Test-Video The Walking Dead: Gefühlschaos nach der Zombieapokalypse

Der Comic The Walking Dead ist kein typischer Zombiecomic. Er handelt von Emotionen, insbesondere beleuchtet er das persönliche Drama der Hauptfiguren, die aussichtslose Situation der wenigen Überlebenden der Zombieapokalypse. Der Tod ist ihr ständiger Begleiter. Es ist keine Seltenheit, dass ein liebgewonnener Charakter plötzlich stirbt oder dem Wahnsinn verfällt, die Folge sind Trauer und Einsamkeit. Passenderweise ist das Videospiel The Walking Dead auch kein typisches Zombiespiel. Das Adventure von Telltale bietet eine spannende Parallelhandlung zum Comic und lässt den Spieler auf dem Weg schwierige Entscheidungen über Leben und Tod treffen.
Der Spieler steuert Lee Everett, einen ehemaligen Lehrer, der sich zu Beginn des Spiels in Handschellen auf der Rückbank eines Polizeiautos befindet. Gespräche mit anderen Charakteren wie dem Polizisten laufen unter Zeitdruck ab. Dadurch wird der Spieler zu spontanen Entscheidungen gedrängt. Manchmal bleibt kaum genug Zeit, eine überlegte Antwort auszuwählen, bis die Handlung automatisch – in diesem Fall durch einen Autounfall – weiterläuft.
Wenige Zeit später trifft Lee nicht nur die ersten Zombies, sondern auch das Mädchen Clementine. Da das Schicksal ihrer Eltern ungeklärt ist, nimmt sich Lee der Kleinen an. Das zukünftige Verhältnis zwischen Lee und Clementine ist daraufhin ein weiteres wichtiges Spielelement. Sie und viele andere Charaktere merken sich wichtige Reaktionen und Aktionen von Lee. Ob das Spiel anzeigt, welche das genau sind, kann in den Optionen eingestellt werden.
Die übrigen Überlebenden der Zombieapokalypse haben stereotype Charakterzüge, sind aber durchaus abwechslungsreich. Unter anderem hat Glenn aus den Comics einen Gastauftritt.
Spannender Hauptcharakter und Fazit
Die Vergangenheit des Hauptcharakters Lee Everett gehört zu den spannenderen Teilen der teils sehr emotional erzählten Handlung und wird im Verlauf der zweistündigen ersten Episode sehr atmosphärisch erzählt.
Manche Konfrontationen mit Zombies kann der Spieler nur mit Gewalt lösen. Diese kurzen Actioneinlagen werden mit hektischen Kameraschwenks in Szene gesetzt und sind durch einfaches Zielen und Knöpfchendrücken leicht zu meistern. Nichtsdestotrotz kann in The Walking Dead nicht jeder Mensch gerettet werden. In diesen Momenten, in denen es um Leben und Tod geht, muss sich der Spieler für eine von zwei Personen entscheiden. Die andere ist dem Tod geweiht.

Die Grafik des Adventures bleibt dem Stil der Comics treu. Ein optionaler Schwarz-Weiß-Filter wie in L.A. Noire hätte auch gut ausgesehen, fehlt aber leider. Die Animationen sind typischerweise für ein Telltale-Spiel ziemlich hakelig. Dafür haben die Entwickler deutlich mehr Arbeit in die Mimik der Charaktere gesteckt.
The Walking Dead kostet 25 Euro für die komplette Staffel und ist für PC und Mac über Steam erschienen. Die USK hat das Spiel ab 18 Jahren freigegeben. Der PC oder Mac sollte mindestens über einen Prozessor mit 2 GHz, 3 GByte Arbeitsspeicher sowie eine DirectX-9-Grafikkarte mit 512 MByte verfügen. Das Spiel ist komplett in englischer Sprache. Lokalisierte Versionen sollen für die Playstation 3, Xbox 360 und iOS erscheinen, ein fester Termin steht aber noch nicht fest.
Fazit
Am Videospiel zu The Walking Dead faszinieren in erster Linie der Hauptcharakter und die Entscheidungen des Spielers, die er unter Zeitdruck treffen muss. Die dadurch personalisierte und sehr emotionale Handlung wirkt überzeugend und passt sehr gut zur Comicvorlage. Es wird interessant sein zu sehen, wie sich die Entscheidungen in den kommenden Episoden auswirken. Telltale hat also mit The Walking Dead schon jetzt ein interessantes Experiment geschaffen, das aber technisch und spielerisch nicht rund genug wirkt, um das Prädikat "gutes Videospiel" zu verdienen.
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