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Test Wyse Cloud Connect: Dells mobiles Büro

Mit dem Wyse Cloud Connect hat Dell einen Android -HDMI-Stick im Programm, der sich dank Fernwartungsmöglichkeit und Thin-Client -Lösungen besonders für mobile Büroarbeit eignen soll. Golem.de hat sich den Stick genauer angesehen.
/ Tobias Költzsch
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Der Dell Wyse Cloud Connect (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)
Der Dell Wyse Cloud Connect Bild: Tobias Költzsch/Golem.de

Dells Android-Stick Wyse Cloud Connect unterscheidet sich optisch nicht von den anderen, mittlerweile zahlreich auf dem Markt vorhandenen HDMI-Sticks. Die Vorteile dieser Sticks sind ihre Größe und Portabilität: Die Geräte sind meist nur unwesentlich größer als ein USB-Stick und beinhalten ein komplettes Android-System, das bequem auf einem großen Fernseher verwendet werden kann.

Dell Wyse Cloud Connect – Fazit
Dell Wyse Cloud Connect – Fazit (01:03)

Dell fügt diesem Android-System noch einige Funktionen und Apps hinzu, die bei anderen Herstellern nicht zum Standard gehören und es möglich machen, den Stick als mobiles Büro zu nutzen. Dazu gehört neben Virtualisierungsapps auch die Möglichkeit für Systemadministratoren, den Dell-Stick umfassend von einem PC aus zu warten sowie Einstellungen und Einschränkungen vorzunehmen.

Der Cloud-Connect-Stick wird einfach an einen HDMI-Anschluss eines Monitors oder Fernsehers gesteckt, die Stromversorgung erfolgt über ein USB-Kabel. Hierfür kann entweder ein freier USB-Anschluss des Fernsehers oder ein separates Smartphone-Netzteil verwendet werden. Auch an einen Beamer kann der Stick leicht angeschlossen werden, um beispielsweise Präsentationen zu zeigen. Bei der ersten Inbetriebnahme öffnet sich automatisch ein Konfigurationsbildschirm für die Verbindung einer Bluetooth-Tastatur und die Einrichtung eines Google-Kontos. Statt einer drahtlosen Tastatur kann per OTG-Adapter mit Mini-USB-Anschluss auch eine kabelgebundene Tastatur oder eine Maus angeschlossen werden.

Keine praktische Benutzeroberfläche

Der Einrichtungsbildschirm macht uns zunächst Hoffnung, dass Dell eine eigene, übersichtliche und gut mit Tastatur und Maus bzw. Touchpad verwendbare Oberfläche benutzt. Die große Schrift auf schlichtem dunkelgrauen Hintergrund wird aber leider nur hier verwendet – gerade weil der Cloud Connect für mobiles Arbeiten geeignet sein soll, hatten wir hier auf eine übersichtlichere Lösung von Dell gehofft. Android, hier in der veralteten Version 4.1.2 installiert, gehört zu denjenigen Betriebssystemen, die mit Tastatur und Maus oder Touchpad nicht besonders komfortabel zu bedienen sind.

Neben der fehlenden Touch-Bedienung stört uns auch die hohe, nicht einstellbare Bildschirmauflösung. Dies mag zunächst paradox klingen, da eine hohe Auflösung ja normalerweise gewünscht ist: Beim Cloud Connect führt dies aber auch auf einem 42-Zoll-Fernseher zu sehr kleiner, kaum lesbarer Schrift und sehr kleinen Bedienungselementen. Sitzt der Nutzer direkt vor dem Bildschirm, mag dies weniger stören – beim eher vorstellbaren Nutzungsszenario in einem Hotel oder im heimischen Wohnzimmer dürfte der Abstand aber größer sein.

Citrix- und VM-Ware-Apps vorinstalliert

Dell installiert auf dem Cloud Connect zahlreiche Apps vor, die Zugriff auf virtuelle Desktops und den Einsatz des Sticks als Thin Client ermöglichen: Mit Pocketcloud(öffnet im neuen Fenster) , VM-Ware(öffnet im neuen Fenster) und Citrix Receiver(öffnet im neuen Fenster) können Nutzer so auch aus der Ferne auf gemeinsam genutzte Daten und Arbeitsumgebungen zugreifen und den Stick als kleinen, leicht zu transportierenden Thin Client nutzen. Mit Pocketcloud kann ein kompletter Desktop auf den Cloud Connect gespiegelt werden. Dies funktioniert in der Praxis gut, ist aber genau genommen kein Alleinstellungsmerkmal des Cloud Connects: Die jeweiligen Apps könnten auch auf Android-Sticks anderer Hersteller installiert werden.

Umfangreiche Verwaltung per Fernzugriff

Besonders ist hingegen die Einbindung des Cloud Connects in Firmen-IT-Umgebungen: Über ein Administrationsprogramm auf einer speziellen Internetseite kann ein Systemadministrator über den Cloud Client Manager den Cloud Connect umfassend konfigurieren. Unter anderem können Zugriffsbeschränkungen für den Dell-Stick erstellt werden, je nach Unternehmensstellung des Nutzers oder auch geografischer Position des Sticks. So ist es möglich, den geschäftlichen Bereich vom privaten zu trennen. Auch ein VPN-Zugang kann hier erstellt werden. Zudem ist es möglich, den Stick soweit einzuschränken, dass er nur noch eine Auswahl an Apps anzeigt oder sogar nur ein Programm. Der Administrator kann auch für jeden Cloud Connect unterschiedliche Apps sperren, beispielsweise Facebook, den Browser oder den Play Store.

Mangelhafte Kompatibilität mit Googles Play Store

Apps selber zu installieren, ist bei Dells Stick nicht so leicht wie bei anderen Android-Sticks: Der Cloud Connect hat zwar Googles Play Store aufgespielt, hier können aber aufgrund von Kompatibilitätsproblemen kaum Apps installiert werden. Grund dafür ist laut Dell der Umstand, dass viele Apps auf Hardware-Zugriffe bestehen, die der Cloud Connect bedingt durch seine Bauart nicht bieten kann, beispielsweise eine Telefonfunktion oder mobilen Internetzugriff. Daher werden die meisten Apps über den Updater installiert, eine spezielle App von Dell. Diese installiert Programme, die vorher von einem Systemadministrator über die Verwaltungsschnittstelle Cloud Client Manager ausgewählt wurden.

Über die dortige App-Verwaltung ist es möglich, Apps im Play Store zu suchen und einem internen Verzeichnis hinzuzufügen – dieses wird dann bei Ausführung des Update-Programmes mit dem Stick abgeglichen und neue Apps werden installiert. Auf diese Weise können zentral Apps zur Verfügung gestellt werden, ohne dass jeder Mitarbeiter die Programme neu kaufen muss.

Dies dient natürlich auch der Sicherheit, macht die Arbeit mit dem Cloud Connect aber stellenweise schwer. So ist es aufgrund der mangelhaften Kompatibilität nur selten möglich, schnell eine fehlende App zu installieren – dazu zählen auch kostenlose Textverarbeitungsapps wie Google Docs und Kingsoft Office.

Durchschnittliche Hardware

Der Cloud-Connect-Stick ist mit durchschnittlicher Hardware ausgestattet. Im Inneren arbeitet ein von Dell als Multi-Core-Prozessor bezeichnetes, nicht namentlich genanntes SoC mit Cortex-A9-Kernen und einer Taktrate von 1 GHz. Der Arbeitsspeicher ist 1 GByte groß, der eingebaute Flash-Speicher 8 GByte. WLAN unterstützt der Stick nach 802.11a/b/g/n auf den beiden Frequenzen 2,4 und 5 GHz.

Das Android-System des Cloud-Connect-Sticks reagiert mit einer merklichen Eingabeverzögerung. Diese verhindert zwar nicht, dass mit dem Gerät gearbeitet werden kann, nervt aber stellenweise schon. Die eher bescheidene Leistung drückt sich auch im Ergebnis des Futuremark-Benchmarks 3D Mark aus: Hier erreicht Dells HDMI-Stick im Icestorm-Extreme-Test nur 3.612 Punkte. Das sind sogar mehr als 1.000 Zähler weniger als das vom Prozessor her nicht besonders stark ausgestattete Padfone Mini. Zum Vergleich: Ein aktuelles Top-Smartphone erreicht in diesem Test knapp 20.000 Punkte.

Verfügbarkeit und Fazit

Der Cloud Connect(öffnet im neuen Fenster) kostet bei Dell 125 Euro. Dies beinhaltet den Zugang zum Cloud Client Manager mit maximal drei Administratoren und maximal 25 Geräten. Gegen Aufpreis ist auch eine uneingeschränkte Verwaltung möglich.

Dells Android-Stick Wyse Cloud Connect ist dank seiner Verwaltungsoptionen gut für die Verwendung in Unternehmen geeignet. Mit dem Cloud Connect Manager lässt sich der Zugriff weitreichend steuern und bis auf die Darstellung einer App herunterfahren. Apps lassen sich zentral verwalten. Durch Remote-Software wie Pocketcloud und Citrix lässt er sich außerdem als preiswerter Thin Client verwenden – dies ist jedoch auch mit anderen Android-Sticks möglich. Praktisch ist der Stick auch für Power-Point-Präsentationen, da er einfach an einen Beamer gesteckt werden kann.

Im Alltag unpraktisch finden wir die sehr eingeschränkte Kompatibilität mit Googles Play Store, auch im geschäftlichen Bereich. Wir konnten nur wenige Apps installieren, häufig wirkte es so, als ob der Play Store gesperrt sei. Über den Cloud Connect Manager hingegen lassen sich die inkompatiblen Apps aufspielen – das ist umständlich. Leider hat Dell zudem nicht die Chance genutzt, dem Cloud Connect eine benutzerfreundliche Oberfläche zu verpassen, die mit Maus und Tastatur einfach zu bedienen ist. Android ist ein touch-basiertes Betriebssystem, ohne Fingereingabe ist die Bedienung insgesamt umständlich.

Für Privatanwender ist der Cloud Connect kaum geeignet – es gibt preiswertere, schnellere und vor allem mit mehr Apps kompatiblere Android-Sticks. Für Unternehmen ist der Stick im Grunde aber auch nur interessant, wenn eine gut kontrollierbare Administrationsumgebung gewünscht ist. Die restlichen Softwarelösungen könnten auch mit anderen Sticks genutzt werden.


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