Abo
  • Services:

The Cleaners: Wie soziale Netzwerke ihre Verantwortung outsourcen

"Delete. Ignore. Ignore. Delete." Die Dokumentation The Cleaners blickt in die Gedankenwelt von Facebooks Sittenwächtern, die täglich Tausende gemeldete Inhalte löschen oder freigeben - ein realer Social-Media-Horrorfilm ohne Aussicht auf ein Happyend.

Eine Rezension von veröffentlicht am
Filmszene aus der Doku The Cleaners
Filmszene aus der Doku The Cleaners (Bild: Gebrüder Beetz Filmproduktion)

Die städtische Müllabfuhr holt alles ab, was wir in die Tonne geschmissen haben, davon können wir uns am Straßenrand selbst überzeugen. Wer aber kümmert sich um den Abfall im Internet - die als unerwünscht oder verboten gemeldeten Beiträge in sozialen Netzwerken? Die deutschen Regisseure Moritz Riesewieck und Hans Block haben sich auf die Suche gemacht und traumatisierte Menschen gefunden, deren Arbeitswelt sie in ihrem Dokumentarfilm The Cleaners zeigen.

Inhalt:
  1. The Cleaners: Wie soziale Netzwerke ihre Verantwortung outsourcen
  2. Die Sünden der Plattform

Minutenlange Hinrichtungen, Terrorpropaganda, Fake-News und Kinderpornografie zwischen Politsatire, provokativer Kunst und journalistischer Berichterstattung aus Krisengebieten. Tausende Beiträge pro Tag. Evaluieren und Klicken im Sekundentakt. "Delete. Ignore. Ignore. Delete.", hören wir dazu wie eine Abfolge schnell heruntergebeteter Mantras aus dem Off - jeweils gesprochen von einem der sogenannten Cleaners, während er seiner Arbeit nachgeht. Was übersprungen wird, gilt als Fehleinschätzung. Nur drei Fehler im Monat sind erlaubt, sonst droht die Kündigung.

Laut Riesewiek und Block haben Facebook und andere führende Web-Plattformen aus Silicon Valley lokale Content-Moderatoren in vielen Städten, auch in Berlin. Der wichtigste und größte Teil jedoch arbeitet bei externen Dienstleistern in Manila auf den Philippinen. Es sind Billiglohnkräfte, die trotz schlechter Bezahlung vor allem von Komfort und Prestige eines Arbeitsplatzes mit PC im großen Bürogebäude gelockt werden. "Es ist besser, als draußen echten Müll zu sammeln", sagt eine von ihnen im Film. "Wir haben eine Mission, die Plattform von Sünden zu reinigen", sagt eine andere.

Sie stricken sich ihre Narrative, um einen solchen Beruf psychisch zu überstehen und auch für sich selbst rechtfertigen zu können. Bei Klagen über unerträgliches Sichtungsmaterial oder mentale Probleme sollen ihre Arbeitgeber nur noch mehr Druck ausüben und auf laufende Verträge verweisen - darunter eine Klausel, die zum Stillschweigen verpflichtet. Dass viele Philippiner streng gläubige Christen sind, ist durchaus ein Standortvorteil. Den klar formulierten Gedanken, sich selbst dem Verbotenen auszusetzen, um es anderen zu ersparen, symbolisiert The Cleaners überdeutlich mit Aufnahmen des auf den Phillipinen traditionellen Kreuzigungsrituals am Karfreitag.

Stellenmarkt
  1. item Industrietechnik GmbH, Solingen
  2. Technische Universität Darmstadt, Darmstadt

The Cleaners fängt den Arbeitsprozess seiner Protagonisten wie ein hochwertig gedrehter Thriller ein. Echt sind diese Szenen nicht. Mit einigen Aussteigern und detailgetreu nachempfundener Software haben Riesewieck und Block die eigentlich streng geheimen Abläufe der Mittelsfirmen simuliert und dabei ehemalige Moderatoren mit selbst zusammengestelltem Material konfrontiert. Dabei werden meist die Menschen und ihre unmittelbaren Reaktionen aus großer Nähe gezeigt, nicht die grausamen Bilder auf dem Bildschirm.

Nur einmal verharrt die Kamera länger auf dem unverpixelten Foto eines Geköpften. "Hier wurde eines der stumpfen Messer verwendet, so ein kleines aus der Küche. Man erkennt es am ausgefransten, zackig zulaufenden Schnitt entlang des Halses", kommentiert jemand, der bereits unzählige solcher Bilder und Videos betrachtet hat. Wir müssen nur wenige Momente hingucken, wo ein Content-Moderator meist tausendfach am Tag nicht weggucken darf. Schon das fällt uns schwer.

Die Sünden der Plattform 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 399,99€ mit Vorbesteller-Preisgarantie
  2. 1,49€
  3. 59,99€ mit Vorbesteller-Preisgarantie

FreiGeistler 23. Mai 2018 / Themenstart

Das ist ja eigentlich auch nur Big Data. In der KI-Forschung wird zwischen starker und...

FreiGeistler 23. Mai 2018 / Themenstart

Ach verd... Wie kommst du jetzt auf Geschlechtsunterschiede? Nein, wir sind nicht alle...

dp (Golem.de) 21. Mai 2018 / Themenstart

Vielen Dank für das große Lob und ich hoffe, Sie finden eine Gelegenheit, sich den...

Hakuro 20. Mai 2018 / Themenstart

Ich habe nichts zugelassen und bin auch für nichts verantwortlich. Die Arbeiter die sich...

Eheran 20. Mai 2018 / Themenstart

Hier geht es aber nicht um irgendwelche Sachverhalte, die man klar entscheiden kann. Man...

Kommentieren


Folgen Sie uns
       


BMW i3s - Test

Er ist immer noch ein Hingucker: Der knallrote BWM i3s zieht die Blicke anderer Verkehrsteilnehmer auf sich. Doch man muss sich mit dem Hinschauen beeilen. Denn das kleine Elektroauto der Münchner ist mit 185 PS ziemlich flott in der Stadt unterwegs.

BMW i3s - Test Video aufrufen
Nasa-Teleskop: Überambitioniert, überteuert und in dieser Form überflüssig
Nasa-Teleskop
Überambitioniert, überteuert und in dieser Form überflüssig

Seit 1996 entwickelt die Nasa einen Nachfolger für das Hubble-Weltraumteleskop. Die Kosten dafür stiegen seit dem von 500 Millionen auf über 10 Milliarden US-Dollar. Bei Tests fiel das Prestigeprojekt zuletzt durch lockere Schrauben auf. Wie konnte es dazu kommen?
Von Frank Wunderlich-Pfeiffer

  1. Nasa Forscher entdecken Asteroiden, bevor er die Erde erreicht
  2. Nasa 2020 soll ein Helikopter zum Mars fliegen
  3. Raumfahrt Nasa startet neue Beobachtungssonde Tess

Garmin Fenix 5 Plus im Test: Mit Musik ins unbekannte Land
Garmin Fenix 5 Plus im Test
Mit Musik ins unbekannte Land

Kopfhörer ins Ohr und ab zum Joggen, Rad fahren oder zum nächsten Supermarkt spazieren - ohne Smartphone: Mit der Sport-Smartwatch Fenix 5 Plus von Garmin geht das. Beim Test haben wir uns zwar im Wegfindungsmodus verlaufen, sind von den sonstigen Navigationsoptionen aber begeistert.
Ein Test von Peter Steinlechner

  1. Garmin im Hands on Alle Fenix 5 Plus bieten Musik und Offlinenavigation

Samsung Flip im Test: Brainstorming mit Essstäbchen und nebenbei Powerpoint
Samsung Flip im Test
Brainstorming mit Essstäbchen und nebenbei Powerpoint

Ob mit dem Finger, dem Holzstift oder Essstäbchen: Vor dem Smartboard Samsung Flip sammeln sich in unserem Test schnell viele Mitarbeiter und schreiben darauf. Nebenbei läuft Microsoft Office auf einem drahtlos verbundenen Notebook. Manche Vorteile gehen jedoch auf Kosten der Bedienbarkeit.
Ein Test von Oliver Nickel

  1. Indien Samsung eröffnet weltgrößte Smartphone-Fabrik
  2. Foundry Samsung aktualisiert Node-Roadmap bis 3 nm
  3. Bug Samsungs Messenger-App verschickt ungewollt Fotos

    •  /