Testflug des US-Militärs: Solarsegler Zephyr abgestürzt
Nur wenige Stunden vor dem Rekord für den längsten jemals aufgezeichneten Flug mit einem Luftfahrzeug ist die hochfliegende Drohne Zephyr von Airbus in der Wüste gecrasht.
Die solarbetriebene Drohne Zephyr ist nach einem Langstreckenflug von 64 Tagen über der Wüste von Arizona abgestürzt. Auf Tracking-Webseiten wurde die Route des Sonnenseglers am Freitag plötzlich unsichtbar und tauchte auch nicht - wie sonst üblich - wieder auf. Die Daten zeigen laut dem US-Magazin Simple Flying eine vertikale Sinkrate, die schnell zunahm und mit einer Geschwindigkeit von bis zu 83 Kilometern pro Stunde zu Boden raste.
Ein Vertreter von Airbus Defense soll Simple Flying den Verlust bestätigt haben, sprach aber nicht von einem Absturz. Demnach kam es "zu Umständen, die ihren aktuellen Flug beendeten". Personen seien nicht zu Schaden gekommen.
Der Zephyr startete am 15. Juni von einem Gelände des US-Militärs in Arizona. Unter Federführung des Heeres sollte die Drohne unter dem Rufzeichen ZULU82 in der Stratosphäre Tests zur Ausdauer, Antriebstechnik und Satellitenkommunikation durchlaufen. An den Flügen sind weitere militärische Einheiten beteiligt, darunter Abteilungen für Nachrichtendienst, Überwachung und Aufklärung sowie verschiedene Kampfkommandos.
Der Solarsegler besteht aus einem skelettartigen Rumpf aus leichten Kohlefaser-Verbundwerkstoffen. Die Flügel mit einer Spannweite von 25 Metern bestehen aus Solarzellen. Flüge erfolgen in Höhen über 15 Kilometer, über dem atmosphärischen Wetter und dem herkömmlichen Luftverkehr. Das nun getestete Modell wird von Airbus als Zephyr 8 bezeichnet und gilt als das neueste seiner Klasse.
Insgesamt wiegt der Zephyr 8 rund 75 Kilogramm. Ungefähr ein Drittel entfällt davon auf die Akkus, die bei Tageslicht für den Nachtflug aufgeladen werden. Als Nutzlast nennt Airbus fünf Kilogramm, darunter fallen hochauflösende Kameras, Radar-, Lidar- und Infrarottechnologien oder Hyperspektralsensoren.
Die meiste Flugzeit verbrachte der Zephyr im Südwesten der Vereinigten Staaten. Vor sechs Wochen unternahm die Drohne einen Abstecher über den mexikanischen Golf nach Belize und sammelte dabei erstmals Erfahrungen im internationalen Luftraum und über Wasser. Immer wieder beschrieb die Drohne auf ihrer Route Worte wie "Hello" oder "Army", mit Flugbewegungen zeichneten die Piloten außerdem leicht erkennbare Symbole, beispielsweise eine Hand.
Trotz des Absturzes hat der Zephyr mehrere Rekorde aufgestellt. Der eigene Langstreckenflug von 26 Tagen aus dem Jahr 2018 wurde weit übertroffen. Die Drohne war nur wenige Stunden davon entfernt, auch den seit 63 Jahren bestehenden Rekord für den längsten jemals aufgezeichneten Flug mit einem Luftfahrzeug zu brechen. Er wird von zwei Piloten gehalten, die damals mit einer Cessna 172 Skyhawk unterwegs waren, und liegt bei 64 Tagen, 22 Stunden, 19 Minuten und fünf Sekunden.
Zur Überwachung, Aufklärung, Umweltbeobachtung
Laut Airbus könnte der Zephyr beim Militär für Überwachungs- und Aufklärungszwecke genutzt werden oder die gegnerische Kommunikation abhören. Im zivilen Bereich könnte der Segler über "Smart Cities" kreisen oder zur Umweltbeobachtung eingesetzt werden. Flüge könnten auch zur Grenzüberwachung erfolgen. Im Gespräch ist zudem die Nutzung als fliegender Internetknoten. Außerdem soll der Zephyr als Relaisstation Signale zwischen anderen Flugzeugen und Bodenstationen übertragen können.
Der Zephyr gehört zur Klasse der sogenannten Höhenplattformen (High-Altitude Pseudo-Satellites - HAPS), bei denen es sich auch um Mikrosatelliten oder Luftschiffe handeln kann, wie sie etwa der französische Rüstungskonzern Thales mit seinem Stratobus entwickelt. Neben dem Militär untersucht auch die EU-Grenzagentur Frontex Möglichkeiten zum Einsatz derartiger Systeme.
In den kommenden Wochen sollte zusammen mit dem US-Militär ein zweiter Flug eines Zephyr über dem Pazifischen Ozean erfolgen: Ob dieser jedoch stattfindet ist unklar.