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The Evil Within 2 im Test: Überleben in der Horror-Matrix

Offene Welt statt Wahnvorstellungen: Spielmechanik und Stimmung in The Evil Within 2 unterscheiden sich spürbar vom Vorgänger. Fans von Horror und Splatter kommen trotzdem wieder auf ihre Kosten.
/ Peter Steinlechner
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Hauptfigur Sebastian Castellanos in The Evil Within 2. (Bild: Bethesda)
Hauptfigur Sebastian Castellanos in The Evil Within 2. Bild: Bethesda

Lagerhallen voller Leichen oder vielgliedrige Monster: Wenn der ehemalige Polizist Sebastian Castellanos so etwas sieht, dann spinnt er nicht. Anders als im ersten Teil ist in The Evil Within 2 von Anfang an klar, dass wir als Castellanos eine Art Matrix durchstreifen. Gleich im Intro bekommen wir mit, wie die Hauptfigur an eine riesige Maschine mit dem Namen Stem angeschlossen wird – anschließend erwachen wir in einer Horrorwelt. Castellanos will dort nach seiner Tochter Lily suchen, die vor drei Jahren verschwunden ist.

The Evil Within 2 – Test
The Evil Within 2 – Test (01:29)

In der ersten Stunde des Spiels sind wir auf recht linearen Pfaden unterwegs und lernen die Steuerung und einen Teil der Menüs kennen. The Evil Within 2 bietet dabei schön gestaltete Umgebungen und ein paar deftige Horrormomente – soweit erinnert das Programm noch sehr an den Vorgänger. Das ändert sich, als wir in der offenen Umgebung Union ankommen.

Union ist so etwas wie die Gruselvariante einer kleinen US-Siedlung: Eine Kirche, eine Tankstelle, viele einfache Bauten und verwilderte Vorgärten. Auf den Straßen sind allerdings schon längst keine Autos mehr unterwegs, stattdessen nagen Zombies und andere Monster an Leichen, überall türmen sich Berge von Toten.

In dieser Siedlung können wir uns weitgehend frei bewegen. Anfangs führt uns das Programm zu einem sicheren Unterschlupf, auch später bleibt die Haupthandlung immer erkennbar – wir müssen dazu im Journal einfach die entsprechend markierte Mission auswählen. Alternativ können wir aber auch einfach so durch den Ort streifen und durch das Töten von Monstern und das Durchsuchen von Gebäuden unsere Vorräte an Munition und anderer Ausrüstung aufstocken. Der Horrorfaktor ist in den offenen Gebieten nicht so hoch wie sonst, stattdessen steht Action sehr im Vordergrund.

Längst nicht alle Häuser sind zugänglich – aber wenn, dann erwarten uns viele hübsch inszenierte Zwischensequenzen und teils etwas stärkere Gegner als auf den Straßen. In der Kirche etwa müssen wir uns… Ach, die Überraschung wollen wir hier lieber doch nicht verraten. Zusätzlich zu den Kampagnenmissionen und dem freien Erkunden gibt es noch kleinere Aufgaben, durch die wir unter anderem an die stärkeren Waffen gelangen – anfangs kämpft Castellanos nämlich nur mit Pistole und Messer.

Vor allem auf den beiden höheren der vier Schwierigkeitsgrade kommen wir damit natürlich nicht sehr weit – auch, weil es wie immer in solchen Spielen absichtlich sehr wenig Munition gibt, deren Gebrauch gut überlegt sein will. Um zu überleben, muss wie im Vorgänger also schweres Kampfgerät her.

Relativ rasch finden wir etwa die Armbrust, für die es unterschiedliche Bolzen gibt. Wir können Untote damit einfach über den Haufen schießen. Oder wir schleichen uns in der Nähe einer Zombieansammlung zu einem Hydranten, lassen Wasser auf die Straße laufen und schalten die Horden dann auf einen Schlag mit dem Elektrobolzen aus.

Verfügbarkeit und Fazit

In The Evil Within 2 gibt es spürbar mehr derartige Tricks als im Vorgänger. Sie nach und nach zu entdecken und gezielt einzusetzen, macht einen großen Teil des Spielspaßes aus. Übrigens hat das japanische Entwicklerstudio Tango Gameworks(öffnet im neuen Fenster) auch die freischaltbaren Charaktereigenschaften von Castellanos entsprechend überarbeitet und erweitert. Die neuen Skills schalten wir erneut mit einem – fast jederzeit möglichen – Besuch bei Schwester Tatjana frei.

The Evil Within 2 – Trailer (E3 2017)
The Evil Within 2 – Trailer (E3 2017) (04:28)

Im Rahmen der rund 20 Stunden langen Kampagne verbringen wir den Großteil der Zeit beim relativ freien Erkunden von Union. Zwischendurch gibt es aber auch mehrmals Abschnitte, die linear angelegt sind und in denen wir natürlich auf fies aussehende Monster treffen – oder wie im Vorgänger durch gespenstisch anmutende Umgebungen laufen. Den Spielstand können wir manuell nur in den Unterschlüpfen sichern, zwischendurch speichert das Programm automatisch.

Die Steuerung mit der seitwärts versetzten Schulterperspektive hat sich gegenüber dem ersten Teil nicht grundlegend geändert. Immerhin gibt es nun eine Übersichtskarte. Und wer eines der Standardmonster erledigt hat, muss es nicht mit einem Streichholz in Brand stecken, um es endgültig auszuschalten. Außerdem nutzt das Bild nun im Normalfall den ganzen Monitor und blendet keine schwarzen Ränder ein.

Das Programm basiert auf einer modifizierten Version der id-Tech-5-Engine, die übrigens ebenso wie die virtuelle Welt den Namen Stem trägt. Die Grafik ist durchgehend sehr düster und nicht übertrieben detailreich. Dafür wirken die Animationen sehr aufwendig, und überhaupt ist The Evil Within 2 auffallend liebevoll in Szene gesetzt – da kann man dann auch mal über die ein oder andere matschige Textur hinwegsehen.

The Evil Within 2 ist für Windows-PC, Playstation 4 und Xbox One erhältlich und kostet um die 60 Euro. Es gibt keinerlei Multiplayermodi und auch kein Mikropayment, sondern lediglich eine Einzelspielerkampagne. Die deutsche Sprachausgabe ist sehr gut, englische Sprachausgabe und Bildschirmtexte sind ebenfalls verfügbar. Hierzulande erscheint das Programm ohne jeden inhaltlichen Schnitt mit einer USK-Freigabe von 18 Jahren.

Fazit

Eigentlich gehört The Evil Within 2 in Grund und Boden verdammt! Statt wie der erste Teil auf ungewöhnlichen, sehr surrealen Horror zu setzen, gibt es nun hauptsächlich konventionell aufbereitete Überlebenskämpfe. Allerdings finden wir, das ist klasse umgesetzt. Insbesondere in den Abschnitten mit der offenen Welt macht es Spaß, durch Schleichen und den Einsatz von Ausrüstungsgegenständen und Spezialfähigkeiten gegen das Böse zu streiten. Stellenweise erinnert die Mischung fast schon an ein Thief oder Dishonored.

Weitere Pluspunkte sammelt das Programm unter anderem durch die schön erzählte Handlung. Wer bei Horror vor allem an platzende Zombieköpfe denkt, kommt auf seine Kosten – aber eben auch die Freunde glaubwürdiger Figuren und subtiler Zwischentöne. The Evil Within 2 ist mit seiner Mischung aus Gruseln, Stealth und Action ein richtig gutes Spiel geworden.


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