Teurer Kraftstoff: Wie wäre es mit einer umgekehrten Spritpreisregel?
Die Bundesregierung hat ein Problem: Die Preise für Benzin und Diesel sind in Deutschland seit Beginn des Irankriegs stark gestiegen – zwischenzeitlich lagen die Kosten pro Liter um jeweils rund 50 und 70 Cent über den Preisen vor dem Krieg. Viele Möglichkeiten, den Preis zu senken, kosten den Staat aber Geld, etwa Steuersenkungen oder Rabatte.
Und Geld hat die Regierung aktuell nicht. An andere Möglichkeiten wie ein generelles Tempolimit auf Autobahnen trauen sich die Politiker offenbar nicht heran – im Autoland Deutschland ist diese sinnvolle Art, Sprit zu sparen, ein Tabu.
Andere Möglichkeiten wie eine erhöhte Pendlerpauschale wirken erst spät, kosten ebenfalls Geld und könnten zu einer Verknappung von Sprit führen, da lange Fahrten attraktiver würden. Eine Übergewinnsteuer, also eine prozentuale Abgabe auf die Preiserhöhungen beim Sprit, wird bislang immer mal wieder erwähnt, aber nicht umgesetzt – sie müsste wohl auch auf EU-Ebene beschlossen werden.
Spritpreisregel funktioniert nicht
Stattdessen entschied sich die Regierung für die Spritpreisregel: Tankstellen, die zuvor Dutzende Male am Tag die Preise für Benzin und Diesel angehoben haben, dürfen das seit dem 1. April 2026 nur noch einmal am Tag um 12 Uhr machen. Eine einfache Maßnahme, die nicht viel kostet – aber auch nicht viel bringt.
Ein preisreduzierender Effekt ist bislang ausgeblieben, was wahrscheinlich kaum einen Autofahrer verwundert: Mineralölunternehmen sind nicht gerade dafür bekannt, dass sie Geld verschenken, was auch die Erfahrungen aus dem Jahr 2022 zeigen. Stattdessen steigen auch in den ersten Tagen nach der angeblichen Beruhigung des Kriegsgeschehens die Preise an den Tankstellen um Punkt 12 Uhr. Ich hätte einen Vorschlag.
Wie wäre es mit einer zeitlich begrenzten, umgekehrten Spritpreisregel? Einmal am Tag um 12 Uhr müssen die Tankstellen ihre Preise senken – um wie viel, ist ihnen überlassen. Klar ist aber: Wer den Preis stärker senkt, bei dem tankt man lieber. Insofern lohnt es sich für Tankstellen, die günstigste in der Umgebung zu sein. Autofahrer würden mit dieser Regel wissen, wo es vorerst den günstigsten Sprit gibt.
Umgekehrt wird ein Schuh draus
Preissteigerungen sind immer möglich – würden aber auf Kosten der möglichen Kunden gehen. Denkbar ist auch eine Art Marge, die die Preisbewegungen limitieren würden; das wäre aber deutlich komplizierter als die einfache Lösung, bei der der Markt in Form der Autofahrer die Nachfrage regelt. Der Staat hätte keine nennenswerten Ausgaben und vor allem Fuhrunternehmen und Pendler hätten mehr Sicherheit als jetzt.
Denn die treffen die aktuellen Preissteigerungen am härtesten, wie Berechnungen der FAZ(öffnet im neuen Fenster) zeigen. Während Gelegenheitsfahrer mit einem Benziner und 480 km Fahrstrecke im Monat am Ende 20 Euro mehr an der Tankstelle zahlen, sind es bei einem Fuhrunternehmen mit Diesel-Lkw und Fahrstrecken bis 8.333 km im Monat (100.000 km im Jahr) Mehrkosten von über 1.820 Euro – pro Monat.
Die umgekehrte Spritpreisregel ist natürlich nur ein Gedankenkonstrukt. In der echten Welt könnten die Mineralölunternehmen womöglich auch hier eine Möglichkeit finden, das System zu unterlaufen – falls man sie lässt.
In eben jener echten Welt können Autofahrer übrigens auch ohne staatliche Eingriffe Sprit sparen. Dabei geht es nicht einfach nur darum, auf bestimmte Fahrten zu verzichten beziehungsweise den ÖPNV oder das Fahrrad zu nutzen – auch langsameres Fahren auf der Autobahn spart eine Menge ein. Das wäre dann quasi ein persönliches Tempolimit.
IMHO ist der Kommentar von Golem [IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)]
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