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Die Sünden der Plattform

Was einen kompletten Film hätte füllen können, ist bei The Cleaners aber nur Ausgangspunkt einer Weltreise. Die Filmemacher haben verstanden, dass erst der globale Blick zu einer unheilvollen These führt, die uns wirklich alle betrifft: Die großen sozialen Netzwerke im Internet sind außer Kontrolle geraten, mit verheerenden Folgen. Gemeint sind zwar immer auch Google mitsamt Youtube, die Facebook-Tochter Instagram, Twitter und andere Technologiefirmen, im Film wird allerdings hauptsächlich Facebook beim Namen genannt. Als besonders drastisches Beispiel schildert der Blogger Nay San Lwin das Schicksal der Rohingya in Burma. Facebook sei dort die Hauptnachrichtenquelle, erzählt er, und dort sei der Hass gegen die sunnitisch-muslimische Minderheit gezielt geschürt worden, bis es zu Gewalt und Vertreibung kam. Die Vereinten Nationen beschuldigen Facebook, mit Hate Speech eine wichtige Rolle bei dem möglichen Genozid gespielt zu haben.

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Dass Hasspredigten, Gewaltinhalte und alles, was Streit verursacht, ohne weitere Regulierung vom Newsfeed-Algorithmus bevorzugt werde, sei per Programmierung gewollt, erklärt Tristan Harris, früherer Google-Designer und seitdem erklärter Gegner der gängigen Praktiken sozialer Netzwerke. Der Code sei schließlich einzig darauf ausgelegt, Traffic zu erzeugen und Nutzer zur Interaktion zu bewegen, egal wie. Der ehemalige Facebook-Produktmanager Antonio Garcia Martinez ergänzt in einem späteren Segment, über die Folgen seien sich die Entwickler während der Anfänge des Unternehmens nicht im Klaren gewesen, scheinen es heute aber bewusst nicht wahrhaben zu wollen. "Wir betreiben doch nur Mathematik. Ihr bekommt, was ihr wollt, und wir löschen fast nichts.", habe es oft als Rechtfertigung geheißen, wenn Bedenken laut wurden. "Move fast and break things" sei das Motto gewesen, das Ziel, "die Welt zu hacken."

  • The Cleaners (Bild: Gebrüder Beetz Filmproduktion)
  • The Cleaners (Bild: Gebrüder Beetz Filmproduktion)
  • The Cleaners (Bild: Gebrüder Beetz Filmproduktion)
  • The Cleaners (Bild: Gebrüder Beetz Filmproduktion)
  • Yaman Akdeniz (Bild: Gebrüder Beetz Filmproduktion)
  • The Cleaners (Bild: Gebrüder Beetz Filmproduktion)
  • Illma Gore (Bild: Gebrüder Beetz Filmproduktion)
  • Tristan Harris (Bild: Gebrüder Beetz Filmproduktion)
  • Nay San Lwin (Bild: Gebrüder Beetz Filmproduktion)
  • Antonio Garcia Martinez (Bild: Gebrüder Beetz Filmproduktion)
  • Nicole Wong (Bild: Gebrüder Beetz Filmproduktion)
The Cleaners (Bild: Gebrüder Beetz Filmproduktion)

Auch von Zensur durch Deals zwischen Politik und Onlineplattformen erzählt der Film. So lösche Facebook auf Anweisung von Präsident Reccep Teyyip Erdogan Postings, die seiner Regierung kritisch gegenüberstehen. Offizielle Begründung: Sie seien illegal und hätten einen terroristischen Hintergrund. Menschenrechts- und Digitalexperte Yaman Akdeniz hält dagegen, Facebook wolle nur verhindern, in der Türkei gesperrt zu werden. Die dortige Nutzerbasis für die eigene Statistik zu behalten sei wichtiger, als für Presse- und Meinungsfreiheit einzustehen.

Cleaners müssen hinschauen, Konzerne sehen weg

The Cleaners ist ein 88-minütiges Kompendium erschreckender Beispiele für die Sünden der Plattform - nicht nur derjenigen, von denen die Cleaners sie befreien sollen. Dennoch ist es richtig, dass der Film nach diesen Arbeitskräften in Manila benannt ist. Sie stehen als Schattenwirtschaft beispielhaft für die Agenda riesiger Konzerne, deren Systeme hinter verschlossenen Türen unsere Welt dramatisch beeinflussen, die ihre Probleme aber einfach schnell und billig löschen, bestenfalls selber gar nicht zu sehen bekommen wollen. Immense Verantwortung wird also per Outsourcing an Niedriglohnarbeiter abgeschoben, deren Qualifikation für solche Entscheidungen meistens genau so wenig ausreicht wie ihr kultureller Bezug zu den zu prüfenden Inhalten.

Als zugängliche, stilistisch spannend in Szene gesetzte Dokumentation mit aktueller Thematik ist The Cleaners eine Empfehlung und ein sehr wichtiger Film. Obwohl eine deutlich negative Einschätzung der sozialen Netzwerke erkennbar ist, halten sich die Regisseure mit ihrer Meinung zurück. Kritik und Fragestellungen werden nur in kurzen Texteinblendungen abgehandelt, der Film lässt ansonsten Cleaners, Aktivisten, Künstler, Menschenrechtsexperten und (ehemalige) Mitarbeiter verschiedener Konzerne für sich sprechen. Eine Mittelposition zwischen den Extremen auszumachen und eine Art rettende Lösung zu erahnen, gelingt uns als Zuschauer nicht. Wieder und wieder deutet der Film auf noch größere Katastrophen hin, die auf aktuellem Kurs der beharrlich schweigenden Internetriesen kaum noch zu verhindern seien. Und dass Riesewieck und Block davon nach jahrelanger Recherche vollkommen überzeugt sind, ist beinahe das Unbehaglichste an ihrem Film.

The Cleaners läuft seit dem 17. Mai 2018 deutschlandweit in ausgesuchten Kinos.

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 The Cleaners: Wie soziale Netzwerke ihre Verantwortung outsourcen
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logged_in 30. Aug 2018

Ich meine, da wird im Karussell schön prominent ein Artikel über "The Cleaners...

FreiGeistler 23. Mai 2018

Das ist ja eigentlich auch nur Big Data. In der KI-Forschung wird zwischen starker und...

FreiGeistler 23. Mai 2018

Ach verd... Wie kommst du jetzt auf Geschlechtsunterschiede? Nein, wir sind nicht alle...

dp (Golem.de) 21. Mai 2018

Vielen Dank für das große Lob und ich hoffe, Sie finden eine Gelegenheit, sich den...

Hakuro 20. Mai 2018

Ich habe nichts zugelassen und bin auch für nichts verantwortlich. Die Arbeiter die sich...


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