The Hunt for Gollum: Vor dem großen Kinofilm gab es den großen Fanfilm
Für Fans von Mittelerde war es die Nachricht des Jahres: Peter Jackson produziert einen neuen Der-Herr-der-Ringe-Film, Andy Serkis inszeniert und spielt die Hauptrolle. Der Titel: The Hunt for Gollum .
So manchem mag der Titel vertraut erscheinen. Es gab ihn schon einmal: bei einem britischen Fanfilm, der 2009 debütierte.
Nach der Ankündigung des großen Kinofilms für 2026 reichte das produzierende Studio Warner Bros. eine Copyright-Beschwerde bei Youtube ein, weswegen der Fanfilm zeitweise nicht mehr zu sehen war. Es dauerte jedoch nur 24 Stunden und der Film war wieder abrufbar(öffnet im neuen Fenster) .
Der Fanfilm unterscheidet sich von vielen anderen derartigen Produktionen, weil er mit einer Laufzeit von knapp 40 Minuten erstaunlich lang ist, vor allem aber auch, weil er technisch exzellent umgesetzt wurde. Er geht über die Grenzen dessen hinaus, was ein Fanfilm ist, weil er sehr professionell aussieht – von den Kostümen, den Schauspielern und der Kamera bis hin zum Make-up und den Landschaften.
Gedreht wurde aber nicht in Neuseeland, was bei einem Budget von 3.000 Pfund auch gar nicht möglich gewesen wäre. Regisseur Chris Bouchard setzte seinen Film in Epping Forest und in Snowdonia(öffnet im neuen Fenster) um, das im nördlichen Wales liegt.
Die Jagd auf Gollum
Die Geschichte spielt während Der Herr der Ringe: Die Gefährten – und zwar nach Bilbos 111. Geburtstag, und bevor Frodo das Auenland verlässt. Nachdem Gandalf den einen Ring gesehen hat fürchtet der Zauberer, dass Gollum in Saurons Hände fallen und diesem sagen könnte, wo sich der Ring befindet. Er schickt darum Aragorn los, um Gollum aufzuspüren.
Aragorn macht sich auf die Suche und mithilfe eines anderen Waldläufers gelingt es ihm auch, Gollum zu finden, doch der kann entkommen. Nachts findet Argorn ihn wieder – just in dem Moment, als er sich vor einem schwarzen Reiter verbirgt.
Dieser flieht, als er das Licht der Elben erblickt, die Gollum gefangennehmen und verhören. Später erzählt Gandalf dem Waldläufer, dass Gollum von Bilbo Beutlin und dem Auenland weiß. Er muss los, um Frodo zu warnen. Das letzte Bild des Films zeigt Gollum, der davon träumt, Beutlin zu töten und seinen Schatz zurückzubekommen.
In jeder Beziehung herausragend
The Hunt for Gollum ist ein bemerkenswerter Film, der die Landschaften von Wales wunderbar nutzt, so dass der Film anmutet, als wäre er wie die große Trilogie von Peter Jackson in Neuseeland gedreht worden. Die Schauspieler sind durch die Bank gut.
Patrick O'Connor sieht Ian McKellen als Gandalf nicht nur ähnlich, er spielt auch gut. Adrian Webster als Aragorn ist auch großartig – er sieht Viggo Mortensen sogar ein bisschen ähnlich, vor allem aber ist er gut darin, die innere Ruhe von Aragorn zur Geltung zu bringen.
Gollum ohne Weta-Digital-Budget
Gollum sieht man nur einmal aus der Ferne und in einer Großaufnahme am Ende. Gut gemacht für einen Film, der kaum Budget hatte. Ansonsten befindet sich die Kreatur in einem Sack.
Merkwürdigerweise wurde Gollum von verschiedenen Personen gesprochen, was man auch deutlich hören kann. Die Effekte sind wiederum bemerkenswert, umso mehr, wenn man bedenkt, dass hier nicht das große FX-Budget von Weta Digital dahintersteckt.
Die Geschichte ist ansprechend erzählt – sie hat den genau richtigen Erzählfluss. Man merkt dem Film an, dass Bouchard versucht hat, Jacksons Filmen stilistisch gerecht zu werden. Auch in den Dialogen ist dies spürbar. Manche sind adaptiert aus Jacksons Filmen, mindestens jedoch davon inspiriert.
Insgesamt arbeiteten 160 Menschen unentgeltlich an dem Film, alleine 60 davon waren für die visuellen Effekte und die Matte Paintings zuständig. Bouchard arbeitete über das Internet mit Leuten zusammen, die von überall her kamen.
Ihm war wichtig, dass man Gollum im Film auch sieht. Es sind nur kurze Momente, aber sie sind essenziell, da es letztlich auch ein Verrat an der Geschichte gewesen wäre(öffnet im neuen Fenster) , Gollum nicht zu zeigen.
Die Anhänge
Der Fanfilm basiert auf demselben Quellmaterial, das auch Andy Serkis für den kommenden Kinofilm nutzen wird – die Anhänge in der Herr-der-Ringe-Trilogie(öffnet im neuen Fenster) . Dort ist nicht detailliert ausgeführt, was passierte, nachdem Gandalf das Auenland verließ, ein paar Sätze gibt es aber doch.
Die bilden die Basis für den Fan- und den Kinofilm, wobei beide während des ersten Teils der Trilogie spielen und sich auf einen Teilbereich der Geschichte konzentrieren, der bei Jacksons Film schon aufgrund der Laufzeit unmöglich einzubringen war.
Es ist ein Nebenplot, der sich eignet, um ihn herauszuziehen, der im Film selbst jedoch zu sehr von der Hauptgeschichte weggeführt hätte.
Der Fanfilm kann einen Eindruck davon geben, was man von Andy Serkis' Film erwarten darf. Bei diesem ist noch gänzlich unklar, ob bekannte Figuren dabei sein werden – Gandalf und Aragorn kämen durchaus in Frage, bei beiden wäre aber De-Aging notwendig, wenn nicht gleich neu besetzt werden soll.
The Hunt for Gollum war für einen Fanfilm ausgesprochen erfolgreich. Es gibt ihn seit 15 Jahren bei Youtube – in der Zeit wurde er mehr als 15 Millionen Mal angesehen. Gut möglich, dass das Interesse daran nach der Ankündigung des großen Films wieder zunimmt. Den kompletten Film kann man bei Youtube ansehen(öffnet im neuen Fenster) .
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