cliffhanger.
Die Story beginnt mit dem Ausbruch einer durch Pilzsporen verursachten Pandemie, die Befallene in extrem aggressive, zombieähnliche Wesen verwandelt. Ein Biss reicht, um sich anzustecken und innerhalb weniger Stunden zu mutieren.
Von Boston zu den Rocky Montains
Der Hauptteil des Spiels ist im Jahr 2033 angesiedelt. Die TV-Serie wurde ins Jahr 2023 vorverlegt, dazu kommen entsprechende Anpassungen im Detail – Auswirkungen auf den Verlauf der Handlung hat das aber nicht. Die 14-jährige Ellie und der 52-jährige Joel reisen wie im Original von der Ostküstenstadt Boston nach Westen, bis ins Gebiet kurz vor den Rocky Mountains.
Die beiden sind nicht verwandt und zumindest anfangs auch nicht befreundet. Joel brüskiert Ellie, als sie langsam Vertrauen fasst: "Du bist Fracht, nicht Familie." Er ist genervt von ihren platten Witzchen, die zum großen Teil aus einem in Trümmern gefundenen Humorbuch stammen.
Natürlich wachsen die beiden zusammen und das neu mitzuerleben, ist selbst für Kenner des Spiels ein Erlebnis, auch wenn (oder obwohl) es sich anders anfühlt als im Game. Der von Pedro Pascal dargestellte Joel wirkt in der Serie etwas weniger väterlich und mehr wie ein überforderter, fast normaler Typ – das ist positiv gemeint.
Die von Bella Ramsey gespielt Ellie sieht anders aus als die Ellie im Spiel. Sie wirkt etwas extrovertierter und burschikoser; nach etwas Fremdeln habe ich einen Zugang gefunden.
Ellie 2.0 trifft XXL-Story
Inzwischen finde ich sogar, dass das Charakterdesign von Ellie 2.0 besser zu Szenario und Story passt als das Original. Sorry, liebe Spielefans! Sowohl Pascal als auch Ramsey liefern eine tolle schauspielerische Leistung ab. Die Chemie zwischen dem Gespann stimmt, ihre Gefühlsregungen wirken glaubhaft.
Die neun Folgen basieren zwar auf der Spielevorlage, einige Abschnitte wurden in der Serie aber erheblich erweitert. Das gilt unter anderem für den Prolog, also den Abschnitt vor dem Ausbruch der Pandemie. Hier nimmt sich die Verfilmung mehr Zeit und erzählt die Geschehnisse von ein paar zusätzlichen Stunden.
Ähnliche erweiterte Sequenzen gibt es auch später. Die meisten beschäftigen sich mit Nebenfiguren, an die zumindest ich mich kaum noch erinnert habe. An mindestens einer Stelle ist diese Zusatzhandlung fast nicht mit Ellie und Joel verbunden – ich habe erschrocken nachgeschaut, ob ich versehentlich den Kanal gewechselt hatte (hatte ich nicht).
Die allgemeine Anmutung der Serie ist hochwertig. Fast nichts fühlt sich nach Pappmaché oder Kulisse an, lediglich einige Landschaftsaufnahmen wurden vermutlich mit Computereffekten angereichert.
Die Darstellung der vom Pilz zerfressenen Mutanten ist gelungen, lediglich bei den Clickern erscheinen die fast schon ikonischen Schädelwucherungen ein bisschen aufgesetzt – im wahrsten Sinne des Wortes.
Es gibt ein paar minimale inhaltliche Änderungen gegenüber dem Spiel. So erfolgt in der Serie die Übertragung der Infektion über Ranken statt über Sporen, wodurch die Helden an keiner Stelle die aus dem Game bekannten Gasmasken tragen müssen.
Dafür, dass ich im Spiel die meiste Zeit mit Kämpfen beschäftigt war, gibt es in der Serie gar nicht mal so viel Action und Horror. Aber wenn, ist er klasse umgesetzt. Der Splatter- und Gorefaktor ist stellenweise hoch, The Last of Us richtet sich an Erwachsene.
TV-Serie The Last of Us: Verfügbarkeit und Fazit
In Deutschland ist The Last of Us auf Sky (Entertainment Plus Paket über Sky Q sowie Sky Wow Serien oder Sky Wow Filme & Serien) ab der Nacht auf den 16. Januar 2023 zu sehen, wenn auch die Weltpremiere in den USA erfolgt. Es wird auf Deutsch oder in der Originalfassung und mit deutschen oder englischen Untertiteln ausgestrahlt.
Ich habe nur die englische Version ohne Untertitel gesehen, über die Lokalisierung kann ich deshalb keine Aussagen treffen. Es gibt weder spezielle Dialekte noch allzu viele leise, geflüsterte oder genuschelte Stellen, so dass ich wenig Verständnisschwierigkeiten hatte.
Nach der Premiere steht laut Sky immer am Montag eine neue Folge zur Verfügung. Voraussichtlich im März 2023 wird die Serie auch in 4K auf Sky Atlantic ausgestrahlt. Bestätigte Informationen über Video- und Audioformate liegen Golem.de nicht vor – dem Wissensstand der Redaktion nach kommt Surround-Sound 5.1 zum Einsatz.
Fazit
Die TV-Serie zu The Last of Us ist Fanservice vom Feinsten und gleichzeitig das Gegenteil. Prima Fanservice deshalb, weil Fans die Handlung eines tollen Spiels noch einmal neu mit herausragenden Darstellern erleben können.
Außerdem sehen sie in der Serie mehr von einer interessanten postapokalyptischen Welt und entdecken gelungene Anspielungen auf das Original. Allein schon diese Vergleiche machen sehr viel Spaß!
Die Serie ist aber auch das Gegenteil von Fanservice, eben weil die Handlung schon bekannt ist. Es gibt durchaus Momente, die ohne Vorwissen ziemlich dramatisch wären – mit eher nicht.
Am besten funktioniert es, wenn die Story um neue Elemente erweitert wird, aber bei den Hauptfiguren bleibt. Exemplarisch für diese gelungenen Handlungserweiterungen steht der lange Prolog in der Auftaktfolge. Es gibt aber auch spätere XXL-Abschnitte, die klasse sind.
Dagegen erscheint mindestens eine Sequenz, die wenig mit Ellie und Joel zu tun hat und auch eine andere Stimmung bietet, deutlich zu umfangreich und zu wenig verwoben mit dem eigentlichen Abenteuer.
Die allgemeine Inszenierung ist gelungen. Es gibt viele Außenszenen in der zerstörten Welt, die meisten Spezialeffekte und postapokalyptischen Landschaften wirken glaubwürdig. Nur wer genau hinsieht, bemerkt manchmal einen künstlichen Schleier.
Die kleinen Änderungen gegenüber dem Spiel, etwa der Verzicht auf Schutzmasken, sind verzeihbar. Immerhin ist The Last of Us mit dem Original so eng verbunden wie keine andere Spieleverfilmung. Etwas mehr Action, Horror und Grusel wäre aber schön gewesen.



