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Thales: Ukraine nutzt europäische Mini-Rakete gegen Shahed-Schwärme

Thales liefert lasergelenkte 70mm-Raketen mit Splitter-Sprengkopf an die Ukraine, die damit Drohnen -Angriffe kostengünstig abwehren kann.
/ Michael Linden
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70-Millimeter-Rakete von Thales (Bild: X/Screenshot: Golem.de)
70-Millimeter-Rakete von Thales Bild: X/Screenshot: Golem.de

Das Rüstungsunternehmen Thales setzt im Kampf gegen russische Gefechtsdrohnen auf eine neue Waffe: Eine 70-Millimeter-Rakete mit lasergesteuertem Lenksystem und speziellem Airburst-Gefechtskopf kommt bereits in der Ukraine zum Einsatz, wie Business Insider berichtet(öffnet im neuen Fenster) .

Das System ähnelt der US-amerikanischen APKWS-II-Rakete , verfügt jedoch über einen eigens entwickelten Sprengkopf, der bei der Detonation tausende Stahlkugeln freisetzt, wie The War Zone berichtet(öffnet im neuen Fenster) .

Tödliche Wolke gegen Drohnenschwärme

Der Sprengkopf enthält knapp ein Kilogramm Sprengstoff, der die dicht gepackten Stahlkugeln radial verteilt und so eine tödliche Wolke mit etwa 24 Metern Durchmesser erzeugt. Thales produziert die Raketen in seinem Werk im belgischen Herstal und fährt die Fertigung derzeit massiv hoch.

Laut Herstellerangaben kann die Rakete Drohnen auf Distanzen bis zu 3.000 Metern bekämpfen. Damit fallen auch die gefürchteten russischen Shahed-Langstreckendrohnen in ihr Einsatzspektrum. Der Airburst-Sprengkopf ermöglicht es zudem, mehrere Drohnen mit einem Schuss auszuschalten, sofern diese im Schwarm oder dicht gruppiert fliegen.

Einsatz von Hubschraubern und Humvees

Nach Angaben eines Thales-Sprechers gegenüber Business Insider werden die Raketen in der Ukraine bereits von modifizierten Mi-8-Hubschraubern aus eingesetzt, die mit Nato-Standard-Werfern ausgerüstet wurden. Zusätzlich kommen die Raketen im US-amerikanischen Vampire-System(öffnet im neuen Fenster) zum Einsatz – einem auf Humvees montierten Abwehrsystem, von dem 14 Exemplare an die ukrainischen Streitkräfte geliefert wurden.

Die Lasersteuerung erfordert, dass das Ziel bis kurz vor dem Einschlag beleuchtet wird. Bei schlechtem Wetter – wenn russische Drohnenangriffe besonders häufig sind – stellt dies eine Herausforderung dar. Wird der Laserstrahl unterbrochen, fliegt die Rakete fünf Sekunden lang auf Basis der letzten bekannten Zielposition weiter und geht dann in eine ballistische Flugbahn über.

Günstiger als Luft-Luft-Raketen, teurer als Abfangdrohnen

Bei den Kosten spricht Thales von einem "niedrigpreisigen Raketensystem" . Zum Vergleich: Eine moderne AIM-9X Sidewinder-Rakete kostet knapp 420.000 Dollar, eine Amraam über eine Million Dollar. Das APKWS-II-Lenksystem schlägt mit etwa 15.000 bis 20.000 Dollar zu Buche, hinzu kommen einige Tausend Dollar für Sprengkopf und Antrieb. Die Thales-Rakete dürfte in einem ähnlichen Preissegment liegen.

Allerdings sind die ukrainischen Abfangdrohnen, die ebenfalls gegen russische Drohnen eingesetzt werden, mit etwa 500 Dollar pro Stück deutlich günstiger – nur die teuersten Modelle kosten über 5.000 Dollar.

Massive Produktionssteigerung geplant

Thales verfügt über die Kapazität, jährlich 30.000 ungelenkte 70mm-Raketen zu produzieren – mit der Möglichkeit, diese Zahl durch zweischichtigen Betrieb zu verdoppeln. Bis Ende des Jahres plant das Unternehmen, rund 3.500 gelenkte FZ123-Raketen zu fertigen, mit dem Ziel, ab 2026 jährlich 10.000 Stück herzustellen.

Der Bedarf der Ukraine an kostengünstigen Anti-Drohnen-Waffen ist enorm. Russland könnte 2026 mehr als 50.000 Shahed- und Geran-Kampfdrohnen pro Jahr produzieren.

Wachsendes europäisches Interesse nach Drohnen-Vorfällen

Nach Drohnen-Zwischenfällen in Polen, Dänemark und Norwegen wächst das Interesse europäischer Nato-Staaten an wirksamen Drohnenabwehrsystemen stark. Im vergangenen Monat drangen 19 russische Drohnen in den polnischen Luftraum ein, einige wurden von polnischen und niederländischen Kampfjets abgeschossen.

Alain Quevrin, Landesdirektor von Thales Belgien, erklärte Business Insider: "Alle europäischen Länder zeigen Interesse. Sie stellen wirklich viele Fragen." Das Unternehmen hat seine Belegschaft am Standort Herstal bereits in Erwartung neuer Aufträge aufgestockt.


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