Testfahrt mit Ford Mustang Mach-E: Das Pferd fährt elektrisch
Der 17. April 1964 ist ein ganz besonderes Datum für die weltweite Automobilindustrie. Einen Tag, nachdem die Rolling Stones ihre erste Langspielplatte in Großbritannien auf den Markt brachten, stellte Ford in New York sein Modell Mustang vor. Ein schnittiges Sportcoupé wahlweise mit Reihensechszylinder oder V8-Motor. Stones und Mustang schrieben fortan Geschichte.
Der Ford Mustang ist der meistverkaufte Sportwagen der vergangenen 50 Jahre in den USA und war im vergangenen Jahr zum fünften Mal in Folge das meistverkaufte Sportcoupé der Welt. Souverän und sonor blubbern die großvolumigen Achtzylindermotoren. In der neuen Modellvariante des Mustangs entspringt dieser Klang künstlich dezent aus einem Soundgenerator. Den Mustang gibt es nun als Mach-E mit Elektroantrieb.
Unsere Testfahrt mit dem 350-PS-Modell hat gezeigt, dass der elektrische Mustang Fahrspaß mit Komfort und einigen für Ford neuen technischen Details verbindet.
Nur die Rückleuchten erinnern an den Verbrenner
An den Mustang mit Verbrenner erinnern lediglich die markanten dreiteiligen Rückleuchten, einem durchgängigen Designelement der Modellreihe seit den 1960er Jahren. Ansonsten ist der Stromer ein komplett anderes Auto. Der mit konventionellem Motor ist ein tiefer Sportwagen, der elektrische ein hohes SUV. Das ist mit seinen Außenmaßen von 4,71 m Länge, 1,88 m Breite und 1,62 m Höhe für ein typisch amerikanisches Auto klein geraten. Wirklich klein ist das Auto aber nicht, eher genau richtig, denn es bietet ausreichend Platz für fünf erwachsene Personen einschließlich Gepäck.
Zusätzlichen Stauraum gibt es in der Fahrzeugfront unter der ehemaligen Motorhaube mit einem Ladevolumen von 100 Litern auch für schmutzige Teile: Schlammige Wanderstiefel, nasse Sportklamotten oder Eis zum Kühlen von Getränken für die Strandparty können dort untergebracht werden. Die Stauwanne ist vollständig mit Kunststoff ausgekleidet, auswaschbar und mit Wasserablauf. Das ist zwar nicht neu, weil auch der Ford Puma eine solche Box hat, allerdings im Heck. Pfiffig und praktisch ist die Idee dennoch.
Wem der Platz vorne und hinten nicht reicht, der kann sich für den Mustang eine Anhängevorrichtung mit einer maximalen Anhängelast von gebremsten und ungebremsten 750 kg bestellen. Ausreichend Drehmoment für Anhänger haben Stromer allemal. Doch zusätzliches Gewicht geht zulasten der Reichweite – und die ist ein bestimmendes Argument beim Kauf eines Elektroautos.
Zwei verschiedene Akkugrößen
Den Mustang gibt es mit zwei unterschiedlichen Batterien, die sich mit Heck- oder Allradantrieb kombinieren lassen, so dass vier Antriebsvarianten entstehen. In der Allradversion haben die Autos jeweils einen Motor an der Vorder- und Hinterachse. Die Batterien haben nutzbare Kapazitäten von 68 und 88 Kilowattstunden (kWh), brutto 76 und 99 kWh, mit Reichweiten nach dem offiziellen WLTP-Zyklus zwischen 400 km und 610 km.
Die geringste Strecke schafft ein Fahrzeug mit der kleinen Batterie und Allradantrieb, die längste ist mit der großen Batterie und Elektromotor im Heck möglich. Wer lange Strecken fährt, wählt am besten diese Kombination. Doch wie realistisch sind die Reichweitenangaben?
Rund 400 Kilometer Reichweite
Auf der Landstraße und unter strikter Einhaltung aller Geschwindigkeitsbegrenzungen zeigt sich, dass von den angegebenen 540 km weniger als 400 km erreichbar sind. Auf 100 km brauchte das Testauto 27 kWh an Energie und damit deutlich mehr als angegeben. Ähnliche Werte hat auch Firmenauto.de bei einem längeren Test(öffnet im neuen Fenster) ermittelt.
Die Leistung der Motoren beträgt mit der kleinen Batterie in beiden Antriebsmöglichkeiten 198 kW (269 PS). Mit der großen Batterie und Heckantrieb sind es 216 kW (290 PS), die Top-Leistungs-Variante mit großer Batterie und Allrad hat 258 kW (346 PS). Alle Modellvarianten regeln bei einer Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h ab.
Bis zu 150 kW Ladeleistung
Laden lassen sich die Mustang-Batterien an Haushaltssteckdosen und öffentlichen Ladepunkten und damit sowohl mit Wechsel- als auch Gleichstrom. Für beide Arten werden Kabel mitgeliefert. Der Mustang lädt an Wechselstrom mit maximal 10,5 kW und an Gleichstrom mit bis zu 150 kW. Damit lässt sich der kleine Akku von 10 bis 80 Prozent innerhalb von 38 Minuten laden, beim großen Akku dauert dies 45 Minuten. Laut Firmenauto.de sinkt die Ladeleistung nach einem Ladezustand von 80 Prozent jedoch schlagartig auf 12 bis 14 kW ab.
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Mit der neuen Version des Kommunikations- und Entertainmentsystems von Ford lassen sich Softwareupdates online überspielen. Das läuft im Hintergrund, so dass Mach-E-Fahrer immer mit der aktuellen Softwareversion etwa für die Batteriesteuerung unterwegs sind. Dieser Service ist kostenlos, was nicht selbstverständlich ist.
Keine Türgriffe
Der Mach-E ist das erste elektrische Auto von Ford und mit dem Antrieb gibt es eine zweite Premiere für den US-amerikanischen Autobauer: den digitalen Schlüssel, Phone As A Key genannt. Das Auto lässt sich via Bluetooth mit einem legitimierten Smartphone öffnen, starten und schließen. Fahrten lassen sich am Smartphone planen, einschließlich Ladezeiten. Bis zu vier Personen können Fahrzeugfunktionen hinterlegen.
Außerdem lässt sich das Auto per Code über ein Ziffernfeld in der B-Säule öffnen – zur Sicherheit, sollten das Smartphone und der Schlüssel vergessen worden sein. Einen konventionellen Schlüssel für das Auto gibt es dennoch, Türgriffe aber nicht mehr. Aufgeschlossen wird der Mach-E über den Druck mit dem Finger auf einen Sensor an der B-Säule, dann lässt sich die Tür an einem kleinen Haken aufziehen. So öffnet man halb mechanisch, halb elektronisch die Autotür, hebt den Fuß hoch und steigt in den Mustang Mach-E zur Testfahrt ein.
Ford hat die Variante mit Allradantrieb, großer Batterie und allen wesentlichen Ausstattungsoptionen bereitgestellt. Dazu gehört das Panorama-Schiebedach, das den Innenraum luftig und geräumig wirken lässt. Das Ambiente erinnert an das Tesla Model 3, insbesondere durch den Touchscreen über der Mittelkonsole zwischen Fahrer und Beifahrer. Der vertikale Bildschirm hat eine Diagonale von 39 cm und ist zentrale Bedienungseinheit von gut 80 Fahrzeugfunktionen.
Was lässt sich neben Innenraumtemperatur, Sitzposition und Ambiente-Beleuchtung damit noch alles einstellen?
Der Mustang ist eindeutig ein Sprinter
An dem Bildschirm werden auch die drei Fahrmodi mit den ungewöhnlichen, aber selbsterklärenden Begriffen "Aktiv", "Zahm", "Temperamentvoll" eingestellt. "Zahm" zieht am stärksten die Zügel an und "Temperamentvoll" lässt dem Mustang freien Lauf. In diesem Modus wird der V8-Sound eingespielt. Er ist aber nur mit spitzen Ohren zu hören. "Aktiv" scheint für die praktische Alltagssituation programmiert. Das bestätigt sich im Fahrbetrieb.
Der Mach-E hat für ein US-amerikanisches Auto ein hervorragendes Fahrwerk. Es hält den 2,2 Tonnen schweren Brocken stabil in der Spur, selbst bei schnellem Tanz um Pylonen auf einem abgesperrten Teil eines Flugplatzes. 5,1 Sekunden braucht die am stärksten motorisierte Version, um von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen. Aber schon ab etwa 120 km/h lässt die Beschleunigung spürbar nach. Die Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h erreicht der elektrische Mustang nur ganz zäh. Er ist eindeutig ein Sprinter.
Einstiegsmodell voll förderfähig
Auf Landstraßen ist das Auto angenehm zu fahren, vor allem, wenn der Ein-Pedal-Modus aktiviert ist. Mit ein bisschen Übung ersetzt die einsetzende Rekuperation das Bremspedal. Richtig Spaß macht es, aus Kurven heraus zu beschleunigen, weil die Antriebsverteilung mit 70 Prozent am Hinterrad die Heckleistung bevorzugt. Dies vermittelt das Gefühl, mit Heckantrieb unterwegs zu sein, passend zu einem sportlichen Fahrzeug.
Die Preise für die vier Varianten des Mustangs liegen inklusive Mehrwertsteuer zwischen 46.900 und 62.900 Euro. Netto kostet die günstigste Variante weniger als 40.000 Euro und deshalb gibt es die volle staatliche Förderung von 9.000 Euro. Die drei anderen Versionen werden mit jeweils 7.500 Euro gefördert. Der Einstiegspreis des Mustangs liegt damit auf dem Niveau des direkten Konkurrenten Model Y von Tesla.
Um das Jahresende bringt Ford mit dem GT eine sportliche Topversion des Mustang Mach-E auf den Markt. Diese Variante hat 358 kW (487 PS) und ein maximales Drehmoment von 860 Nm. Das ist deutlich mehr, als selbst die stärksten V8-Motoren leisten.
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